Das Deutschproblem

Warum wird eigentlich in deutschsprachigen Serien so «theäterlet»? Der Serienjunkie hat eine These.

Die Deutsche Wolke Hegenbarth spielt Ermittlerin Klara in «Heiter bis tödlich: Alles Klara».

Die Deutsche Wolke Hegenbarth spielt Ermittlerin Klara in «Heiter bis tödlich: Alles Klara».

(Bild: zvg/ARD)

Stefanie Christ@steffiinthesky

Da sitze ich mit einer Kollegin beim Essen und kommentiere zwischen den Bissen ihre Vorliebe für deutschsprachige Serien. «Ja, ja, für eine deutsche Produktion ist sie ganz gut»; «Dieser Schweizer Schauspieler wirkt ziemlich überzeugend – also für unsere Verhältnisse»; «Hm, ich fand das englische Vorbild um Welten besser». Sie ahnen es schon: Deutschsprachige Produktionen sind einfach nicht mein Ding. Es ist wie im Restaurant: Warum soll ich das Poulet bestellen, wenn ich das Rindsfilet haben kann? Genau: Das Filet sind amerikanische oder britische Serien.

Wenn ich eine englischsprachige Serie schaue, sind die Schauspielerinnen und Schauspieler Psychomörder, Liebhaber, Geister, Detektive – alles, bloss keine echten Menschen. Anders im Pouletfernsehen: Da kann die A-Liga der Schauspielgilde aufgefahren werden – sobald die Klappe fällt, wird meist «theäterlet». Sprechpausen und Bewegungen wirken einstudiert, Dialoge kommen mehr «schriftlich» denn «mündlich» daher, der Ton wirkt unbearbeitet, und man hört, wie sich die Spucke in den Schauspielermündern sammelt. So ist es stets Wolke Hegenbarth, die eine Ermittlerin spielt («Heiter bis tödlich: Alles Klara»), Mike Müller, der den «Bestatter» gibt, oder Til Schweiger, der so tut, als wäre er ein «Tatort»-Kommissar.

Ich rieche den Braten: Da steckt Absicht dahinter. Die Regisseure rufen bestimmt hinter der Kamera hervor: «Das war super, aber viel zu realistisch. Wir drehen die Szene erneut, und dieses Mal versuch doch, etwas künstlicher zu wirken!» Obs an einer antiangelsächsischen Grundhaltung liegt? Fällt diese weg, funktionierts nämlich ganz gut, wie die schnoddrige Satireserie «Stromberg» beweist – eine deutsche Kopie des britischen Hits «The Office».

Wer nicht ins Angelsachsenhorn blasen will, sollte es wenigstens so machen wie unser östlicher Nachbar. Wenn die österreichischen Ladys in «4 Frauen und ein Todesfall» loslegen mit ihren urchigen Gifteleien, brauchts Untertitel. Da wird das Landestypische und das «Theatrale» zelebriert, und das Lösen der Mordfälle wird zum launigen Lustspiel. «Theäterlen» tun nur jene, die sagen, das munde nicht hervorragend.

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Berner Zeitung

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