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Frau Stadelmann verbrennt ihre Absagen

Im gesellschaftlichen Abseits, zermürbt von Zweifeln: Das SRF zeigt das Los von 50+-Arbeitslosen auf. Dabei gibt es tatsächlich auch heitere Momente.

Aleksandra Hiltmann
Ruth Stadelmann hat ihr ganz eigenes Rezept, wie sie mit der Enttäuschung der Arbeitslosigkeit umgeht.
Ruth Stadelmann hat ihr ganz eigenes Rezept, wie sie mit der Enttäuschung der Arbeitslosigkeit umgeht.
SRF
Andreas Knuchel arbeitete Jahrzehnte als Ingenieur in Führungspositionen. Die Leere der Arbeitslosigkeit traf ihn mit voller Wucht.
Andreas Knuchel arbeitete Jahrzehnte als Ingenieur in Führungspositionen. Die Leere der Arbeitslosigkeit traf ihn mit voller Wucht.
SRF
Doch er scheute sich nicht, Jobs in einer ganz anderen Branche anzunehmen. Er arbeitete zwischendurch als Lastwagenfahrer.
Doch er scheute sich nicht, Jobs in einer ganz anderen Branche anzunehmen. Er arbeitete zwischendurch als Lastwagenfahrer.
SRF
Auch Ruth Stadelmann nimmt Minijobs an, um unter Leute zu kommen. Die ehemalige Postangestellte ist erfahrene Taucherin. Auf Abruf arbeitet sie in einem Tauchjob, auch wenn sich das finanziell nicht auszahlt.
Auch Ruth Stadelmann nimmt Minijobs an, um unter Leute zu kommen. Die ehemalige Postangestellte ist erfahrene Taucherin. Auf Abruf arbeitet sie in einem Tauchjob, auch wenn sich das finanziell nicht auszahlt.
SRF
Doch die Arbeit gibt ihr Anerkennung. So auch die Freiwilligenarbeit, die sie an einem Begegnungsort leistet. Sie kommt unter Leute, spürt Anerkennung und findet neue Freunde.
Doch die Arbeit gibt ihr Anerkennung. So auch die Freiwilligenarbeit, die sie an einem Begegnungsort leistet. Sie kommt unter Leute, spürt Anerkennung und findet neue Freunde.
SRF
Alfred Waser, Ingenieur, wollte sich selbständig machen. Das ging schief. Nun ist er auf Jobsuche und lebt von Sozialhilfe – 986 Franken pro Monat.
Alfred Waser, Ingenieur, wollte sich selbständig machen. Das ging schief. Nun ist er auf Jobsuche und lebt von Sozialhilfe – 986 Franken pro Monat.
SRF
Das Leben von Alfred Waser ist klein geworden. Er wohnt in einem bescheidenen Zimmer mit Gemeinschaftsbad und -küche.
Das Leben von Alfred Waser ist klein geworden. Er wohnt in einem bescheidenen Zimmer mit Gemeinschaftsbad und -küche.
SRF
Raffael Spielmann ist ganz neue Wege gegangen, um der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Er macht eine Lehre als Recyclist und ist mit 49 Jahren einer der ältesten Lehrlinge der Schweiz.
Raffael Spielmann ist ganz neue Wege gegangen, um der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Er macht eine Lehre als Recyclist und ist mit 49 Jahren einer der ältesten Lehrlinge der Schweiz.
SRF
Regelmässig besucht er die Berufsschule. Er versteht sich gut mit einen Mitschülern, auch wenn diese um Jahre jünger sind als er.
Regelmässig besucht er die Berufsschule. Er versteht sich gut mit einen Mitschülern, auch wenn diese um Jahre jünger sind als er.
SRF
Spielmann ist ehrgeizig. Am Abend macht er Hausaufgaben. Sein Traum: Berufsbildner werden.
Spielmann ist ehrgeizig. Am Abend macht er Hausaufgaben. Sein Traum: Berufsbildner werden.
SRF
Arbeitslosigkeit kann einsam machen. Alfred Waser fand Halt in einer Selbsthilfegruppe für ältere Arbeitssuchende.
Arbeitslosigkeit kann einsam machen. Alfred Waser fand Halt in einer Selbsthilfegruppe für ältere Arbeitssuchende.
SRF
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Die Arbeitslosenquote ist auf einem Zehnjahrestief. Doch zeitgleich, wie diese neusten Zahlen gefeiert werden, zeigt der SRF einen Dok über Arbeitslosigkeit.

«50+ und arbeitslos. Wege aus der Altersfalle» – der Titel lässt es erahnen: Der neuste SRF-Dok hört heiterer auf, als er beginnt. Aber er beginnt zuerst einmal im Loch, im Abseits. In der Welt von vier Langzeitarbeitslosen.

«Plötzlich ruft niemand mehr an.» Auch die unzähligen Sitzungen, E-Mails, Geschäftsreisen, alles fällt weg. «Das war hart», erzählt Andreas Knuchel (59), Ingenieur mit jahrzehntelanger Erfahrung in Führungspositionen. Nun ist er am Staubsaugen. Danach räumt er die Geschirrspülmaschine aus. Dazwischen erzählt er, wie er trotz Arbeitslosigkeit an einem fixen Tagesablauf festhält. Doch die Zweifel nagen an ihm. Ist er selbst schuld an seiner Situation? Hätte er etwas anders, besser machen können?

Mit diesen Fragen ist er nicht allein. Die anderen drei Protagonisten des Films sitzen im gleichen Boot. Alle sind sie kurz vor oder über 50, arbeitslos und wissen nicht, warum.

An zu wenigen Bewerbungen oder zu geringer Motivation, diese zu verschicken, liegt es nicht. Zwar gehören sie in der Schweiz zu jener Altersgruppe, die mit 2,7 Prozent am wenigsten von Arbeitslosigkeit betroffen ist. Doch mit 50+ gehören sie auch zu der Gruppe, die am stärksten von den Folgen betroffen ist. In den letzten zehn Jahren hat die Anzahl Sozialhilfebezüger über 50 um 40 Prozent zugenommen, erklärt die Stimme aus dem Off.

Abstieg, Isolation, Depression

Was das in der Realität heisst, zeigt unter anderem die Geschichte von Alfred Waser (58). Der Ingenieur wohnt in einer kleinen Wohnung. Küche und Bad teilt er mit anderen. Sein Leben ist klein, seit sein Versuch mit der Selbstständigkeit gescheitert ist. Der Abstieg kam erschreckend schnell. Die Sozialhilfe beträgt 986 Franken im Monat.

«Komisch» werde man dann, erzählt Waser. Man schäme sich für die eigene Situation, schotte sich ab. Erst eine Selbsthilfegruppe hat ihn wieder aus der Isolation geholt.

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Alt, älter, zu alt

Wer über 50-jährig arbeitslos wird, bleibt es länger. Kaum eine Firma stellt sie ein. Besuch in einem Coaching für Jobsuchende. (Abo+)

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Bei Ruth Stadelmann, 61, war es ein Minijob und Freiwilligenarbeit, die ihr Anerkennung brachten und sie aus der Depression holten.

Raffael Spielmann hat den Anschluss im Berufsleben bereits wieder gefunden, wenn auch in ungewöhnlicher Form: Er ist mit 49 einer der ältesten Lehrlinge der Schweiz. Nun ist es seine Tochter, die ihn für die guten Noten in der Berufsschule lobt.

Zeigen, was gerne übersehen wird

Der Film greift kein neues Thema auf. Das Problem der Arbeitslosigkeit im Alter ist bekannt. Es ist kein Massenphänomen, welches den Staat oder die Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern würde. Und doch zeigen die vier Geschichten eindrücklich, was Arbeitslosigkeit mit Menschen machen kann und was eine solche Situation für die Familien der Betroffenen bedeutet.

Die Protagonisten erzählen ehrlich, ungeschönt, persönlich. Sie sprechen Dinge an, die unangenehm zu hören sind in einer Gesellschaft, die auf Leistung aus ist, in der der Erfolg zählt und Misserfolg oft als Eigenverschulden gesehen wird. Sie treten an gegen Vorurteile, dass ältere Arbeitnehmende nicht flexibel seien und nichts Neues lernen könnten.

Ingenieur Knuchel zeigt, dass er auch gerne Lastwagen fährt. Frühere Führungsposition hin oder her. Diese Bescheidenheit und Dankbarkeit beeindruckt. Die Geschichten werfen – wenn auch nicht zum ersten Mal – Fragen auf, wie in dieser Gesellschaft mit erfahrenen, motivierten, aber eben älteren Arbeitskräften umgegangen wird.

Wege aus der Altersfalle

Der Film zeigt auch, was der Normalbürger oft nicht glauben will: Es kann jeden treffen. Einfach so. Auch Leute, die jahrelang gearbeitet haben und vorher nie Sozialhilfe bezogen, ein normales Familienleben hatten.

Bild und Ton dazu sind ruhig, schlicht. Keine reisserische Musik, um Schicksalsschläge zu untermalen, keine voyeuristischen Bilder, welche die Einsamkeit ausschlachten würden. Das Unschöne kommt auch ohne Kunstgriffe zum Vorschein.

Trotz der ungeschönten Realität endet der Film tatsächlich heiterer, als er begonnen hat: Neue Jobs, neue Berufsträume und sogar eine neue Liebe hält das Leben für die Protagonisten bereit.

Der heiterste Moment ist aber definitiv jener, in dem Ruth Stadelmann vor einem Feuer steht. Sie verbrennt dort all die platten Absagen auf Bewerbungen. Doch es ist auch dieser Moment, der zeigt: Anstatt die Arbeitskraft älterer Leute einfach in Rauch aufgehen zu lassen, täte die Politik und Wirtschaft gut daran, das vorhandene Potenzial zu nutzen. Und das, indem sie tut, was sie 50+-Arbeitssuchenden oft nicht mehr zutraut: flexibel und offen für Neues beziehungsweise eben Altes sein.

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