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Neue Apple-Serie veräppelt Gameentwickler

Mit der Schaufel eine Computerlandschaft umgraben: «Mythic Quest» ist wirklich sehr komisch.

Pascal Blum
Für Kreativchef Ian Grimm (Serienschöpfer Rob McElhenney) ist der Büroalltag vor allem eine Männlichkeitsperformance. Foto: Apple
Für Kreativchef Ian Grimm (Serienschöpfer Rob McElhenney) ist der Büroalltag vor allem eine Männlichkeitsperformance. Foto: Apple

Dass der moderne Büroalltag zur absurden Komödie tendiert, wissen wir dank Serien wie «The IT Crowd» oder «Silicon Valley», wo brillante, aber unausstehliche Nerds miteinander arbeiten müssen. Zum Genre der Kaffeeraum-Sitcom stösst jetzt die Apple-TV+-Serie «Mythic Quest: Raven’s Banquet». Schöpfer Rob McElhenney («It's Always Sunny in Philadelphia») hat sie zusammen mit dem Spieleentwickler Ubisoft produziert.

Angefangen hat es beim Besuch einer Gameschmiede, wo ihm ein künstlerischer Direktor sagte: «Ich wollte nicht einfach ein Spiel erschaffen, ich wollte eine Welt erschaffen.» Den Satz zitiert McElhenney in raunendem Ton in der Pilotfolge. Er spielt den stark von sich selbst überzeugten Kreativchef Ian Grimm einer fiktiven Gameentwicklerfirma. Ein Ausbund an Virilität, der alle wahnsinnig macht, weil er sich kurz vor der Veröffentlichung einer Erweiterung zum erfolgreichen Multiplayer-Rollenspiel «Mythic Quest» zurückzieht, um noch ein wenig «herumzupröbeln».

Grösster Feind der Spieleentwickler ist ein 14-jähriger Youtube-Star namens Pootie Shoe, eine satirische Darstellung von Let’s-Play-Streamern wie PewDiePie, die dadurch Berühmtheit erlangt haben, dass sie sich online beim Zocken zuschauen lassen. In seinen Gamebewertungen verteilt Pootie Shoe statt Sternen Polöcher, und zwischendurch macht er Werbung für den Sponsor, einen Hersteller von Körpersprays. «Ein richtiges Stück Dreck», findet die «Mythic Quest»-Chefentwicklerin Poppy Li. «Ja, aber ein Stück Dreck mit zehn Millionen Fans», antwortet ihr Kollege.

Dass eine Gamefirma bei der Serie mitarbeitete, merkt man daran, dass das an «World of Warcraft» angelehnte Erfolgsrollenspiel ein durchaus glaubwürdiges Gameplay zu haben scheint. Die Spieler schliessen sich in Gilden zusammen und können ihre Avatare mit Werkzeugen oder Waffen ausstatten, die sie rauben oder mit realem Geld kaufen.

Sehr stolz ist Poppy Li auf ihr neuestes Item: eine Schaufel, mit der sich die Computerlandschaft umgraben lässt. Das Problem dabei heisst «time to penis»; eine Formel für die Zeit, die es dauert, bis die Gamer ein Loch in Penisform buddeln. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass der Kreativchef die Schaufel nicht besonders cool findet. Könnte man damit nicht Köpfe abhacken?

Ein selten glücklicher Fall

Das Videospiel als virtuelle Penisverlängerung: Zum Sexismus in der Gaming-Industrie hat die Serie durchaus etwas zu sagen, denn Poppy Li muss sich gegen Mansplaining ebenso wehren. Ausser ihr gibt es nicht sehr viele Frauen, die in ihrer Firma arbeiten.

Natürlich wissen die Macher von «Mythic Quest», wozu die Erzählform Videospiel imstande sein kann, Zocken hat hier eine Selbstverständlichkeit, ohne dass man sich ständig vor besorgten Eltern erklären müsste. Die Serie liefert auch brauchbare Beobachtungen wie jene, dass es eigentlich keine Gamerinnen über 40 gibt.

Als Weltenerschaffer sieht sich Ian Grimm aber sowieso mindestens auf der Höhe von Steven Spielberg, was angesichts der Umsatzzahlen der Spieleindustrie ja auch kein völlig verkehrter Gedanke ist. Sie hat ja jetzt auch mitgeholfen, eine narrative Serie für einen Technologiekonzern zu produzieren.

Die Vermischung der Sphären mag seltsam erscheinen, aber zwischen Film und Game gibt es schon länger einen nicht gerade von Erfolgen gekrönten Flirt. «Mythic Quest: Raven's Banquet» ist da die eher seltene Ausnahme.

Ab sofort auf TV+ von Apple.

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