Jack Black macht Vorsintflutsatire

Mit einem Youtube-Kanal will der Schauspieler das Internet aufrollen. Erklärtes Ziel: Mehr Zuschauer erreichen als Streamer PewDiePie. Auf Inhalte kommt es dabei nicht an.

Kann Jack Black damit tatsächlich Konkurrenz sein für PewDiePie, der über 80 Millionen Abonnenten auf Youtube hat? (Quelle: Youtube)

Viel zu sehen gibt es nicht, aber genau darum geht es. Jack Black hat einen Youtube-Kanal gestartet: Jablinski Games. Es soll um Computerspiele, Kochen und andere Lifestyle-Themen gehen, jeden Freitag möchte er ein neues Video veröffentlichen. Erklärtes Ziel: Mehr Zuschauer haben als PewDiePie, der Kanal des Schweden Felix Arvid Ulf Kjellberg. Mit 80 Millionen Abonnenten, gut 3700 Videos und knapp 20 Milliarden Aufrufen ist PewDiePie der erfolgreichste Produzent auf Youtube. Black hält seit Ende Dezember mit bisher drei Videos dagegen: Die ersten beiden dauern zusammen gerade 79 Sekunden und sind nur Ankündigungen des zotteligen Schauspielers und Klamaukmusikers, dass es jetzt wirklich bald losgeht mit seinem Kanal.

Vergangenen Freitag postete er das erste längere Video. Es dauert gut drei Minuten und zeigt Black wieder nicht beim Kochen, Schminken oder Computerspielen, sondern in einer Spielhalle für vorsintflutliche Flipper und Spielautomaten in Las Vegas, wo er ein Eishockey-Spiel von 1945 und eine Daumenkinomaschine von 1921 ausprobiert. Unter Gaming versteht die Netzgemeinde im Allgemeinen etwas anderes. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich bei Jablinksi Games um Satire handelt. Obwohl der Kanal noch fast keine Inhalte bietet, hat er schon drei Millionen Abonnenten und 22 Millionen Aufrufe.

Was provoziert, wird mehr geklickt

Die Videos der erfolgreichsten Youtuber sind meist schrill, sprunghaft und irgendwie provokant. PewDiePie macht sich zum Beispiel in einem seiner neuesten Videos über «versehentlichen Rassismus» lustig - er meint damit so etwas wie Autos in der Farbe «supreme white» – und relativiert die eigene Kritik gleich wieder: «Das passiert den besten von uns.» Über PewDiePie wird gesagt, er habe die «Ästhetik des Populismus» erfunden. Die Algorithmen von Youtube fördern solche Aufreger und simplen Argumentationen. Was provoziert, wird mehr geklickt und erzeugt mehr Werbeeinnahmen. Was viel geschaut wird, wird noch mehr geschaut. PewDiePie soll monatlich etwas mehr als eine Million Dollar durch Werbung verdienen.

Jack Blacks Erfolge basieren natürlich auf seiner Prominenz als Schauspieler und Sänger der Band Tenacious D. Sie zeigen aber auch, dass es in der Logik dieser Plattformen auf Inhalte nicht ankommt, wenn jemand wie PewDiePie mit der Relativierung von Rassismus fast sechs Millionen Zuschauer erreicht - und Jack Black sich nur im Bürostuhl drehen muss, um neun Millionen zu erreichen. Jack Black hat auf seinem Kanal keine Werbung geschaltet, aber die Statistikwebsite «Socialedge» hat errechnet, dass er schon jetzt bis zu 1,7 Millionen Euro im Jahr verdienen könnte – ohne einen nennenswerten Inhalt. Wenn da mal keine Blase droht.

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