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Die Alten sind nicht arm, aber voller Ängste

Nicht die eigentliche Armut ist ein Problem im Alter, sondern die Angst, bedürftig zu werden. Dies zeigte die Diskussion gestern Abend im «Club».

Im Grunde war es eine positive Sendung, denn sie entproblematisierte das, was sie problematisieren wollte. 185'000 Rentnerinnen und Rentner beziehen in der Schweiz Ergänzungsleistungen, 12 Prozent der über 65-Jährigen reicht die Rente nicht, um die Existenz zu sichern. Ein Gesellschaftsskandal in einem so reichen Land, wie Werner Schärer, Direktor Pro Senectute Schweiz, meint. Doch die angekündigte «Armutsfalle Alter» entpuppte sich über weite Strecken des Gesprächs als Unzufriedenheit mit den beruflichen Bedingungen, die ab Mitte 50 das Altwerden erschweren: Kündigung, erfolglose Jobsuche, mangelnde Wertschätzung vonseiten der Arbeitgeber.

Einig war sich die Runde um Moderatorin Karin Frei, dass viele Rentner Scham hätten, sich ihre Bedürftigkeit öffentlich einzugestehen und staatliche Ergänzungsleistungen zu beantragen. Als Zuschauerin staunte man, dass wir heute offenbar immer noch nicht weiter sind als vor 25 Jahren, als die damalige Zürcher Sozialamtsvorsteherin Emilie Lieberherr den Rentnern den Rücken stärkte und nicht von Almosen sprach, sondern von gesetzlichen Ansprüchen, die jeder zugut hat, der seine Lebenskosten im Alter nicht decken kann.

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