Köppel

Es gibt Fangwörter, die uns zum Lesen eines Textes zwingen. Auch wenn wir gar nichts darin erfahren.

Köppel ist überall. Auch in unserem Glossentitel.

Köppel ist überall. Auch in unserem Glossentitel.

(Bild: Keystone)

Martin Ebel@tagesanzeiger

Wetten, dass Sie diesen Text lesen werden? Sie können gar nicht anders, bei diesem Titel. Auch wenn ausser dem Namen, ausser diesem Namen, nichts weiter angekündigt wird. Was er sagt, was er will, was er angestellt hat. Köppel reicht.

Sex sells, weiss die Werbung; Titel, in denen das Wort «Sex» vorkommt, verkaufen sich auch, weiss das Journalismus-Marketing. Wer seine Leser in seinen Text hineinzwingen will, braucht solche Fangwörter. Es gibt wenig Namen, die allein einen solchen unwiderstehlichen Zwang ausüben, wenige auch, die das gesamte Publikum erreichen und nicht bloss Teilmengen, etwa die Popfans oder die Sportinteressierten. Obwohl: «Federer» geht über Letztere hinaus, ist eine allgemeingültige Wortfalle. «Blocher» ist längst keine mehr – sic transit gloria mundi. Auch «Trump» leidet, durch Überbeanspruchung, an Abnutzungserscheinungen.

Seit der Journalismus noch schneller geworden ist, ploppen auch immer mehr Aufreger auf, die alsbald wieder in sich zusammenfallen. Erst will man alles über sie erfahren – und dann gar nichts mehr.

Die Halbwertszeit als Wortfalle ist kurz. Loredana war so eine Titel-Eintagsfliege. Geri Müller – wer war das noch? Und Spiess-Rickli? Nee, die hiess doch irgendwie anders. Nur Köppel: Der funktioniert seit einigen Jahren zuverlässig, woran er durch Dauerselbstmarketing keinen geringen Anteil hat.

So lesen Sie auch weiterhin jeden Artikel, der mit Köppel titelt, auch wenn Sie danach gar nichts über Köppel erfahren. So wie hier.

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