Er ist zu schlau für den IQ-Test

Maximilian Janisch machte mit 9 die Mathematik-Matur. Eine SRF-Reporterserie porträtiert ihn und andere Hochbegabte.

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Denise Jeitziner@tagesanzeiger

Wenn man bei Google «Viele Eltern» eintippt, will die Suchmaschine den Satz mit «überschätzen die Intelligenz ihrer Kinder» vervollständigen. Der Algorithmus hat offenbar mitbekommen, dass gerade überproportional viele Eltern meinen, ihr Kind verfüge über aussergewöhnliche Fähigkeiten.

Meist liegen die Eltern falsch. Wie es tatsächlich ist, hochbegabt zu sein, möchte eine neue vierteilige «Reporter»-Seriezeigen, die vier Wochen lang am Sonntagabend bei SRF zu sehen ist.

Hochbegabte polarisieren

Der erste Teil konzentrierte sich auf den 16-jährigen Maximilian Janisch. Wie schlau er wirklich ist, weiss niemand so genau, denn herkömmliche IQ-Tests schaffen es nicht, seinen Intelligenzquotienten zu ermitteln. Es ist auch nicht so wichtig. Die Primarschule brachte er in drei Jahren hinter sich, die Mathematik-Matura hatte er mit 9 im Sack. Nun, mit 16, überlegt er sich das Thema seiner Masterarbeit.

Seine Eltern mussten dafür kämpfen, dass Maximilian vorzeitig an die Universität Zürich eintreten durfte, was für einigen Wirbel sorgte, nicht nur in Hochschulkreisen. «Das Thema polarisiert und fasziniert», sagte die Erzählstimme in der Reportage, und bald spürt der Zuschauer erste Abwehrreflexe. Etwa dann, wenn der 16-Jährige, statt typisch schweizerisch tiefzustapeln, lieber von seinen ehrgeizigen Plänen erzählt. Oder wenn sein Vater sagte, er empfinde Glück dann am meisten, wenn man mit aller Kraft zu einem Ergebnis gekommen sei.

Das berühmteste Wunderkind der Schweiz blieb einem eher fremd. 

Die Vorurteile wurden jedoch erstickt. «Er ist kein Besserwisser, er weiss viel, weil er zuhört», versicherte sein italienischer Gastvater aus Orbetello, wo Maximilian diesen Sommer einen Italienischkurs belegte, um fit für seine Masterarbeit zu werden. «Er passt sich jeder Situation an und kann sich mit anderen Jugendlichen über ganz banale Themen unterhalten», sagte seine Italienischlehrerin.

Maximilians Vater kritisierte, sportlich begabte Kinder würden in der Schweiz ja auch breit gefördert, ganz anders als Hochbegabte in Fächern wie Mathematik oder Naturwissenschaft. Während wir den jungen Federers, Steingrubers oder Josis gerne zujubeln, sind wir bei intellektuellen Überfliegern wie Maximilian lieber zuerst mal skeptisch.

Einordnung fehlte

Abgesehen davon bot die SRF-Reportage wenig Mehrwert. Wer sich angesichts der vier Teile der Serie eine Einordnung zum Thema Wunderkinder erhofft hatte, wurde in der ersten Folge enttäuscht, sie handelte ausschliesslich von Maximilian, und auch die Ankündigung, zu zeigen, wie man als Hochbegabter lebe, wurde nur teilweise eingelöst.

Stattdessen wurden ein paar Personen abgeklappert, die für Maximilian eine Rolle spielen. Sein italienischer Mathematikprofessor, der Rektor der Uni Zürich, der Chef des KMU, mit dem er zusammenarbeitet. Erfrischender Höhepunkt war Maximilians italienische Gastgrossmutter, die zur Lobeshymne über ihn ansetzte: «Er ist ein Junge, wie ihn alle haben wollen. Anständig, fleissig, genau. Er hält perfekt Ordnung. Und er ist hübsch.»

Abgesehen davon blieb einem das berühmteste Wunderkind der Schweiz eher fremd. Das lag vielleicht daran, dass Maximilian nicht nur die IQ-Skala sprengt, sondern auch sonst ein aussergewöhnlicher Junge ist. Er habe keine Angst, von der Norm abzuweichen, das hätten ihm seine Eltern vermittelt. Und er wolle auch anderen Kindern und Jugendlichen die Furcht nehmen. Nur meinte er damit wohl echte Hochbegabte wie er selber. Ob das alle zuschauenden Eltern auch so verstanden haben? Die Google-Vervollständigung lässt das Gegenteil befürchten.

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