Die mieseste Netflix-Serie bis dato

In «Flinch» werden Leute auf «lustige» Weise gefoltert. Zum Beispiel mit Hühnern.

Trailer zu «Flinch» (Deutscher Sendungstitel: «Nicht zucken»).

Philippe Zweifel@delabass

Was hat uns Netflix nicht alles beschert. Grossartige Dramen oder Komödien wie «Stranger Things», «Master of None» oder die Sci-Fi-Serie «Black Mirror», wo rabenschwarze Szenarien der nahen Medienzukunft smart und unterhaltsam durchgespielt werden. Die neue Netflix-Produktion «Flinch» könnte auf den ersten Blick eine der Folgen von «Black Mirror» sein – es werden darin Menschen in einer Spielshow malträtiert, und die Zuschauer ergötzen sich daran. Bloss ist das kein fiktives Szenario, sondern passiert tatsächlich. Und unterhaltsam ist es auch nicht. «Flinch» ist das Gegenteil von «Black Mirror»: Die mieseste Netflix-Serie bis dato.

Übersetzt bedeutet der Sendungstitel «zusammenzucken» – und genau das sollen die Teilnehmer nicht tun. Oder eben schon. Sie werden nämlich irgendwo in Irland mit Hühnerfutter vor dem Gesicht gefesselt, wobei ein Huhn ihnen einen Zentimeter vor dem Gesicht rumhackt. Dazu erklingt im Off lüpfige Banjo-Musik. Wer zuckt, wird mit einem elektronischen Viehstock traktiert. Oder eine schrille Pfeife geht los; wer zuckt, geht in Schräglage unter Wasser, was wohl Waterboarding symbolisieren soll. Das ist alles. Das ist das Konzept der Sendung. Halt, nein, dazwischen gibt es Kurzinterviews mit den Teilnehmern. «Was war dein schlimmster Fehler?» – «Heiraten!» Die Jury, bestehend aus drei Komödianten, krümmt sich vor Lachen. Der Humor in der lustigen Foltershow ist wie eine Mischung aus Guschti Brösmeli und Dieter Bohlen.

Nichts gegen Trash. Fremdschämen bei einer Castingshow – lustig. Schadenfreude verspüren bei «Ninja Warrior Switzerland» – tut gut. Auch in der japanischen Kultshow «Takeshi’s Castle» mussten Kandidaten auf Hochseilen ein Schloss erobern, wobei sie mit Bällen beschossen wurden oder sich als menschliche Bowlingkugeln zum Affen machten. Doch die Sendung bot mindestens so viel Dada wie Action. Das hat «Flinch» nicht, auch der Nihilismus der Ekelstuntshow «Jackass» geht ihr ab. Es gibt für die Kandidaten nichts zu gewinnen, nichts zu leisten, ausser nicht zu zucken. Das ist unglaublich langweilig anzuschauen und auf die Dauer sicher die grössere Folter als ein Huhn vor dem Gesicht.

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