Zum Hauptinhalt springen

Türkische Soap fesselt Araberinnen

Arabische Frauen sind dem Fernsehen verfallen - zum Verdruss von islamischen Geistlichen.

«Ich gebe zu, ich bin der Sucht verfallen», sagt Nessrin, eine 40-jährige ägyptische Journalistin, fast etwas beschämt. Wenn um 22 Uhr die türkische Soap «Noor» auf dem Programm steht, sitzt sie gebannt vor dem Fernseher - und mit ihr Millionen Frauen in der arabischen Welt.

Mohanad, der Held der türkischen Serie, hat sie mit seinen blauen Augen alle verzückt. Er sieht nicht nur gut aus, vor allem ist er romantisch und unterstützt seine ehrgeizige Frau Noor, eine Modedesignerin. Die Liebesgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen spielt in einem der wunderschönen, traditionellen türkischen Häuser am Ufer des Bosporus in Istanbul.

Bild einer liberalen Welt

«Die Tatsache, dass die Serie aus der Türkei, einem muslimischen Land, stammt, macht sie für uns besonders attraktiv», begründet Nessrin den Erfolg von «Noor». «Diese Welt ist uns näher als Südamerika, wo andere Soaps herkommen. Allerdings muss auch ich zugeben, dass oft über viele Episoden kaum etwas geschieht.»

Die Soap, die 2005 in der Türkei mit wenig Erfolg unter dem Titel «Gümüs» ausgestrahlt wurde, ist auf den arabischen Kanälen in syrischem Dialekt zu verfolgen. Sie zeigt eine liberale Welt, wie sie in der Türkei Alltag ist. Während des Fastenmonats Ramadan wird zwar gefastet, aber zum Dinner steht Alkohol auf dem Tisch - und es gibt auch vor der Ehe Liebesbeziehungen.

Arabische Zeitungen haben berichtet, dass es in Syrien, Jordanien und Bahrain wegen der Serie sogar zu Scheidungen gekommen sei. Frauen trennten sich von ihren Männern, weil ihnen im Vergleich mit der verklärten Filmwelt ihre eigenen Ehen noch trostloser erschienen.

Die Serie hat auch den Tourismus angekurbelt, insbesondere ist die Zahl der Besucher aus Saudiarabien gestiegen, die durch die schönen Bilder zu einer Reise an den Bosporus inspiriert wurden.

Satellitenschüsseln zerstört

Bei vielen islamischen Geistlichen hat «Noor» heftigen Widerstand ausgelöst. Der Mufti von Saudiarabien hat den Gläubigen verboten, sich diese populären Serien - es gibt neben «Noor» noch eine zweite - anzuschauen. Sheikh Abdul Aziz al-Sheikh erklärte, sie würden viel Böses enthalten, die Ethik der Menschen zerstören und seien gegen die islamischen Werte. Sie würden von Spezialisten für Verbrechen und Irrtümer produziert, von Leuten, die Frauen und Männer dem Teufel auslieferten und Laster in der Gesellschaft verbreiteten.

Es blieb aber nicht nur bei eindringlichen Worten von der Kanzel. In einem saudischen Dorf hat ein lokaler Clanführer Satellitenschüsseln zerschlagen. Ein Scheich in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus forderte seine Studenten auf, auf dem Koran zu schwören, dass sie sich diese verwerflichen Soaps nicht mehr ansehen würden. Als Belohnung versprach er ihnen, die Kosten für eine Umra, eine kleine Pilgerreise nach Mekka, zu übernehmen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch