Lachhaft bis unerträglich

SRF stellt Geisterbeschwörung gleichberechtigt neben Wissenschaft.

Hier spricht ein «alter Geist» durch ein menschliches Medium.

Hier spricht ein «alter Geist» durch ein menschliches Medium.

Philippe Zweifel@delabass

Vor drei Jahren hat der SRF-«Kassensturz» die Esoterik-Sendung «Time-to-do» auf dem Sender Schweiz 5 gegeisselt. Darin behauptete der Geistheiler Sananda, Menschen mit Hirntumor und Epilepsie heilen zu können.

Dass ein Scharlatan geoutet wird, ist lobenswert. Allerdings fällt das SRF selbst immer wieder mit Beiträgen auf, die mit dem Reiz der Parapsychologie und des Übersinnlichen flirten. Etwa hier, hier und hier. Das jüngste Beispiel ist die gestern gestartete Miniserie «Reise ins Übersinnliche». Darin werden sechs Menschen bei ihren Besuchen zu paranormalen Therapeuten begleitet.

Zum Beispiel eine 51-jährige Pflegefachfrau, die bei einer Frau Hilfe suchte, die angeblich einen «alten Geist» sprechen lassen kann. Tatsächlich: Kaum abgesessen, begann das Medium zu zittern und wechselte mit veränderter Stimme ins Hochdeutsche, es war ein bisschen wie im Horrorfilm «Der Exorzist»:

Medium: Was suchst du? Kundin: Ich komme nicht weiter im Leben. Medium: Du hast Ängste. Vertraue auf dich. Kundin: Ja, das stimmt, ich habe Ängste.

Was da genau für ein Geist sprach und warum er sich auf Lebenshilfe spezialisiert hat, wurde nicht klar. Aber immerhin erahnte man: Man muss nur fest genug an etwas glauben, dann kommt alles gut.

Natürlich ist es einfach, sich über angeblich parapsychologische Phänomene lustig zu machen. Und soll nicht jeder tun und lassen, was er möchte? Findet jemand, der zum Beispiel einen Liebsten verloren hat, nicht temporären Trost in solchen Botschaften?

Vielleicht. Vielleicht stürzt ihn eine misslungene Séance erst recht ins Elend. Die Tatsache, dass Menschen in solchen Situationen verzweifelt und entsprechend leichtgläubig sind, rückt die Geisterheiler zudem ans Betrügerische. Nicht dass sie sich dessen bewusst wären. Zumindest die porträtierten Heiler in der Doku – neben dem Geistersprachrohr waren gestern ein Handaufleger und eine Aurareinigerin zu sehen – scheinen tatsächlich an ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben.

Diese Frau behauptet, Auren reinigen zu können.

Zwischen den Einsätzen der Heiler raunte der Off-Kommentar Fragen wie: «Kann Übersinnliches helfen, gesund zu werden?» Oder: «Gibt es Hilfe aus einer anderen Dimension?» Als Gegengewicht durfte der Neuropsychologe Peter Brugger, übrigens der Vater von Satirikerin Hazel Brugger, die Szenen infrage stellen und sich mit dem Präsidenten des Basler Psi-Vereins Lucius Werthmüller duellieren.

So weit, so fair? Überhaupt nicht. Gegen eine Dosis Placebo von einem Geisterheiler ist nichts einzuwenden. Aber solche dubiosen Figuren mit der Wissenschaft als gleichberechtigt zu inszenieren, ist fragwürdig. Spätestens als der Handaufleger vom «Schatten des Krebses» fabulierte, dem «mit dem Licht der Liebe» begegnet werden könne, wurde es unerträglich.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt