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Was tun, wenn die Rente nicht reicht?

Der neue München-«Tatort» schickt seine Best-Ager-Ermittler ins Elend der Altersarmut – und etlicher anderer Probleme. Die träfen Sprüche dazu versaufen fast im Film-Zuviel.

Alexandra Kedves
Um diesen Tisch sind lauter alte Hasen versammelt: Die Münchner Kultermittler Batic und Leitmayr sowie ein paar vom Leben zerknitterte NGO-Mitarbeiter. An Altersmilde mangelts allen. Foto: BR
Um diesen Tisch sind lauter alte Hasen versammelt: Die Münchner Kultermittler Batic und Leitmayr sowie ein paar vom Leben zerknitterte NGO-Mitarbeiter. An Altersmilde mangelts allen. Foto: BR

Wellen schlagen ans Ufer, eine Geige tropft Träumerisches ins Ohr, und verschwommen lächelt eine schwarze Schönheit in die Kamera. Ihre nackte Schulter erglänzt in der Sonne – als plötzlich Reifen aufquietschen. Cut auf eine nächtliche Strasse im regennassen München, auf ein hektisch blinkendes Auto, aus dem eine verstörte junge Frau steigt und ins Dunkel verschwindet. Rupert Henning, Autor und Regisseur des neuen «Tatorts», setzt auf optisch harte Kontraste und erzählerisch anspruchsvolle Sprünge. Dass «One Way Ticket» auf einer wahren Geschichte fusst, verschafft diesen surrealen Hüpfern eine Aura des Echten.

Der Typ am Steuer landet wenig später auf dem Obduktionstisch. Kurz davor setzte er noch einen Notruf ab, in dem er seine Ermordung ankündigte. Ohne den Giftspezialisten in der Rechtsmedizin würden die altgedienten Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) allerdings ziemlich auf der Stelle treten. Während der Mediziner noch testet, klappern die beiden das Umfeld des toten NGO-Mitarbeiters ab. Alle zeigen sich angetan von dem selbstlosen Lehrersohn mit Jahrgang 1982, der vor allem in Kenia arbeitete.

Grelle Shots aus Nairobi

Zwischendurch switcht auch «One Way Ticket» nach Kenia: Die Produktion leistete sich dafür tolle, grelle Schnappschüsse aus Nairobi und softe Paradiesshots vom Strand auf Mauritius (wegen Sicherheitsbedenken verzichtete man auf mehr Material aus Kenia). Wir sehen einen weisshaarigen Mitarbeiter der NGO, der nach seiner Einreise in Nairobi festgenommen wird. In der Tasche schmuggelte er eine Unmenge Geld.

Allmählich entpuppen sich die Geschehnisse an den Schauplätzen München und Nairobi als Puzzleteile eines Gesamtbilds. Hier wie dort leben Arme, Abgehängte, vom System Betrogene. Jeder muss sich selbst um sein Glück kümmern und ist doch nur Marionette irgendwelcher Global Players, die Kasse machen. An der Isar sind es deutsche Rentner, die kaum über die Runden kommen und sich als kriminelle Kuriere etwas dazuverdienen: «Mit Moral hat dös alles einen Scheissdreck zum Tun», weint eine der alten NGO-Damen, die wegen Kinder-Auszeiten fatale Beitragslücken in ihrer Altersvorsorge hat.

«Auf Rente ist geschissen.»

Ein Ex-Stasi-Mann im neuen «Tatort»

Der Fall ist die perfekte Bühne für ein paar ahnungsvolle Alters-Aperçus der Best-Ager Batic und Leitmayr, die hier ihren 82.(!) Fall lösen. Leider musste die abgehalfterte Stasi ebenfalls eine – recht krause – Rolle in dem Altersdrama spielen, als deutsch-deutscher Kontrapunkt und ethische Herausforderung. Der 80-jährige Hark Bohm gibt da zwar beeindruckend die graue Eminenz, aber die aufgebrezelte Story ist dennoch nicht zu retten. Die Chose zieht sich bis zum melodramatischen Showdown zweier alter Herren – der immerhin mit der coolen Pointe endet: «Auf Rente ist geschissen.» Überhaupt: Die Stärke von «One Way Ticket» sind die bitter-träfen Sätze; so viel Film-Tamtam drumherum hätten die gar nicht gebraucht.

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