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Alles nur Show: Joko und Klaas sind unehrlich

Die irren Video-Stunts des Komiker-Duos sind gestellt, wie eine Recherche zeigt. Wieso das ein Problem ist.

Nahmen es nicht so genau mit der Wahrheit: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Foto: Prosieben
Nahmen es nicht so genau mit der Wahrheit: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Foto: Prosieben

Gute Unterhalter sind Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt zweifellos. Auf Prosieben jagen sie Fahrraddiebe, geben sich als Koksdealer aus und überreden Prominente zu waghalsigen Stunts. Millionen schauen sich die Videos an, in denen die beiden Entertainer unglaubliche Dinge tun. Die meist jungen Zuschauer können live dabei zusehen, wie Menschen überrascht werden – angeblich.

Doch Recherchen des Norddeutschen Rundfunks zeigen nun: Joko und Klaas haben in ihren Sendungen «Das Duell um die Welt» und «Late Night Berlin» getrickst. In mehreren Videos gaukeln sie vor, spontane Ereignisse zu zeigen, obwohl diese von Schauspielern gespielt und mehrmals gedreht wurden.

Ein Fake

Einer der gefakten Clips spielt in der Schweiz und wurde im vergangenen Oktober ausgestrahlt. Der Schauspieler Edin Hasanovic fliegt darin in einem Heissluftballon mit Tilsiter-Logo. Als seine Begleiter abspringen, ist er ganz alleine. Die Herausforderung: Er muss den Ballon auf der Wiese landen, obwohl er das noch nie gemacht hat. Hasanovic hat Angst. «Ihr seid krank», sagt er zu Joko und Klaas, ehe ihm eine unsanfte Landung gelingt. Die Zuschauer leiden mit ihm mit.

In der Sendung sieht es so aus, also ob Edin Hasanovic den Heissluftballon ganz alleine landen müsste. Doch in Wahrheit ist auch ein Pilot dabei. Foto: Youtube
In der Sendung sieht es so aus, also ob Edin Hasanovic den Heissluftballon ganz alleine landen müsste. Doch in Wahrheit ist auch ein Pilot dabei. Foto: Youtube

Der NDR hat diesem Plot nicht getraut. Die Journalisten entdeckten im Video eine dritte Hand im Ballon. Klarheit brachte schliesslich das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt. «Der Pilot war auch an Bord», sagt Mediensprecher Urs Holderegger. Die Geschichte sei ein Fake. Die Fassungslosigkeit von Edin Hasanovic im Ballon – alles Show.

Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäussert. Bei Prosieben heisst es: «Wir wollen das Leben unserer Protagonisten nicht gefährden.» Das ist vernünftig und steht sogar im Gesetz (ein Pilot muss immer anwesend sein). Es rechtfertigt aber die Machart der Sendung nicht. Würden die Zuschauer wissen, das da nicht ein Laie, sondern ein Pilot den Ballon landet, wäre die Spannung viel geringer. Das Video würde sich wohl kaum viral verbreiten. Und Prosieben würde weniger Geld verdienen.

Kein richtiger Dieb

Gar noch etwas dreister ist ein Video, das in Berlin spielt und auf Youtube fast vier Millionen Mal geklickt wurde. «Ich möchte Fahrraddiebe auf frischer Tat ertappen und sie dann erschrecken», hört man Klaas Heufer-Umlauf darin sagen. Er stellt als Köder ein schickes Rennvelo an eine Strasse; wartet auf einen Dieb. Irgendwann schleicht sich ein Mann an, bricht das Schloss auf. Sein Gesicht ist verpixelt.

Dem Zuschauer kommt es vor, als könne er hier live dabei zusehen, wie ein Velodieb vorgeführt wird. Doch die NDR-Recherchen zeigen: Der Dieb ist ein Schauspieler. Er hat das Velo für die Kamera gleich mehrmals aufgebrochen, damit es schöne Schnittbilder gibt.

Das Format STRG_F des Norddeutschen Rundfunks hat die Fakes aufgedeckt. Hier der ganze Beitrag.

Sicher: Unterhaltungsshows haben nicht denselben journalistischen Anspruch wie ein Nachrichtenmagazin. Aber so zu tun, als habe eine Situation tatsächlich stattgefunden, ist nicht einfach eine Frage des Stils, sondern führt die Zuschauer in die Irre. Die Glaubwürdigkeit der Medien wird damit infrage gestellt, so wie es auch Claas Relotius tat, der Reportagen im «Spiegel» wie Romane erdichtete.

Hätten die Zuschauer merken müssen, dass die Videos gestellt sind? Meistens ist das ja so bei Unterhaltung im Fernsehen. Der Gedanke greift zu kurz: Sogar die Berliner Polizei hat den Aufnahmen getraut und ein Ermittlungsverfahren gegen den Fahrraddieb eingeleitet.

Prosieben zeigt ein wenig Reue. «Der satirische Ansatz des Filmes hätte womöglich deutlicher gemacht werden müssen», schreibt der Fernsehsender zum Velodieb-Video. Nützen tut das wenig, denn die beiden Entertainer haben das Vertrauen verspielt. Der Grimme-Preis, den sie zeitgleich mit den Fake-Vorwürfen erhalten haben, geht unter. Im Format «Joko & Klaas Live – 15 Minuten» haben sie unter anderem Aktivistinnen gegen Rechtsextremismus eine Plattform gegeben.

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