Ein letzter Blick in die Röhre

TV ist bei den Jungen zunehmend out. Zeit für ein paar nette Worte an das aussterbende Medium.

Mit den gummigen Knöpfen der Fernbedienung navigierten wir uns durch die analoge Welt, die immer ganz im Jetzt war. Kein Vor. Kein Zurück.

Mit den gummigen Knöpfen der Fernbedienung navigierten wir uns durch die analoge Welt, die immer ganz im Jetzt war. Kein Vor. Kein Zurück.

(Bild: Keystone)

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

Zahlen zeigen, liebes Fernsehen: Die Jungen brauchen dich nicht mehr. Doch wir, die wir mit dir aufgewachsen sind, werden dich vermissen. Du schwarzer röhrenförmiger Kasten, vor dem wir als Kinder klebten, bis wir viereckige Augen hatten. Im Glauben, dass wir sie wirklich hatten, drückten wir «aus». Dann hörten wir dieses seltsame elektrisierende Knistern.

Warm warst du dann, verräterisch warm. Wenn sturmfrei war und wir den ganzen Morgen Cartoons auf RTL II schauten und den Erwachsenen vorlogen, das nicht getan zu haben. Deine Wärme verriet uns. Deshalb wurdest du rationiert. Schaltete man dich an, erschienen plötzlich diese vier Felder: «Bitte Code eingeben.» Vier Zahlen zum Glück. Der Mutter auf die Finger schauen, wenn sie eine Ration erlaubte und die Zahlen auf der Fernbedienung eintippte – und schon sassen wir heimlich wieder stundenlang in deinem Flimmern.

Doch du hast uns auch oft auf die Probe gestellt. Programm lesen – analog – und dann feststellen, dass jeder etwas anderes will. Kampf um den Sender. Der Stärkere riss die Fernbedienung an sich. Doch die Geduldsprobe, die Werbung aushalten zu müssen, vereinte uns schnell wieder. Du kanntest kein Vor- oder Zurückspulen. Du warst voll im Jetzt.

Aber was, wenn man gerade nicht zu Hause war und die Lieblingsserie verpasste? Jene, auf die man die ganze Woche gewartet hatte? Eine lange Zeit als Kind. Eine ganze Staffel an einem Tag? Unvorstellbar. Wir hatten Videokassetten. Die verpasste Folge wurde aufgenommen. Gott bewahre, man überspielte damit den bereits aufgenommenen Lieblingsfilm.

Doch nun scheinst du nicht mehr gebraucht zu werden, liebes TV. Man will alles, sofort, in rauen Mengen, parallel zu lustigen Tierclips vom Smartphone und dem neusten Selbstoptimierungsbericht vom Handgelenk. Sei nicht traurig. Vielleicht kommst du wieder in Mode, wie so viele andere Dinge, die wir verstossen haben und mit denen wir uns heute wieder brüsten.

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