Acht Gründe, warum wir «Glanz & Gloria» vermissen werden

Irina Beller! Vera Dillier! Und natürlich Ich oder Du! Der Redaktion wird einiges fehlen, wenn die SRF-Sendung verschwindet.

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Ich werde «Glanz & Gloria» vermissen, weil der unverfängliche Schweizer Glamour nun TV-medial obdachlos ist. Wo hole ich ihn mir, wenn ich ihn brauche? So ganz grosse Promis hat die Schweiz schon nicht so viele. Aber Cervelatprominenz ist auch eine Prominenz. Wo sollen sie jetzt alle hin? Zu «Schweiz aktuell»? In eine Flash-Meldung der «Tagesschau»? Natürlich könnte ich auch auf RTL ausweichen, aber dort gibt es keine Irina Beller. Und natürlich kann man Jetset-Lady Vera Dillier auch in den SRF-«Club» am Dienstag einladen. Doch der Versuch hat gezeigt: nicht ideal. Bei «Glanz & Gloria» hingegen dürfen Promis Promis sein, und ich weiss, wo ich sie finde. Durften, wusste. (ahl)


«Glanz & Gloria» – das war nicht einfach eine Sendung, sondern auch ein zuverlässiger Schlagzeilenlieferant. Genauer gesagt: Es waren vor allem die Moderatorinnen, welche die Regenbogenpresse regelmässig mit schönen Episödchen fütterten. Unvergessen: Annina Freys Blaufahrt und die anschliessende Tirade gegen die verantwortliche Verkehrspolizei. «Bis heute ist mir nicht klar, was genau der Antrieb ist, Polizist zu werden», blaffte sie auf ihrem Blog und unterstellte den Gesetzeshütern, nichts in der Hose zu haben – köstlich! (Humorlos hat der Sender Fräulein Frey darauf trockengelegt.) Und was wären «Glückspost» oder «Blick» ohne das Babyglück von «G&G»-Gesicht Sara Hildebrand mit Schauspieler Anatole Taubman? Oder das Tattoo von Gastmoderatorin Bettina Bestgen, über das sich ein greiser TV-Kritiker fürchterlich aufregen konnte? «G&G» stirbt – und der Boulevard trauert. (pak)


Für mich ist die Situation gerade sehr schwierig, da ich alle meine journalistischen Ambitionen auf «Glanz & Gloria» konzentriert habe. Ich wollte das moderieren! Dafür habe ich als Journi begonnen, habe mich in meinen Kolumnen als Fernsehdirektor ins Spiel gebracht – um eines Tages diese Sendung über die Hintertür übernehmen zu können. Entsprechend schockiert und orientierungslos bin ich seit gestern. Ja, ich bin am Ende, total am Ende. Hoffnung gibt mir nur der Plan, nach der Weltherrschaft zu greifen, um als totaler Diktator die Sendung nochmals zu retten, die nun – welch grässlicher Gedanke – in die Relevanzzone abzudriften droht. (atob)


Ich werde «Glanz & Gloria» vermissen, weil nun ein Comeback von Annina Frey für immer unmöglich ist. Seufz ... (mma)


Es gibt diese Kleider, in die man sich sofort verliebt, wenn man sie im Laden sieht. Weil sie so schön glänzen, glitzern, geschnitten sind. Man kann gar nicht anders, als hineinzuschlüpfen – und fühlt sich sofort besonders. Irgendwie grösser, schöner, selbstbewusster. Aber wann bloss soll man es tragen? Es glänzt doch so. Und die Farbe ist schon ein wenig auffällig. Und etwas kurz ist es ehrlich gesagt auch. Aber es fühlt sich doch so perfekt an. Bestimmt ergibt sich bald eine Gelegenheit. Zu Mamas 75. Geburtstag? Zum Weihnachtsfest mit der Schwiegerfamilie eventuell. Oder vielleicht kriegt es ja Cousin Jean-Claude doch einmal noch auf die Reihe mit dem Heiraten. Ja genau! Spätestens dann wird man es tragen. Wieder daheim, noch leicht euphorisiert, schaltet man «G&G» ein, und wie immer steht da eine aufgebrezelte Moderatorin in einem Outfit, als wäre sie zur Taufe von Meghans und Harrys Baby eingeladen. Es sieht fast so aus wie das Kleid, das man soeben gekauft hat. Und man stellt sich vor, wie es wäre, wenn man es morgen einfach zur Arbeit tragen würde. Genau wie die Moderatorin. Total selbstbewusst, am helllichten Tag. Der Alltag wäre doch gleich viel schöner. Fröhlicher. Glamouröser. Aber nun ist ja auch bei den Moderatorinnen bald Schluss mit Glanz und Gloria bei der Arbeit. Es gibt nur noch Gesichter und Geschichten. Was wird dann bloss aus den Glitzerfummeln? (dj)


Wegen Irina Beller. Hier ausgewählte Zitate: «Wo ist High-Society in Schweiz?!» – «Ihr Swiss People seid so langweilig.» – «Ich glaube, arme Zuschauer mussen das sehen!» – «Sie langweilen mich!» – «Haben Sie meine Buch gelesen?! Hat es Ihnen gefallen?!» – «Sie stehlen meine Zeit, mein sehr teure Zeit.» – «Champagner ist bei euch zu warm.» (lsch)


Ich werde «Glanz und Gloria» in seiner ursprünglichen Form schwer vermissen. Das wunderbar belanglose TV-Format mit unserer Schweizer Cervelat- und Bratwurstprominenz hat mich die Alltagssorgen vergessen lassen – ja, sogar das dringende Bezahlen der Steuerrate entschwand aus meinem Gedächtnis. Im sonst so biederen und ernsten Programm aus Leutschenbach-les-Bains sorgte «G&G» für heitere und komische Momente – wenn auch von den Machern der Sendung eher ungewollt. Zudem gehe ich gar nicht einig mit dem, was die neue – harsche – TV-Direktorin uns vorgaukeln will: Dass die Themen in «Rundschau», «Schweiz aktuell», «Tagesschau» und «10 vor 10» wichtiger seien als die Tatsache, wo Maria Walliser ihre Skiferien verbringt. Herr und Frau Schweizer haben das Recht auf seichte und kritiklose Unterhaltung; schliesslich bezahlen sie immer noch Gebühren für die SRG. Und: Der Alltag ist streng genug, der Kopf darf mal auslüften – am liebsten mit Rolf Knie & Co. (fal)


Meine Lieblingsrubrik war «Ich oder Du?», wo irgendwelche Paare oder Künstlerduos eine Frage gleichzeitig mit einem bedruckten Schild beantworten mussten, wobei die Optionen «Ich» oder «Du» möglich waren. Wer ist leidenschaftlicher? Wer kann besser kochen? Wer räumt öfters auf? Das Ganze hatte etwas Paartherapeutisches – bloss, dass der Off-Kommentar manchmal in künstliches Gelächter ausbrach. Tja, wer wird «Glanz & Gloria» mehr vermissen – wir oder Sie? (phz)

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