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Filigran in den Frühling

Wuchtige Loungelandschaften haben wir genug gesehen. Die Outdoormöbel im Garten werden wieder kleiner, leichter und mobiler – zum Glück.

Der Designer Adrien Rovero hat für Atelier Pfister eine elegante Gartenstuhlkollektion namens Lausanne entworfen, die auf den ersten Blick an den legendären Landi-Stuhl erinnert.
Der Designer Adrien Rovero hat für Atelier Pfister eine elegante Gartenstuhlkollektion namens Lausanne entworfen, die auf den ersten Blick an den legendären Landi-Stuhl erinnert.
Atelier Pfister/zvg
Verästelte Struktur: Stuhl Forest von Weishäupl.
Verästelte Struktur: Stuhl Forest von Weishäupl.
zvg
Farbe auf dem Gartentisch:  Tischset von ­Pfister.   Atelier
Farbe auf dem Gartentisch: Tischset von ­Pfister. Atelier
Pfister/zvg
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Dass das Draussen das neue Drinnen ist, wird uns nun schon eine ganze Weile eingetrichtert. Also räumen wir alles in den Garten und auf die Terrasse, was einigermassen wetterbeständig ist. Ganze Sofalandschaften, Kissen, Outdoorküchen. Und dann wird längst nicht mehr einfach nur gesessen, sondern geloungt, was das Zeug hält. Inzwischen so inflationär, dass man sich fast als Aussenseiter vorkommt, wenn man keine dieser wuchtigen Dinger im Garten besitzt.

Doch seien wir ehrlich: So wirklich gesellschaftstauglich sind diese Monstergarnituren nicht. Man hängt sich rein und bleibt für eine Weile sitzen, weil man sich kaum mehr herausheben kann. Eine Kommunikation ist kaum möglich, weil das Gegenüber meterweit entfernt sitzt. Und dann erst beim Essen. Haltung bewahren sieht anders aus: Der Bauch wird eingeklemmt, der Rücken gebogen, damit man einigermassen zu seinem Teller an den Tischchen kommt.

Zum Glück steht uns nun eine Kehrtwende bevor. Lounges werden wieder kleiner, die Möbel generell leichter, das Design filigraner. Und vor allem gehören die starren L- und U-Formen bald der Vergangenheit an. Denn heute will man spontan seine Gartenmöbel umgruppieren können. Vor allem aber haben sich viele sattgesehen an den Kunststoffgeflechten.

«Sie werden zwar immer noch gut verkauft, aber die kubischen Formen sind heute tatsächlich weniger gefragt. Man sucht mehr Individualität mit spezielleren Formen und Materialien», stellt Timon Kobel, Leiter Marketing und Kommunikation bei Hunn Gartenmöbel AG aus Bremgarten AG, dem grössten Schweizer Fachgeschäft, fest.

Gefragte Klassiker

Materialien wie Chromstahl, Aluminium, Holz erobern zunehmend den Outdoorbereich. Mit gutem Grund: Sie sind langlebig, strapazierfähig und wirken moderner und schlichter. Zudem setzt man wieder vermehrt auf Klassiker wie etwa die Spaghettistühle von Huldreich Altorfer bei Embru, die es nun in einer Loungeversion gibt. Stahlrohrklassiker aus der Bauhaus-Zeit erleben einen zweiten Frühling.

Die Outdoorkollektion «Thonet All Seasons» bietet ausgewählte Entwürfe wie die Freischwinger S 33 und S 34 von Mart Stam, den Loungesessel S 35 von Marcel Breuer und den Freischwinger S 533 von Ludwig Mies van der Rohe, die dank spezieller Technologie zu witterungsbeständigen und formschönen Begleitern auch im Aussenbereich werden. Auch die Schaffner-Stühle Säntis und Rigi und vor allem der Landi-Stuhl aus den 1930er-Jahren von Hans Coray aus Aluminium bei Vitra sind wieder gefragt.

Der Lausanner Designer Adrien Rovero hat sich ebenfalls des Aluminiums angenommen und für Atelier Pfister eine anmutige, elegante Gartenstuhlkollektion entworfen, die ab Mai auf dem Markt sein wird. Sie heisst Lausanne und erinnert auf den ersten Blick an Corays Landi-Stuhl. In der Tat hat Rovero, der in Renens ein Designstudio betreibt, den legendären Stuhl genau unter die Lupe genommen. «Ich habe mir überlegt, was einen Stuhl typisch schweizerisch macht, und bin zum Schluss gekommen, dass es einige Schweizer Stühle mit Löchern gibt, im Ausland hingegen nicht.»

Der Westschweizer Industrial Designer wollte ganz bewusst einen filigranen, schlichten Stuhl entwerfen, der ein Maximum an Komfort bietet. «Als Kontrapunkt zu den schweren Loungemöbeln.» Die Löcher haben übrigens nicht nur eine identitätsbezogene Funktion, sondern sorgen auch dafür, dass er leichter ist und das Wasser auf der Sitzfläche des Stuhles nach einem Regenguss gut ablaufen kann.

Würde man allerdings die Löcher wegdenken, hätte Roveros Lausanne-Stuhl wenig mit dem Landi-Stuhl zu tun. Allein schon von der Technologie her, wollte er doch sein Modell mit Armlehnen versehen. Der Rahmen seines Stuhles ist aus Aluminiumguss mit einer Sitz- und einer Rückenfläche, die aus Aluminiumblech ausgefräst und geformt wurde. Das ermöglicht, dass auch Farben eingespritzt werden können.

Mehr Farbe ins Grün

Das Thema Farbe bekommt in der Tat mehr Gewicht bei den Gartenmöbeln, auch wenn die meisten Schweizer immer noch auf Schwarz und Silber setzen. «Man zeigt eindeutig mehr Mut zur Farbe – sei es mit Kissen oder mit bunten Möbeln», stellt Timon Kobel fest. So lanciert Hunn die Kollektion Valencia in diversen Farben, die mit einem Click-System individuell angepasst werden können. Ebenfalls mit diesem System hat Mobitare eine Kollektion von Houe im Sortiment.

Mit der Kollektion Forest, die durch die verästelte Struktur der Sitzschalen sehr organisch anmutet, bringt Weishäupl Farbe ins Grün. Und sogar Schaukelstühle und Ohrensessel finden neu im Garten Platz. Letzterer von Hunn etwa kann dank Polsterfüllung aus schnell trocknendem Schaum ganzjährig draussen eingesetzt werden. Damit man so richtig gemütlich relaxen und die Gartenarbeit für eine Weile vergessen kann.

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