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Ein Überwachungsskandal, tödliche Tornados und eine Überraschung

Die Nachrichtenagentur AP ist zum 50. Mal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden, die «Huffington Post» erhielt zum ersten Mal eine Auszeichnung. In der Kategorie Roman gab es derweil keinen Sieger.

Ein grosser Moment: Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP feiern die Auszeichnung. (16. April 2012)
Ein grosser Moment: Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP feiern die Auszeichnung. (16. April 2012)
Keystone
Wurde im Bereich aktueller Fotojournalismus ausgezeichnet: Der AFP-Fotograf Massoud Hossaini freut sich mit einem Kollegen in Kabul über den Pulitzer-Preis. (16. April 2012)
Wurde im Bereich aktueller Fotojournalismus ausgezeichnet: Der AFP-Fotograf Massoud Hossaini freut sich mit einem Kollegen in Kabul über den Pulitzer-Preis. (16. April 2012)
AFP
Wurde für ihre investigative Recherche gelobt: Reporter des «Philadelphia Inquirer». (16. April 2012)
Wurde für ihre investigative Recherche gelobt: Reporter des «Philadelphia Inquirer». (16. April 2012)
Keystone
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Die Nachrichtenagentur AP wurde für die Enthüllung eines Überwachungsskandals bei der New Yorker Polizei ein Preis für investigative Recherche zuerkannt. In einer Serie von Artikeln enthüllte die AP, dass die Beamten mithilfe eines CIA-Mitarbeiters mehrheitlich von Muslimen bewohnte Viertel, sowie Firmen und Gotteshäuser ausspionierten, um Terroranschläge zu vereiteln.

Der Preis für aktuellen Foto-Journalismus ging an Massoud Hossaini von der französischen Nachrichtenagentur AFP. Das ausgezeichnete Foto zeigt ein weinendes Mädchen nach einem Selbstmordanschlag in Afghanistan. Der zweite Pulitzer-Preis für investigative Recherche ging an die «Seattle Times» für eine Serie von Berichten über Fälle, in denen Patienten mit chronischen Schmerzen versehentlich eine Überdosis Methadon erhielten. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der «Philadelphia Inquirer» für seine Berichte über die umfassende Gewalt an Schulen der Stadt.

Überwachung unbescholtener Bürger

Die im vergangenen August gesendete AP-Serie zeigte, dass die Polizei systematisch Predigten auswertete, Beamte in Universitäten einschleuste und unbescholtene Bürger fotografierte. Einzelpersonen und Gruppen wurden überwacht, obwohl es keine Hinweise auf Verbindungen zu Terrorismus gab. Polizeichef Raymond Kelly und Bürgermeister Michael Bloomberg haben das Programm als legales Mittel verteidigt, um die Stadt zu schützen.

Die 1846 gegründete AP ist eine Gemeinschaftseinrichtung von Zeitungen und Rundfunksendern in den USA in genossenschaftlicher Trägerschaft. Die Nachrichtenagentur hat ihren Hauptsitz in New York und etwa 3700 Beschäftigte an weltweit mehr als 300 Orten, etwa zwei Drittel davon im redaktionellen Bereich. In Deutschland ist die Nachrichtenagentur dapd enger Partner der AP, die Auslandsredaktion der dapd ging aus dem ehemaligen Deutschen Dienst der AP hervor.

Vertuschter Missbrauchskandal

Die «Patriot-News» in Harrisburg im US-Staat Pennsylvania erhielten den Pulitzer-Preis für Lokaljournalismus. Ihre Redakteure deckten einen über Jahre vertuschten Missbrauchskandal auf, der einen der berühmtesten Collage-Football-Trainer der USA seinen Posten kostete. Die «New York Times» erhielt zwei Pulitzer-Preise für ihre Erklärstücke und ihre internationale Berichterstattung. Erstmals gewann auch die Online-Zeitung «Huffington Post» einen Pulitzer-Preis. Sie wurde für Reportagen über das körperliche und psychische Leid von Irak- und Afghanistan-Veteranen in den USA geehrt.

Die Mitarbeiter der «Tuscaloosa News» aus dem Staat Alabama wurden für ihre Berichterstattung über einen tödlichen Tornado ausgezeichnet. Die Jury honorierte ihre Verschmelzung traditioneller Reportage mit der Nutzung sozialer Medien, durch die die Zeitung in Echtzeit informierte und auch bei der Suche nach Vermissten half, während weiterhin trotz Stromausfalls in die Tiefe gehende Geschichten für den Druck produziert wurden.

Kein Sieger in der Kategorie Roman

Eine Überraschung gab es in einer ganz anderen Kategorie. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wird 2012 kein Roman mit dem begehrten Pulitzer-Preis gewürdigt. Die Jury teilte mit, dass zwar drei Kandidaten in die Endrunde gekommen seien. Einen Grund für die Entscheidung, keinen dieser Autoren auszuzeichnen, nannte sie aber nicht.

Der Pulitzer-Preis wird von der New Yorker Columbia-Universität vergeben. Jeder der Preise ist mit 10'000 Dollar (7700 Euro) dotiert.

dapd/sda/AFP/mrs/jak

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