«Game of Thrones»: Im Wutmodus

Wir besprechen die letzte Staffel des Serienhits jede Woche. Heute: Episode 4 – wo es versehentlich ein Starbucks-Becher ins Bild geschafft hat.

  • loading indicator
Philippe Zweifel@delabass

SEIEN SIE GEWARNT: DIESE BESPRECHUNG ENTHÄLT SPOILER.

Was in der neusten Folge passiert ist

Es war wie in einer dieser Highschool-Komödien, wo es zum Abschlussball kommt. Gebrochene Herzen allenthalben. Jaime schnappte Tormund Brienne weg, Arya lehnte Gendrys Heiratsantrag ab (a girl is not a lady...), und Jon entzog sich Daenerys Lippen. Ihr mag es egal sein, dass sie seine Tante ist. Doch wie sagte Varys? «Im Norden sind solche Verbindungen nicht üblich.» Ah ja, und Grey Worm verlor Missandei bzw. sie ihren Kopf, ganz wortwörtlich, aber dazu weiter unten mehr.

Missandeis Ende.

Bevor es zum grossen Fez zu Winterfell kam, wurden die Toten der Schlacht gewürdigt und verbrannt. Es war das erste Mal in der Serie, wo um jemanden getrauert wurde – davor gab es schlicht keine Zeit dafür, die Überlebenden steckten stets im Schlamassel oder auf der Flucht. Jon hielt eine eloquente Trauerrede, was als Zeichen für seine Leaderrolle gelesen werden kann. Denn darauf lief diese Episode hinaus: zum graduellen Zerwürfnis von Ex-Bastard Jon und Noch-Königin Daenerys. Dass sie ihre inzestuöse Liebe und seinen Thronanspruch geheim halten wollte und er nicht, war ein weiteres Anzeichen. Und tatsächlich plauderte Jon das Geheimnis bei seinen Geschwistern aus, worauf Sansa es trotz Schwur Tyrion weitererzählte. «Es ist nun kein Geheimnis mehr, sondern eine Information», so Varys, der gestern zu seiner alten Bestform als heimlifeisser Politstratege auflief.

Nach der grossen Schlacht von letzter Woche handelte diese Folge von menschlichen Emotionen und Makeln - die nicht weniger gefährlich sind als ein Heer von Untoten. Dieser Mix, zusammen mit spannenden Ränkespielen ist es, was «Thrones» auszeichnet und was die Serie über Tolkien hinaushebt, vielleicht gar in die Nähe Shakespeares rückt.

Das passiert im «Henry V» allerdings nicht: Wie schon beim Angriff auf die White Walkers kam bei den Allierten die militärische Aufklärung zu kurz. Kaum hatten sie gegen Sansas Willen beschlossen, gen King’s Landing zu reisen, gerieten sie auf See in einen Hinterhalt. Euron schoss von seinem Schiff aus Drache Rhaegal mit einer Riesenarmbrust ab. Wieso Daenerys danach Eurons Flotte nicht von hinten angriff und niederbrannte, bleibt ihr Rätsel. Jedenfalls vernichtete Euron dann Daenerys’ Schiffe. Missandei, Danys älteste Vertraute, wurde gefangen und als Pfand präsentiert: Gebt auf, oder sie stirbt. Tyrion versuchte noch zu verhandeln, aber Cersei blieb hart – und so rollte Missandeis Kopf. Ihre letzten Worte waren «Dracarys», was auf Hochvalyrisch ja «Drachenfeuer» bedeutet und auch der Feuerbefehl für die Drachen ist. Freundin weg, Drache weg, Thronanspruch weg: Der Blick in Daenerys’ Gesicht liess keinen Zweifel daran, dass sie ihn in der nächsten Episode aussprechen wird.

Daenerys kurz vor dem Überschnappen.

Weitere Gedanken

  • Ja, Daenerys ist wieder im Wutmodus. Das macht ihren Beratern Sorge. Zu Recht: Zehntausende Unschuldige, die letztlich Danys Untertanen sind, würden in King’s Landing brennen. Doch sie war schon immer eine bessere Eroberin als Herrscherin.
  • Zu oft hat sich Daenerys auf ihre Drachen verlassen. Nun hat sie nur noch einen davon, und ihre Unsullied-Armee und die Dothrakis sind arg dezimiert. Auch das war ein Ziel dieser Episode: zeigen, dass die Streitmächte nun gleich stark aufgestellt sind und dass es nach dem grossen Krieg nun um den letzten Krieg geht, dessen Ausgang offen ist.
  • Bittere Zeiten für feministische Zuschauerinnen. Dany entpuppt sich als Psycho, Sansa als starrköpfig, Brienne weinte Jaime hinterher – und über Cersei müssen wir ja nicht reden. Die starken Frauenfiguren, die man in «Game of Thrones» stets bejubelt hat, bröckeln. «Ich glaube nicht, dass ein Schwanz eine echte Qualifikation ist», sagte Tyrion zu Varys. «Schwänze», antwortete der Eunuche mehrdeutig, «sind wichtig, fürchte ich.» Grossartiger Dialog, einmal mehr.
  • Bran ist der totalen Erleuchtung ganz nahe. «Ich will nichts mehr», sagte er weltmüde zu Tyrion. Schön für dich, Bran. Wir wollen aber noch wissen, wohin du dich während der letzten Schlacht gewagt hast. Und wieso du Eurons Hinterhalt nicht vorausgesehen hast. Doch Bran hat sich wohl aus der Serie verabschiedet.
  • Apropos Plotlöcher: Bronn hat sich irgendwie nach Winterfell gebeamt, direkt in Jaimes und Tyrions Kammer. Mit gezückter Armbrust forderte er Highgarden – und bekam die Stadt versprochen. Groteske Szene.
  • Jon reitet auch nach King’s Landing. Zuvor nahm er Abschied von seinem Schattenwolf Ghost – mit einem einzigen Blick aus fünf Meter Entfernung. Auf den sozialen Medien gehen deshalb die Wogen hoch. Ich finde es auch eine Sauerei; ein paar Streicheleinheiten wären schon angemessen gewesen. Aber Jon steht jetzt ja auf Drachen. Undankbarer Hund.
  • Arya und der Hound sind auch unterwegs in den Süden. Letzterer murmelte etwas von einer «unerledigten Sache». Das heisst wohl, dass das Bruderduell der Cleganes stattfindet.
  • Product Placement oder Nachlässigkeit? Ein Starbucks-Becher (vor Daenerys) hats in die Serie geschafft. Coffee is coming.

Promi-Tote:
–Missandei
–Drache Rhaegal

Ekligste Gewalteskalation:
Missandeis Enthauptung.

Unflätigster Unzuchtsmoment:
Jaimes und Briennes Schäferstündchen.

Wie gefiel Ihnen die Folge? Was wird in der nächsten Episode passieren? Wer gewinnt das Spiel um den Eisernen Thron? Unten können Sie mitdiskutieren.

Bisher erschienene Recaps von Staffel acht:

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt