Warum SRF seine Cüpli-Show absetzt

Mit der Promisendung «Glanz & Gloria» wollte das Schweizer Fernsehen beweisen, dass es auch Boulevard kann, und zwar mit Niveau.

Nicole Berchtold, eine der Moderatorinnen von «G&G». Foto: SRF

Nicole Berchtold, eine der Moderatorinnen von «G&G». Foto: SRF

Tina Huber@tina__huber

Hat die Schweiz genug Promis, um täglich ein Klatschmagazin zu füllen? Diese Frage stellte sich die Schweiz, als 2005 «Glanz & Gloria» startete. Die Antwort nach über 4000 Sendungen: Ja, wenn man den Begriff des Promi grosszügig fasst. Und kein Problem mit Déjà-vus hat. Missen, Bundesräte, alternde Rockstars – allen hielt die vorabendliche Cüpli-Show des Schweizer Fernsehens in den 14 Jahren dankbar das Mikrofon hin.

Damit ist bald Schluss. Ende Jahr wird «Glanz & Gloria» abgesetzt, zumindest in seiner bisherigen Form. Länger und hintergründiger soll die Nachfolgesendung werden, mit gleichem Moderatorentrio. Die Abkürzung «G&G» bleibt, sie steht neu für «Gesichter und Geschichten». Der Name verdeutliche «den heute schon weitgehend vollzogenen Wandel vom reinen People-Magazin zu einem substanzielleren Gesellschaftsmagazin», teilte SRF gestern mit. Heisst auch: Die Sendung soll glaubwürdiger werden.

Im Visier der SRG-Kritiker

Tatsächlich wurde «G&G» stets ein bisschen belächelt, und besonders während der Debatte um No Billag gern als Beweis für die Verschwendung von Gebührengeldern herbeigezogen. Über die Hochzeitspläne von Ex-Missen zu berichten, gehöre nicht zum Service public, so die SRG-Kritiker. Wohl auch vor diesem Hintergrund und angesichts des Spardrucks will SRF nun sein Vorabendprogramm relevanter gestalten. Die frühen Ausgaben von «Meteo» und «Tagesschau» werden gleichzeitig ausgebaut.

Trotz der Kritik: Rund 200'000 Zuschauer schalteten jeden Abend bei «G&G» ein. Die Show strahlte etwas Heimeliges aus, mit altbekannten Gesichtern wie Christa Rigozzi, Maja Brunner, Rolf Knie, und wie das so ist, wenn alle irgendwie zur Familie gehören, behandelte «G&G» sein Promipersonal stets freundlich. Skandale? Gab es nicht. Das Aufregendste war, als Millionärsgattin Irina Beller – eine der wenigen hierzulande, welche die Bezeichnung Luxuslady nicht als Beleidigung verstehen – sich auf dem «G&G»-Sofa räkelte, mit Moderator Dani Fohrler zankte und dieser rote Ohren bekam.

Es liegt aber nicht nur an den Schweizern und ihrem schwierigen Verhältnis zu leichten Themen, dass bei «G&G» bald das letzte Cüpli ausgetrunken ist. Auch der Zeitgeist macht ein People-Magazin überflüssig. Die Miss-Schweiz-Wahl – früher der Inbegriff von Glamour – steht vor ungewisser Zukunft, und wer ein Promi werden will, braucht dafür keine TV-Sendung mehr.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt