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«Sind dini Buure parat?»

«Bauer, ledig, sucht ...» ist zurück, die Kuppelshow, in der knorrige Ländler unkomplizierte Frauen suchen. Und wir sagen können: Im Vergleich gehts uns ja gut.

Moderieren auch heuer die Kuppelshow: Marco Fritsche und Christa Rigozzi.
Moderieren auch heuer die Kuppelshow: Marco Fritsche und Christa Rigozzi.
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«So herzig», sagte Rigozzi, und zwar bei jeder Gelegenheit.
«So herzig», sagte Rigozzi, und zwar bei jeder Gelegenheit.
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Köbi aus Schwyz fackelte nicht lange und fing bald an mit dem Streicheln.
Köbi aus Schwyz fackelte nicht lange und fing bald an mit dem Streicheln.
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«Sind dini Buure parat?», fragte Marco Fritsche, der Appenzeller Moderator mit Bart. Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi sagte etwas, aber vor allem strahlte sie und trug eine Art Poncho. Fritsche: «Gömmer se go aaluege!» Rigozzi: «Ja!» Da standen sie dann in der zehnten Staffel dieser Sendung: einer neben dem anderen, ein Kuriositätenkabinett des Helvetischen, ein Gruppenbild der Verschupften und Verklemmten, der wirklich Einsamen, Unterversorgten und Sitzengelassenen.

Alle hatten einen Hof, den sie bestellen müssen und der eine Beziehung nicht einfacher macht. Ein Bauer hatte achttausend Hühner, ein anderer ein Pony namens Eros, und alle neigten aus professionellen Gründen zur Unromantik. Die Idee von «Bauer, ledig, sucht …» aber besteht darin, den Bauern die Unromantik auszutreiben.

Wenns dem Fernsehen unwohl wird

Das Fernsehen nämlich beherrscht das inszenierte Gefühlstheater und hat sozusagen die arrangierte Ehe in unseren Kulturkreis wieder eingeführt. Immer gibt es echte Enttäuschung in den künstlichen Begegnungen, und zuweilen hüpft einer Dame das Herz tatsächlich. Aber oft weiss das Fernsehen gar nicht mehr, was es eigentlich angerichtet hat: Es verpackt die Romantik in eine Kuppelshow, aber im Terrarium der Normalität wird ihm schnell unwohl, wenn zwei intim werden. Mit realem Schmerz kann es schlecht umgehen, vielmehr werden die Kandidaten zur Befindlichkeitsreflexion gezwungen, und in die sauglatte Kommentarspur mischt sich immer wieder der städtische Hohn.

Rigozzi fand ohnehin alles «süss», besonders «die Schüchternen». Maulfaul waren in der Tat viele, abgesehen von einem Luzerner Cowboy mit Hang zu Lebensplattitüden. Allesamt aber suchten die Landwirte «eine Einfache» zum Halten, einer wollte sogar einen Mann und wählte zielstrebig den falschen Kandidaten. Allgemein gesehen war die Grenze zwischen Liebe und Anlehre nicht ganz trennscharf, und nicht wenige Bauern taten hemdsärmelig und machten im Kopf eine Analyse zu Chancen und Gefahren einer allfälligen Beziehung.

Die Frauen wiederum hatten etwas niedrige Ansprüche. Bei manchen Bauern haperte es mit dem Charme und dem Denken. «Sexy Jungbauer Ralph aus dem Thurgau» liess seine zwei Kandidatinnen erst mal auf dem Bergsee um die Wette rudern, sie wirkten bald wie existenziell Verlorene. Cyrill, der Metzger aus Freiburg, brauchte in erster Linie eine Frau, die Französisch spricht, damit er seine Würste richtig anschreiben kann. Köbu, ein gmögiger Fels aus Bern, machte seine Züpfe selber, und der Moderator war sich nicht zu blöd, anzumerken, da brauche er ja gar keine Frau.

Die traurigsten Gestalten

Dazwischen kam der dümmste Satz der jüngeren Fernsehgeschichte: «Es ist das Zeitalter der Emanzipation. Männer dürfen hübsch sein, und Frauen stark.» Man hats schnell sehen können: Die traurigsten Gestalten dieser Sendung sind die Redaktoren von 3+, Menschen voll urbaner Häme und dubioser Faszination für urtümliche Rituale von der Stubete bis zur Eringerzucht. Ihr Produkt heisst «Bauer, ledig, sucht ...», und ihr Verdienst besteht darin, dass sich der fernsehschauende Mittelstand einmal mehr vergewissern konnte, dass er noch nicht abgestiegen ist. Da ist weiterhin Platz, um nach unten durchzutreten, und man muss dafür nicht einmal früh aufstehen.

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