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«Schlappmaul» Heinz Schenk ist tot

Mit dem «Blauen Bock» schrieb er deutsche TV-Geschichte. Nun ist der Moderator Heinz Schenk im Alter von 89 Jahren gestorben.

Der «Blaue Bock» machte Heinz Schenk berühmt, sein hessischer Dialekt blieb vielen unvergessen. Der frühere Fernsehmoderator ist nun im Alter von 89 Jahren gestorben. An Spitznamen hat es Heinz Schenk nicht gefehlt: Als «Ebbelwoi-Babbler» oder «hessisches Schlappmaul» wurde der populäre Fernseh-Wirt des «Blauen Bock» bekannt. 21 Jahre lang moderierte der Entertainer die legendäre TV-Sendung, bis er sich 1987 verabschiedete. Am frühen Morgen ist Schenk nun im Alter von 89 Jahren in seinem Wohnort Wiesbaden gestorben.

Der schlagfertige Schenk benötigte weder Teleprompter noch Gagschreiber. Die Texte im «Blauen Bock» verfasste er selbst. Auch nach dem Ende der Bembel-Sendung blieb Schenk im Fernsehen aktiv. Nachdem er die 80 überschritten hatte, zog er sich jedoch immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Haussender, der Hessische Rundfunk, feierte ihn zuletzt 2007 mit einer eigenen Sendung.

20 Millionen Zuschauer pro Sendung

Die steile TV-Karriere Schenks, der aus der Fastnachtshochburg Mainz stammte, ist untrennbar mit dem «Blauen Bock» verbunden. Die Sendung gehörte zur goldenen Ära des deutschen Fernsehens. Bis zu 20 Millionen Menschen schalteten die Sendung regelmässig ein.

Von 1966 an lud Schenk zur allerbesten Sendezeit am Samstagabend insgesamt 208 Mal als Wirt und Oberkellner in den «Blauen Bock» ein. Mit seiner Fernsehpartnerin Lia Wöhr schenkte er bis Ende 1987 rund 125'000 Liter Apfelwein aus der traditionellen Äppelwoi-Kanne aus und verteilte rund 6500 «Ehrenbembel» an alle Gäste.

Schenk war aber nicht nur der Babbler, sondern auch der Kopf der Sendung. Er lieferte die Ideen. Neben den Texten schrieb er auch fast alle Lieder selbst.

Fastnachtsredner mit 10

Schenk wurde am 11. Dezember 1924 in Mainz als Sohn eines Drogisten und einer Tänzerin geboren. Seine spezielle Begabung zum Frohsinn zeigte sich recht früh. Schon als Kind funktionierte er den Beichtstuhl im Dom zum Kasperletheater um. Fast wurde er vom Bischof der Schule verwiesen.

Mit kaum zehn Jahren stand Schenk bereits zum ersten Mal in der Bütt, dem Karnevals-Rednerpult. Nach dem Krieg wechselte der gelernte Schauspieler nach Kabarett-Auftritten zum Radio, wo er wie Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld Auftritte im «Frankfurter Wekker» hatte, der legendären komödiantischen Frühsendung des Hessischen Rundfunks. 1966 wurde er Nachfolger von Otto Höpfner im «Blauen Bock».

Computerfreak

1987 verabschiedete sich das «Schlappmaul» vom «Blauen Bock» - zum Abschluss gab es nochmals eine Traumquote von 15,9 Millionen Zuschauern. Schenk widmete sich dann wieder verstärkt der Bühne. Der oft unterschätzte Schauspieler wurde zu einer Stütze am Frankfurter Volkstheater. Zu seinen Paraderollen gehörte 1991 «De Geizhals», die hessische Version von Molières «Der Geizige».

Selbstironie zeigte Schenk 1992 mit einem Auftritt in Hape Kerkelings Film «Kein Pardon». Dort spielte er einen alternden intriganten Showmaster, der seinen Assistentinnen nachstellt.

Zu den Hobbys Schenks, der in Wiesbaden lebte, gehörten das Skatspielen, das Gärtnern und die Fotografie. Und er war - in seinem Alter eher ungewöhnlich - ein Computerfreak.

Mit seiner Frau Gerti - einer gelernten Coiffeuse - war er seit 1951 verheiratet. Gerti starb bereits im Dezember 2013. «Ich habe meine grosse Liebe verloren. Ich werde sie nie vergessen und bin unendlich traurig», sagte Schenk damals.

SDA/mrs

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