Electroboy sagt Tschüss

Eine Plattentaufe, eine Ausstellung, dann ist Schluss: Der Berner Florian Burkhardt, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Electroboy, will sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

Zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück: Electroboy.

Zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück: Electroboy.

(Bild: PD)

Mirjam Comtesse

Der Berner Florian Burkhardt, international bekannt als «Electroboy», will sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Er verabschiedet sich dieses Wochenende mit einer Electroparty und gleichzeitiger Plattentaufe im Gaskessel in der Stadt Bern. Rund eine Woche später zeigt er in einer Ausstellung in der Sattelkammer, wie er in den Nullerjahren zum Electroboy wurde. Danach soll Schluss sein mit öffentlichen Auftritten.

Das Leben des heute 45-Jährigen erinnert an eine griechische Tragödie. Auf den rasanten Aufstieg folgte die tiefe Krise. Im Dokfilm «Electroboy», der 2014 in den Kinos lief, erzählt Regisseur Marcel Gisler die berührende Geschichte. Florian Burkhardt selber arbeitete seine Vergangenheit in den beiden autobiografischen Romanen «Das Kind meiner Mutter» (2017) und «Gewicht der Freiheit» (2018) auf.

Aufgewachsen ist er in der Innerschweiz in beengten katholischen Verhältnissen. Seine Eltern betrachteten ihn als «Ersatzkind» für den bei einem Autounfall verstorbenen Bruder. Ihre Angst, auch dieses Kind zu verlieren, führte dazu, dass Florian Burkhardt isoliert und überbehütet aufwuchs. «Ich habe bis 21 keine Erfahrungen gesammelt», sagt er im Dokfilm. Kein Wunder, wollte er ausbrechen.

Zuerst war er Snowboard-Profi, danach versuchte er sich als Schauspieler in Hollywood. Als das nicht klappte, sattelte er aufs Modeln um. Mit riesigem Erfolg: Florian Burkhardt lief weltweit auf Laufstegen, hatte Verträge mit Prada und Gucci. Später wurde er zum «Electroboy». Seine aufwendigen Electropartys machten ihn ab 2004 zum König der Zürcher Partykultur.

Dazwischen und danach litt er wiederholt unter Angststörungen. Bis heute kämpft er mit der Erkrankung. Seit 2017 lebt Florian Burkhardt in Bern. Hier nun lanciert der Autor und Komponist seinen Rückzug ins Private. Beim Mini-Album (EP), das er im Gaskessel taufen wird, handelt es sich für einmal um einen positiven Blick zurück: «Das fliegende Spaghettimonster» ist eine Liebeserklärung an die elektronische Musik im Stil der Neuen Deutschen Welle in den 80er-Jahren.

Party und Plattentaufe: 8.6., 23 Uhr, Gaskessel, Bern. Ausstellung: 16.6., 12 bis 17 Uhr, Sattelkammer, Bern.

Berner Zeitung

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