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Die Frau ohne Eigenschaften

Angela Martini, das «Schweizer Topmodel mit albanischen Wurzeln», sorgt für Schlagzeilen. Doch gibt es sie tatsächlich?

Angela Martini als Miss Albania 2010 bei den Miss Universe Wahlen.
Angela Martini als Miss Albania 2010 bei den Miss Universe Wahlen.
Keystone
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Kennen Sie Angela Martini? Das ist das «Zürcher Topmodel mit albanischen Wurzeln», das in letzter Zeit die Boulevardseiten mit Schlagzeilen versorgt. Zum Beispiel heute im «Blick»: «Angela hat uns ein Foto get(w)ittert – jetzt wird der Sommer richtig heiss.»

Ein Wortspiel in Kombination mit nackter Haut – das ist klassischer Boulevard. Das Gleiche gilt für Angela Martinis Aufstieg ins kollektive Bewusstsein. Der lief so formelhaft ab wie Janet Jacksons Nipplegate: Platzierung an einem Schönheitswettbewerb («Die geilste Zeit meines Lebens!»), angebliches Techtelmechtel mit einem Star («Angela Martini hat was mit Kanye West – aber das ist leider nicht ihre Zunge!»), Unterhosen-Unfall («CH-Topmodel zeigt sich unten ohne!»).

Apropos Unterhosen-Unfall, das ging so: An den CFDA Fashion Awards in New York lief Angela Martini ohne Slip über den roten Teppich. Dummerweise trug sie zufälligerweise ein hochgeschnittenes Kleid. Innert Stunden war sie das meistgesuchte Model bei Google. Nach der Panne betonte Martini im «Blick»: «Ich habe den Slip im Auto vergessen. Ich bin ein sehr scheuer Mensch, habe in meiner ganzen Karriere nicht ein einziges Mal Oben-ohne-Fotos gemacht. Diese Situation ist für mich sehr verletzend.»

Schweizer Berühmtheit

Ja, die Karriere von Angela Martini ist sauber dokumentiert. Doch hat jemand Angela Martini jemals in Fleisch und Blut gesehen? Auf der Strasse? In einem Café? In einer Talkshow? Kann sie reden? Hat sie Eltern? Einen Hund? Eben. Dabei ist sie laut ihrer Webpage in der Schweiz «eine Berühmtheit». Nun könnte man einwenden, dass Angela in New York lebt, wo sie ebenfalls laut ihrer Website an ihrer Model-Karriere arbeitet und eine Firma namens Martini Corporation gründete (im Sommer soll eine eigene Bikini-Linie folgen).

Trotzdem: Uns ist Angela Martini (schon der Name klingt wie ein Kunstprodukt) nicht geheuer. Wer weiss, vielleicht wurde sie von Ringier als eine Art Truman Burbank ins Rennen geschickt. Das Sommerloch naht ja. Oder noch ungeheuerlicher: Die Frau existiert gar nicht! Wie die lesbische syrische Bloggerin, die vor ein paar Tagen als Mann enttarnt wurde. Das wär die ultimative Schlagzeile: Angela – zu schön, um wahr zu sein.

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