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Der überführte «Spiegel»-Reporter meldet sich erstmals zu Wort

Hat er Spendengelder kassiert und veruntreut? Claas Relotius äussert sich via Anwalt zu den Vorwürfen gegen seine Person.

Er hat Artikel gefälscht und Interviewpartner erfunden: Claas Relotius, seit 2017 Autor beim «Spiegel», hält den Reemtsma-Freiheitspeis, der ihm im März 2017 in Berlin verliehen wurde.
Er hat Artikel gefälscht und Interviewpartner erfunden: Claas Relotius, seit 2017 Autor beim «Spiegel», hält den Reemtsma-Freiheitspeis, der ihm im März 2017 in Berlin verliehen wurde.
GOLEJEWSKI, Keystone
Der 33-Jährige wurde für seine Texte mehrfach ausgezeichnet und galt als Nachwuchshoffnung: Hier wurde Relotius 2014 von CNN zum «Journalist of the Year» gewählt.
Der 33-Jährige wurde für seine Texte mehrfach ausgezeichnet und galt als Nachwuchshoffnung: Hier wurde Relotius 2014 von CNN zum «Journalist of the Year» gewählt.
GERT KRAUTBAUER, Keystone
Relotius schrieb auch für einen Schweizer Verlag.
Relotius schrieb auch für einen Schweizer Verlag.
Screenshot Stämpfli-Verlag
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Der wegen zahlreichen Fälschungen überführte «Spiegel»-Reporter Claas Relotius will nach eigenen Angaben keine Spendengelder veruntreut haben. Dies hat er über seinen Anwalt mitteilen lassen.

Nachdem er eine grossteils erfundene Geschichte über syrische Waisenkinder in der Türkei im Nachrichtenmagazin «Spiegel» veröffentlicht hatte, bat Relotius um Spenden von Lesern auf sein Privatkonto. Der Reporter verwahrt sich nun gegen den Vorwurf, er habe die Spenden veruntreut. «Tatsächlich hat unser Mandant den bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spendenbetrag von insgesamt über 7000 Euro aus eigenen Mitteln auf 9000 Euro aufgestockt und (...) an die Diakonie Katastrophenhilfe (...) überwiesen», soll es in dem Schreiben heissen, das die «Welt» zitierte. Das Geld sei an ein Projekt zur Unterstützung von Flüchtlingskindern im Irak gegangen.

Allerdings wurde den Spendern erst glaubhaft gemacht, das Geld komme den im Text beschriebenen Kinder zugute. In der preisgekrönten Reportage begleitet Relotius die syrischen Geschwister Ahmed und Alin, die im Krieg ihre Eltern verloren haben und in der Türkei zu schwerer Arbeit gezwungen werden. Nur: Die Kinder sind keine Geschwister, Ahmed ist kein Waise und vom Mädchen Alin weiss man überhaupt nicht, ob es wirklich existiert.

In dem im Schweizer Stämpfli-Verlag erschienenen Sammelband «Wellen schlagen» berichtete Relotius noch über die Folgen der Reportage. Er beschreibt, dass die beiden Kinder mittlerweile in Deutschland seien, «dank der Spendengelder, die ‹Spiegel›-Leser auf mein privates Konto überwiesen». Und er habe in mühevoller Arbeit die Kinder zu einer Ärztefamilie nach Niedersachsen bringen können, die die beiden adoptiert habe. Dabei soll es sich ebenfalls um Fiktion handeln.

«Bedaure zutiefst»

In dem nun von der «Welt» zitierten Schreiben gibt Relotius zu, «über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden zu haben». Er bedauere dies zutiefst. Er habe zu keinem Zeitpunkt denjenigen in die Hände spielen wollen, die seine Reportagen nun mit «zweifelhafter politischer Intention als Beweis für die Existenz einer angeblichen ‚Lügenpresse‘ in Deutschland anführen.»

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