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«Ein Schweizer Bunker-Revival scheint nicht unmöglich»

Historikerin Silvia Berger über die Angst vor unsichtbaren Bedrohungen, Informationspolitik bei Katastrophen und Schweizer Schutzräume.

Frau Berger, weshalb ist der Mensch von Radioaktivität gleichermassen verängstigt wie fasziniert? Radioaktiver Niederschlag hat die Kapazität, Abertausende von Menschen zu töten. Verstrahlte Territorien sind langfristig nicht mehr bewohnbar. Das alles macht Angst, selbst wenn die faktische Eintretenswahrscheinlichkeit einer radioaktiven Verseuchung klein ist. Zentral bei der Angst vor Radioaktivität ist ausserdem das antisensorische Element: Strahlen sind weder sicht-, hör- noch spürbar. Darum weckten auch die Gasangriffe im Ersten Weltkrieg besondere Ängste. In unserem Angsthaushalt spielt zudem das Element der Kontrollierbarkeit eine wichtige Rolle. Welche Richtung die Isotope, die in der Luft sind, einschlagen, ist ja vom Wetter abhängig, also unserer Kontrolle völlig entzogen.

Man weiss immer noch nicht genau, wie Radioaktivität auf den Menschen wirkt. Ist diese Unwissenheit ein weiterer Angstfaktor? Ja, die Meinungen der Experten über die Wirkung von Radioaktivität, etwa auf unsere Gene, gehen auseinander. Auch die langfristigen Wirkungen eines GAUs sind unklar: Was ist in 50 Jahren? Was in 100? Diese Unwissenheit bietet nicht zuletzt Raum für Vorstellungen von dystopischen Gesellschaften oder genetisch mutierten Menschen – ein weiterer Unterschied zu biologischen Seuchen, bei denen die Effekte auf den Körper klarer umrissen sind und wir die Bedrohung eindämmen können.

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