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Die Bretter, die die Langeweile bedeuten und die Unsterblichkeit

In unserer Serie «Lässige Sünden» beichten Redaktion Tamedia-Journalisten ihre Kultursünden. Heute: Skirennen.

Elegante, schiere Perfektion: Bruno Kernen bei seiner Siegesfahrt am Lauberhorn (2003).
Elegante, schiere Perfektion: Bruno Kernen bei seiner Siegesfahrt am Lauberhorn (2003).
Keystone

Man muss ja heutzutage als Kulturmensch nicht mehr beichten, dass man einigermassen fanatisch die Fussball-WM verfolgt, ein nationalistisches, machoides, homophobes, nach allen Regeln der kapitalistischen Künste gepimptes Spektakel, denn das gehört sich mittlerweile einfach so. Und ich gebe gerne zu, auch mir gefällt das ausnehmend (ausser, Dzemaili köpft in der 121. Minute an den Pfosten und stellt anschliessend sein Schienbein falsch zum Ball, dann finde auch ich die Welt ungerecht). Genauso sehr mag ich Radrennen, und ich könnte das hier auch mit nur den besten und luzidesten Argumenten begründen, aber ich will Sie nicht mit Dingen langweilen, die Sie nie verstehen werden. Also Skirennen. Die verfolge ich gebannt, ohne auch nur das Geringste zu sehen oder zu verstehen. Denn was man sieht, ist zunächst nur: Schnee. Die betrüblichste Naturerscheinung überhaupt. Und über diesen Schnee brettern nun auf die immer gleiche und immer gleich schnelle Weise die Kandidatinnen oder Kandidaten, und die Unterschiede sind so winzig, dass man sie in Hundertsteln von Sekunden zählen muss. Bitte sehr: Eine Sportübertragung, bei der man immer nur auf die Einblendung der nächsten Zwischenzeit wartet, ist so langweilig wie die Börsennachrichten.

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