Gratis Schweiss und Muskeln

Januarloch-Kalender

Eine öffentliche Tanzprobe im Berner Stadttheater kostet nichts, ist aber auch aus anderen Gründen durchaus bereichernd.

Nicht nur bei Aufführungen, auch bei öffentlichen Proben strömen Zuschauer ins Berner Stadttheater.

Nicht nur bei Aufführungen, auch bei öffentlichen Proben strömen Zuschauer ins Berner Stadttheater.

(Bild: Adrian Moser)

Michael Feller@mikefelloni

Sind die Bernerinnen und Berner eine Gemeinschaft schmürzeliger Schnäppchenjäger – die nicht mal für die Künste zu bezahlen bereit sind? Man könnte es meinen, wenn man hört, welche Veranstaltungen auf besonders viel Resonanz stossen beim Publikum von Konzert Theater Bern (KTB): die öffentlichen ­Proben.

Bis zu 200 Gäste

Gerade in der Tanzsparte kommen die Fans in Scharen zum Gratisspektakel. Wenn im Stadttheater, im grossen Haus, geprobt wird, kommen jedes Mal 200 Zuschauerinnen und Zuschauer. Am Donnerstag ist nun eine Tanzprobe im kleineren Rahmen angesagt, im KTB-Tanzstudio der Vidmarhallen im Liebefeld. Dort probt die Tanzcompagnie das Stück «Kontraste». Doch Konzert Theater Bern erwartet auch hier 60 bis 80 Gäste. «Da ist man dann sehr nahe dran», sagt Tanzdramaturgin Isabelle Bischof, «man sieht den Schweiss und die Muskeln der Tänzerinnen und Tänzer.»

Doch nicht nur körperliche und finanzielle Reize machen die öffentliche Probe attraktiv: Sie bietet einen Blick hinter die Kulissen. Die Grundlagen des Stücks sind zu diesem Zeitpunkt der Proben bereits gelegt. Jetzt geht es um Vertiefung und Details. «Man sieht, wie an der Rohform gefeilt wird», sagt Bischof, die dem interessierten Publikum während der Probe erklärt, was gerade passiert.

Wird da wirklich gearbeitet, oder ist das nur Show? «Klar, wir müssen die Zeit nutzen. Das Publikum sieht nur die letzte Stunde des regulären Probebetriebs des Tages», sagt Bischof.

Zusätzliche Spannung

Auch für die Künstler sei eine öffentliche Probe zwischendurch wohltuend: «Durch das Publikum entsteht eine zusätzliche Spannung, das ist gut für das Produkt.» Die Tänzerinnen und Tänzer reissen sich ein erstes Mal richtig zusammen. Denn vor Publikum will jeder Künstler glänzen – nicht nur mit Schweiss, auch mit dem Können.

Und nein, knausrig seien sie nicht, die Berner: Viele wollen laut Dramaturgin Bischof später auch das Resultat der Probe sehen – und kaufen ein Ticket für eine reguläre Vorstellung.

Öffentliche Proben «Kontraste»: Do, 10.1., 18 Uhr, und Do, 24.1., 18 Uhr, Vidmarhallen, Liebefeld. Premiere: Fr, 1.2., 19.30 Uhr, Vidmar 1.

Berner Zeitung

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