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Neue Volksmusik: Texte wie vor 80 Jahren

Mit Unterstützung der Pro Helvetia suchte das Eidgenössische Jodlerfest den Jodel-Klang der Zukunft. Mitgemacht haben nur wenige - das Maximum an Innovation waren Dudelsäcke.

Nur Schwyzerörgeli und Akkordeon dürfen gemäss Reglement des Jodlerverbandes den Jodel begleiten. Diese Regel wollte das Jodelfest mit dem Komponisten-Wettbewerb «Jodel Plus» aufbrechen, unterstützt wurde es dabei unter anderem von der Kulturstiftung Pro Helvetia und dem Schweizer Fernsehen.

Zuhörer und Zuschauer waren bei diesem Projekt nicht die Mangelware, sondern die Teilnehmer für den mit 8'000 Franken dotierten Wettbewerb. 38 Eingaben wurden insgesamt gemacht. Auf der CD zu hören sind 20 Jodel-Stücke an denen 14 Komponisten beteiligt waren. Die Komponisten stammen vorwiegend aus dem Entelbuch. Das klingt nicht gerade nach Vielfalt.

Jodler stossen an Grenzen

Obwohl gerade in der Volksmusik äusserst viel komponiert wird, haben sich offensichtlich nur wenige Komponisten zur Teilnahme an diesem im Jodelbereich vielbeachteten Wettbewerb angeregt gefühlt. Sämi Studer, Redakteur für Volksmusik bei der DRS Musikwelle und Projektverantwortlicher für Jodel Plus, glaubt, dass die spärliche Teilnahme vor allem daran liege, dass sich viele Jodel-Komponisten von den Auflagen des Wettbewerbs abgeschreckt fühlten: «Für den Wettbewerb haben wir komplett neue Formen und Begleitkörper gefordert, da sind wohl einige an ihre Grenzen gestossen.»

Neuartiges Auswahlverfahren

Es sei dann auch nichts wahnsinnig Provokantes entstanden: «Sehr Experimentelles, was in der heutigen Jodlerszene zum Beispiel von den Jodlerinnen Erika Stucky und Nadja Räss durchaus präsentiert wird, gab es nicht. «Wir hatten somit auch keine Beschwerden von Traditionalisten» so Studer.

Auf alle Fälle genug innovativ, dass diese Stücke wohl noch nicht am Jodlerfest vor drei Jahren in Aarau gespielt worden wären, findet sie Thomas Gartmann von Pro Helvetia. Innovativ an diesem Projekt sei vor allem auch das vierstufige Auswahlverfahren gewesen: Die 38 Stücke wurden zuerst von einer Fachjury, dann vom Radiopublikum, später vom Fernsehpublikum und zuletzt vom Publikum vor Ort bewertet. Gemäss Budget sind für das gesamte Projekt «Jodel Plus» rund eine Viertelmillion Franken eingeplant worden.

Jodel-Profi hat bewusst nicht mitgemacht

Genau diese Art von Auswahlverfahren war es, welches Willi Valotti, in der Jodler-Szene als sehr experimentierfreudiger Jodler-Komponisten bekannt, davon abgehalten hat mitzumachen: «Fachjury und Publikumswertung - das passt einfach nicht zusammen.» Valotti kann sowieso nichts damit anfangen, dass an jedem Fest ein Wettbewerb veranstaltet werden muss. Die Idee von Jodel Plus, also die Öffnung für mehr Instrumente in der Jodelmusik, findet er eine gute Sache. Aber: «Es wäre mehr Neues entstanden, hätte man die als innovativ bekannten Jodel-Komponisten beauftragt Stücke dafür zu erstellen.»

Den Grad der Innovation der eingegangenen Stücke sieht auch Thomas Gartmann mit gemischten Gefühlen: Es seien einige neue Instrumente ausprobiert worden und auch die musikalischen Formen der Stücke seien zum Teil spannend und neu gewesen. So zum Beispiel ein Jodelstück begleitet mit Dudelsack. Das Gewinnerstück «Tannezapfe-Sammler» sei gemäss der Expertise von Pro Helvetia auf alle Fälle als originell und eigenständig eingestuft worden.

Siegerlied mit Potenzial zum Gassenhauer

Für die Ohren des Jodel-Laiens klingt das Stück jedoch wie manch altbekanntes Jodel-Lied: Lüpfig, eingängig, geschmückt mit einfachen Worten. Auch Profi Willi Valotti sieht in dem Lied keine richtige Innovation, es sei jedoch ein «lustiges Liedli, mit Potenzial zum Gassenhauer».

Kritik übt Thomas Gartmann vor allem an den Liedtexten: «Die Texte der Stücke sollten endlich einmal der heutigen Zeit angepasst werden». Die meisten der eingegangen Texte könnten nämlich auch aus den 1930er Jahren stammen, so Gartmann, die Themen sei vor allem die Natur und die heile Welt. Doch die hätten sich in den letzten paar Jahrzehnten schliesslich auch massiv verändert: «Das sollte man auch in diesen Texten hören können.»

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