Sechs wie Pech und Schwefel

Der Bremer «Tatort» mit dem Kommissarsduo Lürsen und Stedefreund verabschiedet sich blutig und gefühlvoll.

Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln seit 2001 gemeinsam in Bremen. Jetzt ist Schluss.

Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln seit 2001 gemeinsam in Bremen. Jetzt ist Schluss.

(Bild: Das Erste)

Alexandra Kedves@tagesanzeiger

Die Flügel der Windräder rotieren durch den grauen Himmel, irgendwo bei Bremen, auf einem Acker am Ende der Welt: Regisseur Florian Baxmeyer streut poetische Vignetten in die allerletzte «Tatort»-Folge mit dem Kommissarsduo Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen). Ansonsten mixen sich in «Wo ist nur mein Schatz geblieben?» holterdipolter Thriller-Standards, Mafia-Monstrositäten und das Stereotyp vom schmutzigen Cop. Gleich zwei BKA-Beamte haben Dreck am Stecken – das abgefahrene Paar Kempf (Nicolas Stemanns Schauspielstar Philipp Hochmair) und Maller (smart: Robert Hunger-Bühler).

Die zwei halten zusammen wie Pech und Schwefel. Oder wie Lürsen und Stedefreund, die man am Anfang bei einem Fallschirmsprung aneinandergeschnallt durch die Luft segeln sieht. Es ist ein letzter Glücksmoment, denn auf dem Boden geht ja dann sofort die Ermittlung los: Die Leiche einer jungen Frau wurde unter frisch verlegtem Asphalt gefunden. Stedefreund verhält sich seltsam, und Lürsen dämmerts, dass er von einer schlimmen Vergangenheit eingeholt wird.

Süsser Kindsvater, trauriger Spion

Das dritte Paar, dessen Treue hier schweren Prüfungen ausgesetzt ist, besteht aus einer Immobilienentwicklerin, der geldwaschenden Schwester eines tschetschenischen Mafioso, und ihrem deutschen Freund, der sich auch als Kindsvater total engagiert. Eigentlich will er nicht kriminell sein und agiert als verdeckter Ermittler.

«Als VE machst du dir immer die Finger schmutzig, geht gar nicht anders», sagt die Lürsen und weiss nicht, wie recht sie hat: Stedefreund saute sich da selbst mal ein – auch seine Seele. So geraten wir in der hochdramatischen, allerdings ziemlich unglaubwürdigen Auflösung von bluttriefenden Gewaltszenen in ein todtrauriges Finale, das auf die Tränendrüse drückt.

14 «Tatorte» drehte Baxmeyer seit 2009 schon mit dem Duo (die Lürsen ermittelt seit 1997, Stedefreund seit 2001). Nun, zum Abschied, war er auch Mitverfasser des Buchs. Und man spürt, durch die arg ungestüme, abseitige Story hindurch, sein nostalgietrunkenes Weh. Zum Mitfühlen.

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