Elena Ferrante fürs Fernsehen

Nicht genial, aber in Ordnung: «Meine geniale Freundin» gibts jetzt als TV-Serie.

Starkes Duo: Elisa Del Genio als junge Elena (links) und Ludovica Nasti als Lila. Foto: Wildside/Umedia

Starkes Duo: Elisa Del Genio als junge Elena (links) und Ludovica Nasti als Lila. Foto: Wildside/Umedia

Matthias Lerf@MatthiasLerf

Der US-Sender HBO, der mit «The Sopranos» das Seriengeschäft einst so richtig in Schwung brachte, hat ein Problem. Seine erfolgreiche Saga «Game of Thrones» läuft im Mai aus, eine Nachfolge muss her. Fündig geworden sind die Verantwortlichen nicht bei Drachen und inzestuösen Königinnen. Sondern bei zwei Freundinnen aus Neapel. Aber die Schwierigkeiten sind jetzt wieder die gleichen wie damals: Es existiert eine weltweite Fangemeinde der Romanvorlagen, der man eigentlich nichts recht machen kann.

Im Fall von «Meine geniale Freundin» wird jedoch schon nach den ersten Bildern klar: Hier wird nicht geklotzt mit Namen und Spezialeffekten. Die Romanautorin Elena Ferrante selber – oder wer immer sich hinter dem Pseudonym versteckt – soll gefordert haben, dass ihre Vorlage auf Italienisch und an Originalschauplätzen verfilmt wird. Es gibt keine Stars unter den Schauspielern. Im Gegenteil, die ersten Folgen werden ganz von zwei hinreissenden Laien getragen: Elisa Del Genio spielt die besonnene Elena als Kind, das später Schriftstellerin werden wird. Und Ludovica Nasti ist die unerschrockene Schuhmacherstochter Lila, deren Verschwinden viele Jahre später der Auslöser für das Aufzeichnen dieser Freundschaft werden wird.

Eng an der Romanvorlage

Der Auftakt der Serie, die jetzt als deutschsprachige Premiere auf dem Bezahlsender Teleclub zu sehen ist, wird ganz aus der Kinderperspektive erzählt. Die Freundinnen sind bald einmal unzertrennlich, die Erwachsenen um sie herum dagegen bleiben komische Wesen, die schreien, sich schlagen und in einem Fall gar umbringen. Aber die Kinderwelt ist reich, und es gibt vieles zu entdecken, auch wenn die Welt ausserhalb der Häuserblocksiedlung, in der die beiden aufwachsen, schon bald zu enden scheint.


«Meine geniale Freundin» hält sich bei den einzelnen Episoden – die verlorenen Puppen, der Ausflug Richtung Meer – eng an die Romanvorlage. Erzählt wird allerdings geradliniger, der sprunghafte Fluss der Gedanken aus dem Buch wird durch eine Erzählstimme kompensiert, mit der Elena als Erwachsene das eine oder andere erklärt – manchmal auch Dinge, die man längst gesehen und kapiert hat. Diese reflektierende Stimme gehört zu den Schwächen der Serie. Und der Handlungsort wirkt in seiner ärmlichen Ästhetik ab und zu wie eine alte Benetton-Werbung. Aber das wird durch das Spiel der kleinen – und auch grossen – Darstellerinnen und Darsteller mehr als wettgemacht. Regie führt mit Saverio Costanzo ein Italiener, dessen Karriere in der Schweiz so richtig begonnen hatte: 2004 gewann er mit «Private» den Goldenen Leoparden am Filmfestival Locarno.

Fortsetzung ist bereits in Arbeit

Seine «Freundin» ist vielleicht nicht gerade genial. Aber sie ist sorgfältig gemacht, kommt ohne falsche Sentimentalitäten und Nostalgie aus. In verschiedenen Ländern ist die Serie bereits erfolgreich gezeigt worden. Womit auch klar ist, dass es weitergeht mit der neapolitanischen Saga: Eine zweite Staffel, nach dem Band «Die Geschichte eines neuen Namens», ist in Arbeit.

«Meine geniale Freundin» läuft ab dem 2. April auf Abruf auf Teleclub Play – oder als Doppelfolge dienstags um 20.15 Uhr im Movie Paket.

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