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«SRF-Unterhaltung behandelt auch schwierige Themen»

Laut der neuen SRG-Konzession muss die SRF-Unterhaltung sich deutlich von dem Angebot der Privaten unterscheiden. Tut sie das? Der neue Unterhaltungschef nimmt Stellung.

Mit Stefano Semeria sprach Simon Knopf
«Der Unterhaltung gelingt es, alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen anzusprechen»: Die Jury der Castingshow «Die grössten Schweizer Talente».
«Der Unterhaltung gelingt es, alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen anzusprechen»: Die Jury der Castingshow «Die grössten Schweizer Talente».
Gaetan Bally, Keystone

Die Sparte Unterhaltung soll sich laut der neuen Konzession stärker vom Angebot kommerzieller Sender abheben. Was bedeutet das für das künftige Unterhaltungsprogramm?

Dem Auftrag, uns von den Privaten zu unterscheiden, hat sich die Unterhaltung bereits längst angenommen – und ihn umgesetzt. Schwierige Themen wie etwa Integration, die Beschäftigung mit Randgruppen oder Programme für spezifische Zuschauersegmente wären bei privaten Medienanbietern kaum umzusetzen, da sie nur schwer refinanzierbar wären. Wir hingegen scheuen uns nicht vor solchen Themen.

An welche Ihrer Formate denken Sie?

Etwa an die SRF-Virus-Sendung «Rehmann S.O.S. – Sick of Silence». Darin spricht Moderator Robin Rehmann mit jungen Personen, die chronisch krank sind. Oder nehmen wir «Potzmusig» als Beispiel. Das Format spricht eine spezifische Interessengruppe an und findet in der breiten Masse wenig Gehör.

Was aber bedeutet die neue Konzession für bestehende Formate wie «1 gegen 100», das ein eingekauftes Format von Endemol ist?

SRF hat – alle seriellen Formate wie zum Beispiel in der Reihe «SRF bi de Lüt», Einzelsendungen und Specials zusammengenommen – knapp 75 Unterhaltungssendungen im Portfolio. Für unter zehn Prozent davon kaufen wir das Lizenzrecht für eine lokale Version ein. Die grosse, überwiegende Mehrzahl sind Eigenentwicklungen. Bei Lizenzproduktionen, egal ob Quiz oder Shows, achten wir sehr darauf, sie an Schweizer Bedürfnisse anzupassen. So haben etwa über die Hälfte aller Fragen bei «1 gegen 100» einen Schweizbezug, sei es in Geschichte, Politik, Wirtschaft, Geografie, Sport oder Kultur. Das Publikum kann also nicht nur mitraten, sondern auch noch spielerisch etwas über das eigene Land lernen.

Wo ziehen Sie die Grenze bei Lizenzformaten, was liegt nicht drin?

Schwierig wird es, wenn ein Lizenzformat bis auf die Farbe der Krawatte des Moderators alle Gestaltungselemente und Abläufe vorschreibt. Da stünde die Wiedererkennung als globale Marke im Vordergrund. Davon nehmen wir aber auch schon länger Abstand.

Wie unterscheidet sich die Unterhaltung im Service public von der Unterhaltung Privater im Generellen?

Zentral ist für mich die Frage, wie ernst wir unser Publikum nehmen. Das gilt für alle Formen und Formate. Wie präsentieren wir Personen, wie erzählen wir Geschichten? Es gibt teilweise grosse Unterschiede betreffend Fairness gegenüber dem Publikum und Respekt gegenüber den Protagonisten. Wir inszenieren unsere Protagonisten nicht in einer Richtung, die nicht ihrem Wesen entspricht. Wir führen sie auch nicht vor. Das ist ein weiterer wesentlicher Unterschied zu den Privaten. Unsere Haltung ist dabei stets das Entscheidende.

Dann gibts eine weitere Staffel von «Die grössten Schweizer Talente»?

Eine neue Staffel war meines Wissens nicht mehr geplant. Ich habe jedenfalls keine Planung übernommen, in der sie vorkommt.

Manche bezweifeln, dass es überhaupt Unterhaltung im Service public braucht. Ihre Antwort darauf?

Ich bin davon überzeugt, dass besonders Unterhaltung Werte wie gegenseitige Akzeptanz, Respekt und Anerkennung vor anderen Lebensentwürfen und Empathie für Mitmenschen jedweder Herkunft transportieren kann. Gerade weil Unterhaltung Emotionen anspricht. Und emotional vermittelte Inhalte wirken bekanntlich nachhaltiger. Der Unterhaltung gelingt es zudem, alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen anzusprechen.

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