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Strenge Schritte zu Rock’n’Roll

Zum Schluss gab es ­klassisches Ballett zu Patti Smith: Das Festival Tanz in Bern ist am Wochenende zu Ende gegangen. Mit Abgefahrenem – und erfreulich viel ­Publikum.

Posen in Schwarz-Weiss: «To a Simple Rock’n’Roll-Song» der Michael Clark Company.
Posen in Schwarz-Weiss: «To a Simple Rock’n’Roll-Song» der Michael Clark Company.
zvg

Es gab Abgefahrenes zu sehen bei Tanz in Bern. Etwa ein rollschuhfahrender Eisbär in Lea Moros Produktion «The End of the Alphabet». So gesehen war der Abschluss des dreiwöchigen Festivals fast schon schockierend ­klassisch.

Zu Gast war, zum ersten Mal in der Dampfzentrale, eine Produktion von Michael Clark. Lange waren im Berner Tanz-Hotspot keine Briten zu sehen. Unter dem Belgier Georg Weinand gab es vor allem Belgier zu sehen. Anneli Binder, die aktuelle Spartenleiterin Tanz in der Dampfzentrale, weitet den Fokus. Doch sie sucht nicht nur die Breite, sondern auch Tiefenschärfe. Dazu hat sie dieses Jahr stark auf die Wissenschaft gesetzt, die gesellschaftliche Themen im Tanz wie das Geschlechterrollenverständnis in Gesprächsrunden diskutieren soll. «Die Dampfzentrale kann und soll ein Ort der Diskussion und Kunst sein», sagt Binder.

Klassische Schritte

Aber eben, der Schluss war ungewöhnlich konventionell – auf den ersten Blick: Die sieben Tänzerinnen und Tänzer der Michael Clark Company zeigten in «To a Simple Rock-’n’-Roll-Song» vorwiegend Schritte und Posen aus dem klassischen Ballettrepertoire. Am dreiteiligen Abend tanzten sie erst zu Erik Satie. Es gab so strenge wie anstrengende Körperhaltungen zu bestaunen. «Ist das alles, ist das ironisch?», ist man sich geneigt zu fragen.

«Die Dampf­zentrale kann und soll ein Ort der Diskussion und der Kunst sein.»

Tanzchefin Anneli Binder

Teil zwei wird mit Musik von Proto-Punk Patty Smith unterlegt, der dritte Teil mit David Bowie. Nach und nach zeigt sich die Raffinesse von Clarks Choreografie: Es geht nicht um Ironie, sondern um Überhöhung. Die Tänzerinnen und Tänzer zeigen weiter klassisches Ballett. Aber Clark setzt die Schritte ein, als wären sie für den Rock ’n’ Roll geschaffen, nichts wirkt aufgesetzt. Der Abend steigert sich von einer beschaulichen Szenerie zur ungeahnt intensiven Schau der Posen. Natürlich wird das Klassische dann doch gebrochen. Den Tänzern in 80er-Rocker-Spandex-Hosen brandet von der Zuschauertribühne grosser Applaus entgegen.

Zufrieden mit dem Festival zeigte sich gestern die Dampfzentrale. Hochgerechnete 2700 Besucherinnen und Besucher zählten sie – eine leichte Steigerung gegenüber dem letzten Jahr.

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