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Baschi kocht, Berset muntert auf

Die SRF-Sendung «Zäme dihei» verbreitete Nostalgie wie einst das lineare Fernsehen.

Die gute SRF-Stube, in der die Moderatoren Nik Hartmann (links) und Marco Thomann stets den geforderten Abstand einhielten. (Screenshot SRF)
Die gute SRF-Stube, in der die Moderatoren Nik Hartmann (links) und Marco Thomann stets den geforderten Abstand einhielten. (Screenshot SRF)

Bei Baschi zu Hause sieht es ziemlich gewöhnlich aus. Küche ohne Chichi, Einbauschränke, Balkon mit Grill. Baschi singt an diesem Abend vorerst kein Lied, nein, er kocht. Es gibt lauwarmen Pulposalat, was der Sänger als «solidarisches Gericht» bezeichnet. Wieso das so ist, wird nicht ganz klar. Aber Baschi hält den gekochten Tintenfisch mit so viel Inbrunst in die Kamera, dass man nicht richtig weiss, ob das jetzt eine verrückte Slapstick-Nummer ist. Oder ob Baschi zu viel Apéro intus hat.

Egal, Baschi, gefilmt mit der Handykamera von seiner Freundin Alana Netzer, gehörte zu den Höhepunkten der Sendung «Zäme dihei». Das Schweizer Fernsehen SRF hatte sie kurzfristig aus dem Boden gestampft, weil es nicht angebracht gewesen wäre, die ursprünglich vorgesehene Tanzshow «Darf ich bitten?» fortzusetzen. Man wolle so bis auf weiteres jeden Samstag Kaminfeuergefühle vermitteln, hiess es im Vorfeld. Das erinnert an Zeiten, als das Fernsehen noch linear war und Kurt Felix mit «Teleboy» die Nation vor den Kasten holte.

Baschi an der Arbeit in seiner Küche. (Screenshot SRF)
Baschi an der Arbeit in seiner Küche. (Screenshot SRF)

Das Dekor erinnerte allerdings an einen anderen Klassiker aus den 70er-Jahren. Im grossen TV-Studio sah es aus wie damals im «Spielhaus» bei Franz und René, die Moderatoren Nik Hartmann und Marco Thomann sassen in einer nostalgischen – um nicht biederen zu sagen – Wohnlandschaft. Braun in braun dominierte, nur zwei gelbe Kissen und ein digitales Aquarium sorgten für Farbe. Es gab Brettspiele, ein paar Bücher (alle aus dem Diogenes-Verlag, war das Product-Placement?), eine grosse Zimmerpflanze. Von dort holten die beiden Nachrichten aus anderen Schweizer Stuben herein.

Sympathisch war, dass da ohne Firlefanz einfach drauflosgeplappert wurde, über das, was die Schweiz (und die Welt) bewegt: Wie ist es zu Hause, was macht man, wie geht man miteinander um? Lustig waren einige Filmchen, die aus der grossen Welt des Internets eingespielt wurden, darunter Instant-Klassiker wie der Mann, der vor vielen Spiegeln mangels anderer Gesellschaft mit sich selber anstösst. Und tatsächlich für ein wenig Spannung sorgte das simple Stadt-Land-Fluss-Spiel, das Nik Hartmann gegen die Schweiz spielte (er gewann).

Farblich stich Kurt Aeschbacher heraus

Eben, es war sympathisch, aber richtig zu packen vermochte es nicht. Dazu war der Ton zu raunend zweckoptimistisch, der «Showblock» – Adrian Stern im Heimstudio – zu langweilig. Aber es gab eine zweite Ebene, auf die man sich schon bald konzentrieren konnte. Wie wohnen jetzt all diese Leute, ob prominent oder nicht? Welchen Ausschnitt aus ihrem Heim präsentieren sie uns?

Sandra Studer, die jetzt gerade beschäftigungslose Moderatorin der Tanzshow, sass zum Beispiel vor einer grossen Bücherwand. Sie besitzt ein vielbändiges Lexikon (eher als Staubfänger, wie sie sagte), erkennen konnte man auch Publikationen über den Zürcher Zoo und Schauspieler Alain Delon. Mona Vetsch präsentierte ebenfalls Bücher, aber dazu noch einen Ausschnitt ihrer Küche im Hintergrund. Überall dominierte viel Weiss. Nur bei Kurt Aeschbacher zu Hause war es bunt, assortiert zu seinem himbeerfarbigen Pulli hing ein lachsfarbenes Bild über dem Sofa. Und die Hand seines Partners Leonardo ragte manchmal lustig ins Bild.

Vor was für einer Wand steht da der Bundesrat? (Screenshot: SRF)
Vor was für einer Wand steht da der Bundesrat? (Screenshot: SRF)

Aber wo genau befand sich Gesundheitsminister Alain Berset, der über den Ernst der Lage sprach, aber auch aufmunternde Worte fand? Er stand vor einer Wand, die schwarz gestrichen war, aber nur halbbatzig. Hat der Bundesrat einen Kohlekeller zu Hause? Streicht er selber und ist vor lauter Arbeit nicht fertig geworden? Nein, er sei noch im Büro, wie fast immer in diesen Tagen, sagte er. Und bei einem kleinen Schwenker mit der Kamera merkte man, dass es sich um ein Kunstwerk handeln muss, das seinen Arbeitsplatz bestückt.

Auf dieser Meta-Ebene war «Zäme dihei» hochspannend. Wobei diese Sichtweise noch einen Nebeneffekt hatte. Am Ende konnte man sich in den eigenen vier Wänden umsehen. Zur Einsicht gelangen, dass es zu Hause auch nicht übel ist. Und man deswegen gerne daheimbleibt.

Vielleicht war das ja das heimliche Ziel der Sendung.

«Zäme dihei» gibt es bis auf weiteres jeden Samstagabend auf SRF 1

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