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Kartoffel des Todes

Der neue Weimar-«Tatort» war ein angenehm schräges Vergnügen.

Nora Tschirner als Kriminalkommissarin Dorn, Christian Ulmen als Kriminalkommissar Lessing.
Nora Tschirner als Kriminalkommissarin Dorn, Christian Ulmen als Kriminalkommissar Lessing.
Das Erste

In flüssigen Beton werfen war gestern, heute werden Leichen raffinierter entsorgt. Die Überreste des Thüringer Kartoffelkloss-Magnaten Hassenzahl wurden jedenfalls in granulierter Form gefunden. Schnell geriet Hassenzahls Geliebte in Verdacht, die bereits vor sechs Jahren verdächtigt wurde, mit ihm zusammen seine Frau Roswita eliminiert zu haben. Ähnliche Szenarien kennt man aus Hunderten anderen Krimis. Doch just als man den Film abschreiben wollte, tauchte die tot geglaubte Roswita auf, allerdings mit Gedächtnisverlust. Jemand hatte ihr damals eins übergebraten. Danach hatte sie mit einem Mann namens Schnecke sechs Jahre als Toilettenfrau in einer Autobahnraststätte verbracht. Von der Klosskönigin zur Klokönigin: Roswitas Karriere entsprach der Tonalität des Films, eine Mischung aus Komik und Tragik.

Allerlei kauzige Figuren liess der Drehbuchautor aufmarschieren, etwa den Kartoffelbauer Halupczok, der um seinen Hund trauerte, der ebenfalls von unbekannt zu Granulat verarbeitet worden ist. Sowieso, die Kartoffeln. Das unspektakuläre Gemüse zog sich als Leitmotiv durch den Film und sorgte nicht nur für Running Gags, sondern trieb die Handlung voran. Halupczok hatte nämlich eine Geliebte, die als Managerin einer Supermarktkette die Hassenzahler-Klösse vertrieb und die Firma durch eine Kündigung in den wirtschaftlichen Ruin getrieben hatte. Wie sich herausstellte, hatten sie und der Kartoffelbauer gemeinsame Sache gemacht und eine günstige, aber giftige Genkartoffel gezüchtet. Hatten sie Hassenzahl auf dem Gewissen?

Milena Dreissig als Roswita Hassenzahl.
Milena Dreissig als Roswita Hassenzahl.

Was das Whodunnit aus den genreüblichen Spielchen heraushob, war Roswitas Amnesie, bei der die Zuschauer nicht recht wussten, ob sie echt oder gespielt war. Zumal bei Roswita die Grenzen zwischen Hirnschaden und Hirnlosigkeit verflossen, was von Schauspielerin Milena Dreissig hervorragend dargestellt wurde. Auch die Auflösung, oft ein Schwachpunkt in der «Tatort»-Reihe, überzeugte. Zwar war tatsächlich der Kartoffelbauer der Mörder. Aber weil der und die Managerin sich in fast schon shakespearscher Weise gegenseitig vergiftet hatten, gabs am Ende niemanden einzubuchten. Roswita und Schnecke waren an den vielen Todesfällen nicht ganz unschuldig, sie hatten die Widersacher gegeneinander angestachelt. Doch nachweisen konnten ihnen das die Kommissare nicht. Und weil so irgendwie Gerechtigkeit hergestellt war, gabs in der Schlussszene dieses angenehm schrägen «Tatorts» für alle einen Kloss.

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