Zum Hauptinhalt springen

Von Burkas und Brüsten

Güzin Kar hat da ein paar Ideen bezüglich der Bundesverfassung.

Unsere Kolumnistin Güzin Kar.
Unsere Kolumnistin Güzin Kar.

Natürlich könnte man die Bundesverfassung zu einer Art persönlichem Stimmungsbild umfunktionieren, das nicht länger mit Präambeln und Artikeln langweilt, die kein Schwein interessieren, sondern unsere individuellen Ängste und Aversionen wiedergibt. Sie begänne denn auch nicht mit «Im Namen Gottes, des Allmächtigen», sondern mit «Liebes Tagebuch».

Aus unserer Bundesverfassung würde ein Abbild der mentalen Verfassung des Landes, bei der weniger die Werte einer Nation im Vordergrund stünden als vielmehr die Monster des Alltags.

Die Furcht vor dem Yeti

Ich schlage vor, jeder Bürgerin und jedem Bürger eine Seite zur freien Verfügung zu stellen, um in dem 8,3 Millionen Seiten umfassenden Regelwerk einen Leporello der reinen und unzensierten Volksseele zu erhalten. Wenn man unbedingt kürzen muss, kann man das ja bei den Ausländern tun. Die Kinder würde ich hingegen lassen, da die Jüngeren unter ihnen vielleicht auch etwas malen, und Bildmaterial täte unserer recht wortlastigen Bundesverfassung gut. Auf den nunmehr über 6 Millionen Seiten dürfte sich das Volk therapeutisch austoben.

Die Angst vor Burkas hätte hier genauso ihre Berechtigung wie die Furcht vor dem Yeti, der Hass auf Homöopathie oder den Ex-Freund. Dabei tut die Frage, wie viele Yeti- und Burkasichtungen in der Schweiz vorkommen, nichts zur Sache, es geht ums Prinzip, das nicht durch Erfahrungswerte verwässert werden sollte. Auch muss man beachten, dass ein Burkaverbot ja gar nicht die verhüllten Frauen bestrafen, sondern in erster Linie deren unterdrückende Männer erschrecken will wie Knoblauch den Dracula.

Die Hausfrau als Haustier

Das Abschreckmoment einer Bundesverfassung gefällt mir sehr, und ich persönlich würde deshalb auch Hausfrauen verbieten, um deren Männer zur Räson zu bringen, die sie unentgeltlich arbeiten lassen. Ausserdem klingt «Hausfrau» nicht ohne Grund wie «Haustier», und bis heute kann mir keiner sagen, ob Erstere artgerecht gehalten werden. Auch würde ich allen berufstätigen Frauen, die für dieselbe Arbeit weniger Lohn als ihre Kollegen erhalten, fristlos kündigen.

Man muss hier ein Zeichen gegen die Machos in den Firmen setzen. Frauen, die sich ihre Brüste operativ vergrössern lassen, sollte man aus dem öffentlichen Raum verbannen, da sie als personifizierte Männerfantasie untragbar sind. Wo wir beim Thema sind: Julia Onken sollte endlich per Bundesverfassung zwangsemanzipiert werden, da sie bisher immer das tut, was Ulrich Schlüer tut. Sie sind beide im «Initiativkomitee Ja für das Verhüllungsverbot», wobei er zusammen mit vier anderen Männern im Präsidium sitzt, während Frauen nur als einfache Mitglieder fungieren. Als Frauenrechtlerin kann ich dies nicht gutheissen und werde Julia Onken und den anderen Frauen westliche Werte beibringen, indem ich sie aus dem Mackerkomitee befreie.

Aber nebst diesem politischen Pipifax hätte ich ganz konkrete, persönliche Anliegen. Meine Seite der Verfassung begänne deshalb mit: «Die Würde des Menschen ist unantastbar, ausgenommen diejenige meines Nachbarn, dessen Namen ich nicht kenne, weil der Esel weder grüsst noch ein Pläuschchen hält, wie es unsere heimische Leit- und Liftkultur vorsieht. Dessen Würde ist so was von antastbar, und zwar herrscht für diesen Herrn ab sofort Burkazwang, damit ich mir seine miesepetrige Visage nicht länger antun muss.» So in etwa stelle ich mir die neue Bundesverfassung according to the people vor.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch