«Natürlich bin ich für ‹gleicher Lohn für gleiche Arbeit›. Aber... »

Gleich viel Geld für Fussballerinnen und Fussballer? Claudia Lässer, Sportchefin beim Teleclub, ist skeptisch.

Vier denkwürdige Momente der Fussball-WM in Frankreich. (Video: Tamedia)
Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Wollten Sie Fussballerin werden?
Nein, ich habe lange Zeit davon geträumt, Tänzerin zu werden. Leider bin ich mit meinen 1,82 m etwas zu gross geraten. Als ehemalige Primarlehrerin habe ich aber mit meinen Schülern oft Fussball gespielt, und meine 5-jährige Tochter möchte nun Profi-Spielerin werden.

Mit welchen Vorurteilen gegenüber dem Frauenfussball und Frauen im Fussballgeschäft wurden Sie schon konfrontiert?
Leider gibt es immer noch viele Vorurteile im Frauenfussball. Oft werden sie von Leuten geschürt, die sich wahrscheinlich noch nie ein Frauenfussballspiel angeschaut haben. Was mich bei der medialen Behandlung des Frauenfussballs stört, ist, dass im Gegensatz zur Berichterstattung über den Männerfussball immer wieder fussballfremde Aspekte wie Aussehen oder sexuelle Orientierung im Vordergrund stehen.

Wenn SRF einen Frauenmatch ausschliesslich von Männern kommentieren lässt – ist das ein Problem?
Natürlich wäre es schöner, wenn Frauenfussball auch von Frauen kommentiert würde. Aber man kann hier SRF sicher nicht unterstellen, bewusst keine Frauen als Kommentatorinnen einzusetzen. Es entspricht leider immer noch der Realität, dass es weniger Kommentatorinnen als Kommentatoren gibt. Wir sind aber in unseren Auswahlverfahren für Ergänzungen unseres Kommentatorenteams stets bestrebt, auch Frauen zu berücksichtigen, sofern sich solche für diese Positionen überhaupt bewerben.

Die US-Spielerinnen Alex Morgan und Megan Rapinoe feiern das Tor zum 12:0 gegen Thailand. (12. Juni 2019, Michael Regan/Getty Images)

Soll SRF als Gebührensender alle Matches der Endrunde im TV zeigen, wie das derzeit eine Petition fordert?
Die Frage, welche Sportinhalte mit Konzessionsgeldern finanziert werden sollen, ist nicht nur im Zusammenhang mit Frauenfussball umstritten. Dabei ist auch auf die heutige gesetzliche Ausgangslage hinzuweisen. Diese sieht vor, dass Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung einem wesentlichen Teil der Allgemeinheit frei zugänglich gemacht werden müssen. Wobei damit nicht gesagt ist, dass eine Verbreitung solcher Ereignisse zwingend durch die SRG erfolgen muss. Solche Ereignisse sind auch für den Fussball gesetzlich definiert. Dazu gehören bei der Fussball-WM Halbfinal- und Finalspiele sowie alle Spiele der schweizerischen Nationalmannschaft. Interessanterweise schweigt sich das Gesetz darüber aus, ob damit nur die Männer- oder auch die Frauen-WM gemeint ist. Insgesamt bin ich vor diesem Hintergrund der Meinung, dass die Forderung nach einer gesetzlichen Verpflichtung der SRG für die Ausstrahlung aller Spiele über das Ziel hinausschiesst.

Welche Spiele der WM der Frauen haben Sie gesehen?
Leider habe ich bisher die Zeit noch nicht gefunden, mir eine Partie live anzusehen. Ich verfolge die Frauen-WM aber anhand der Zusammenfassungen in den Nachrichten. Den Final werde ich jedoch bestimmt live mitverfolgen.

Ajara Nchout trifft für Kamerun gegen Neuseeland.

Wann überträgt Ihr Sender Frauenfussball?
Zurzeit haben wir leider keinen Frauenfussball in unserem Programm. Das liegt aber nicht an unserem mangelnden Interesse, sondern vielmehr an der Verfügbarkeit gewisser Rechte. Auch gilt es, zu bedenken, dass die Produktion von Fussballspielen eine kostspielige Angelegenheit ist. Grundsätzlich spielen wir aber schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, dem Frauenfussball den ihm gebührenden Raum in unserem Programm zu geben.

Würde mit dem Angebot von Frauenfussballmatchs, einer prominenten TV-Programmierung der Spiele, nicht das Interesse daran steigen?
Davon bin ich absolut überzeugt.

Die brasilianische Starfussballerin Marta, hier an den Olympischen Spielen 2016. (Keystone)

Was halten Sie vom Vorschlag der «Zeit», die Spielregeln stärker den Frauen anzupassen – so wie im Tennis oder im Skifahren?
Die Vorschläge sind nicht neu und zum Teil durchaus bedenkenswert. Eine Verkürzung der Spieldauer fände ich angemessen, von einer Verkleinerung des Spielfelds würde ich aber absehen. Das Schöne am Fussball ist der universelle Charakter des Spiels. Überall auf der Welt haben die Tore und das Spielfeld dieselben Masse.

Sollen Fussballerinnen gleich viel verdienen wie Fussballer? Soll der Staat hier regulatorisch eingreifen?
Keine einfache Frage. Natürlich bin ich für das Prinzip «gleicher Lohn für gleiche Arbeit». Aber wie viel sollte zum Beispiel eine Marta verdienen? So viel wie der beste männliche Berufskollege ihres Fachs? Oder so viel wie ein Spieler, der einem Verein die gleichen Einnahmen bringt wie sie? Grundsätzlich würde ich es begrüssen, wenn Verbände den Frauen für Spiele in den Nationalmannschaften dieselben Prämien ausschütten würden wie den Männern. Aber das grosse Geld verdienen die männlichen Spieler bekanntlich in ihren Vereinen. Und dort kommt das Geld in erster Linie von Einnahmen aus Fernsehrechten, Sponsoring, Merchandising und dem Ticketing. Mit anderen Worten: Es spielt hier der Markt, und es ist schwierig, zusätzlich regulatorisch einzuwirken.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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