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TV-Kritik: Tuckern statt blochen

Der gestrige SF-«DOK» über die EWR-Abstimmung von 1992 bot guten Stoff fürs Politologie-Seminar. Die Verknüpfung mit der Gegenwart überzeugte allerdings weniger.

Der Dokfilm «Der rechte Weg» hatte zwei Probleme. Erstens wurde er erst am gestrigen Tag ausgestrahlt, was zwar jubiläumsspezifisch sehr korrekt – exakt am 6. Dezember 1992 hatten die Schweizer den Beitritt zum EWR abgelehnt – aber eben auch ziemlich spät war. Die Emotionen von 1992 waren schon auf allen Kanälen reaktiviert und abgewirtschaftet, die Protagonisten bereits allenthalben kommentiert, analysiert und zur Rede gestellt worden. Und den wütenden brüllenden Sennen, der fuchtelnd vor Ogi und Koller steht, hatte der gemeine TV-Konsument ebenfalls irgendwo schon gesehen in den letzten Tagen.

Zweitens handelt der Film von eher alten Männern mit definitiv altbekannten Positionen, wodurch der Film spannungsmässig lange Zeit mehr tuckerte als blochte. Die Befragung von Ex-Sulzer-Chef Fritz Fahrni als Repräsentant der Wirtschaft beispielsweise erwies sich als wenig ergiebig, und erwartungsgemäss äusserte sich auch Christoph Blocher selbst. Nicht nachvollziehbar war die Behauptung der Filmemacher, Blocher engagiere sich neuerdings wieder stärker gegen die EU, wuchert der SVP-Patron doch seit der EWR-Abstimmung mit dem politischen Kapital, das ihm der historische Triumph von 1992 eingebracht hat. Den Kampf gegen die Union erachtet Blocher unverkennbar als seine Lebensaufgabe.

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