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Ein Quickie mit Sonja und Reto

Bundesratswahl im Schweizer Fernsehen: Aus der Nacht der langen Messer wurde der Morgen der kurzen Statements.

Der Auftakt ist vielversprechend. Wie bei CNN erklingt ein martialisches Klangsignet, das die Wahl-Übertragung einläutet. Reto Brennwald moderiert die Sendung, Politbeobachter Iwan Rickenbacher analysiert die Wahlgänge, und Sonja Hasler befragt Parlamentarier und Gäste. Der Auftrag der Journalisten ist klar: Versucht Spannung zu erzeugen – auch wenn Ueli Maurer haushoher Favorit ist.

Und so wieselt Sonja Hasler duch die Hallen des Bundeshauses, um linken Parlamentariern zu entlocken, welchen Namen sie als Sprengkandidaten auf den Wahlzettel schreiben. Freilich verweisen die Interviewten stets auf das Wahlgeheimnis und schweigen. Iwan Rickenbachers Einschätzung, dass Maurer wohl im ersten Wahlgang gewählt wird, trägt auch nicht gerade zum Suspense-Faktor bei.

Also versucht man, die Zeit bis zum ersten Wahlgang mit allen einschlägigen Mitteln des Fernsehzirkus – von der Liveschaltung übers Expertengespräch und Einspielfilmchen - zu überbrücken. Nennenswert ist hier vor allem die Liveschaltung nach Hinwil, wo Ueli Maurer wohnt. Im Gemeindesaal haben sich Nachbarn und alte Schulkollegen des Zürchers versammelt. In freudig-nervöser Erwartung, schon bald mit einem Bundesrat per Du zu sein.

Hasler beschwört Gruppe 13

Zurück im Bundeshaus wird Samuel Schmid verabschiedet – und der Zuschauer erlebt ein erstes Highlight der Übertragung: Während Schmids ausführlichen Worten zeigt die Kamera SVP-Präsident Toni Brunner, der sichtlich genervt ist. Überhaupt sind die Close-Ups auf Parlamentarier während einer Rede grossartig. Als etwa die Fraktionschefin der Grünen Ueli Maurer bezichtigt, Frauen an den Herd verbannen zu wollen, schneidet die Regie auf die grinsenden Gesichter der SVP-Ecke.

Dann das Resultat des ersten Wahlgangs. Maurer erreichte das absolute Mehr nicht. SF-Experte Iwan Rickenbacher geht davon aus, dass er im zweiten Durchgang gewählt wird. Wieder ein Dämpfer für die Spannung. Also muss weiter geredet und gemutmasst, vorgefühlt und nachgedacht werden. So beschwört Sonja Hasler die ominöse Gruppe 13. Doch SP-Mann Hans Stöckli will davon nichts wissen.

Für Stimmung sorgt dafür der Fraktionschef der SVP, Caspar Baader. Er tritt ans Mikrofon und zieht im Namen von Christoph Blocher dessen Kandidatur zugunsten Ueli Maurers zurück. Er spricht im Namen von Christoph Blocher, das Parlament lacht, der Geist des SVP-Paten schwebt offenbar immer noch über der Partei.

Das Grauen unter den Maurer-Fans

Um 9.42 kommen schliesslich die nächsten Zahlen – und die erste grosse Überraschung: Hansjörg Walter erreicht im zweiten Wahlgang 121 Stimmen, eine unter dem absoluten Mehr von 122. Ueli Maurer kommt auf 119 Stimmen. Olé! Arena-Stimmung kommt auf. Hasler befragt verunsicherte SVP-Hardliner. Eine Aussenschaltung nach Hinwil erfasst das Grauen unter den Maurer-Fans (jemand hat schon eine Wahlparty organisiert).

Doch die Spannung hält nicht lange an. 20 Minuten später ist der Spuk vorbei, Ueli Maurer wird zum Bundesrat gewählt. Die Sensation ist da. Die Sensation, mit der an diesem Morgen fast jeder gerechnet hat. Heil Dir Helvetia!

Der Rest ist Formsache. Hinwil jubelt, Maurer schwört, Rickenbach analysiert. Und wir können sagen, wir sind dabei gewesen.

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