Rosenhochzeit bei Strohmann-Kauz

Langenthal

Exakt zehn Jahre ist es her, dass das Kabarettduo seine Bühnenpremiere feierte. Am Freitag kehren Matthias Kunz und Rhaban Straumann zurück nach Langenthal: um viele Erfahrungen reicher und mit zwei alten Bekannten im Gepäck.

Wo alles begann: Rhaban Straumann (l.) und Matthias Kunz im Saal des Kirchgemeindehauses Geissberg.

Wo alles begann: Rhaban Straumann (l.) und Matthias Kunz im Saal des Kirchgemeindehauses Geissberg.

(Bild: Thomas Peter)

Kathrin Holzer

«Es ist für uns schon eine Art Heimkommen», sagt Matthias Kunz. Für ihn sowieso: In Roggwil aufgewachsen, hat der heute 37-Jährige sein halbes Leben im Dorf und in der nahen Stadt verbracht. Nicht von ungefähr hat es ihn mit seinem Bühnenpartner Rhaban Straumann (43) denn auch nach der Ausbildung immer wieder nach Langenthal zurückgezogen. Ans Gymnasium etwa, wo sie als langjährige Begleiter der Theatergruppe auch viel über ihr eigenes Schaffen lernen konnten.

Ebenso an der Langenthaler Kulturnacht haben der Wahlberner Kunz und der in Olten sesshafte Straumann immer wieder mitgewirkt – in derselben Oberaargauer Kleinstadt, in der sich die beiden Schauspieler als Duo Strohmann-Kauz seinerzeit überhaupt das erste Mal vor Publikum gewagt hatten.

«Völlig übertrieben»

«Von A bis Z haben wir damals ­alles selber organisiert und es völlig übertrieben», erinnert sich Straumann zurück an jenen 5. April 2006. Dreimal in Folge sind sie mit ihrem Erstling «Wasserschaden» im Kirchgemeindehaus Geissberg aufgetreten. «Das Stück war viel zu lang. Schon die erste Hälfte hat fast zwei Stunden gedauert.» Auch aus der ursprünglich fünfminütigen Schlusssequenz seien schliesslich zwanzig Minuten geworden.

Gerade damit aber hat das Duo den Grundstein gelegt für ein mittlerweile zehnjähriges professionelles Schaffen. War die Improvisation seinerzeit noch «eine Entgleitung», wie es Straumann nennt, so macht sie heute einen guten Teil der strohmann-kauzschen Bühnenkunst aus. «Vieles bei der Erarbeitung des Stücks entsteht aus purer Improvisation, aus der heraus dann die fixen Szenen geschrieben werden», erklärt Kunz. Das ist auch bei «Milchbüechlirächnig» nicht anders, ihrem fünften und neusten Stück, mit dem sie am Freitag ins Stadttheater kommen.

Erfolgreiche Rentner

Es ist ein Wiedersehen nicht nur mit einem Bühnenduo, das in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil des Kulturschaffens auch im Oberaargau geworden ist. Es ist ebenso die Rückkehr von Ruedi und Heinz, dem so unterschiedlichen wie unzertrennlichen Rentnerpaar, das seine ersten Szenen schon 2006 hatte und seither zum fast ständigen Begleiter der beiden Schauspieler geworden ist.

Bereits nach «Wasserschaden» hätten sie gewusst, dass sie mit den Senioren einmal ein abendfüllendes Stück machen würden, sagt Straumann. Es entstanden erst der 20-Minuten-Block zum 5-Jahr-Bühnenjubiläum und 2012 «Landfroue-Hydrant»: das Stück, das Ruedi und Heinz zu mittlerem Kultstatus verhalf und mit dem Strohmann-Kauz inzwischen weit über hundert öffentliche Auftritte in allen Teilen des Landes bestritten haben. Auch ein Hörspiel ist 2013 entstanden.

«Die Leute haben die beiden Figuren anscheinend wirklich gern, Ruedi und Heinz haben unseren Publikumskreis deutlich erweitert», sagt Straumann. Und Kunz macht keinen Hehl daraus, dass es sich bei der Wiedereinbindung der Figuren ins neuste Stück nicht zuletzt auch um einen «strategischen Entscheid» handle.

Humor mit Tiefgang

Für die Schauspieler selber funktionieren Ruedi und Heinz bestens. «Wir können ihnen blind vertrauen», sagt Straumann. «Und wir können mit den zwei Alten Themen aufgreifen, die ohne sie nur sehr schwierig umsetzbar wären.» Der Reiz, Grenzen auszuloten, und der Anspruch, mit ihrem kabarettistischen Spiel echte Inhalte zu transportieren, sind wichtige Aspekte für Strohmann-Kauz. Auch im neusten Stück sind es bei aller Situationskomik an sich sehr ernste Themen, die Kunz und Straumann gemeinsam auf die Bühne bringen: Es geht um das Älterwerden, um Einsamkeit und auch ums Sterben. Und doch darf gelacht werden – über Ruedi und Heinz ebenso wie über den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen.

Zum Geburtstag fremde Texte

Dass sie einmal ihr Zehnjähriges würden feiern können, damit hatten die beiden Schauspieler 2006 noch nicht wirklich ge­rechnet. «Wir dachten, wir fangen einfach mal an. Ganz ohne Businessplan», sagt Kunz und schmunzelt.

Gefeiert wird das Bühnenjubiläum nicht nur mit der aktuellen Tournee. Die ansonsten nur Gruppen vorbehaltenen satirischen Stadtführungen durch Olten mit Ruedi und Heinz sind am 23. April und am 21. Mai ausnahmsweise öffentlich. Der eigentliche Jubiläumsabend aber steigt am 16. November im Kino Capitol in Olten: Mit unterschiedlichsten Texten, die andere Bühnenkünstler und Autoren eigens für Ruedi und Heinz geschrieben haben oder diesen anvertrauen.

«Milchbüechlirächnig»: Freitag, 8. April, 20 Uhr, Stadttheater Langenthal. Tickets: Tel. 062 922 26 66.

Berner Zeitung

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