Weiss-Schwarz

Maria Furtwängler wird im «Tatort» nach Göttingen strafversetzt: In «Das verschwundene Kind» trifft sie auf eine rabiate Kollegin – und einige Klischees.

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Matthias Lerf@MatthiasLerf

«Ihre Teamfähigkeit ist gleich null.» Das bekam Charlotte Lindholm schon früh zu hören. Seit 17 Jahren ist die Einzelgängerin bereits «Tatort»-Kommissarin, aber es wird auch in ihrem 26. Fall nicht besser mit den Mitmenschen. Im Gegenteil. Strafversetzt in die Provinz bei Göttingen, muss sie sich in ein neues Team integrieren. Schon in den ersten Minuten macht sie sich unbeliebt, indem sie dem Chef sagt, sie bleibe nur zwei Wochen. Und eine dunkelhäutige Frau, die mit Gummihandschuhen am Ort des Verbrechens steht, staucht sie gleich als Putzfrau zusammen.

Da ist sie aber an die Falsche geraten. Die vermeintliche Reinigungskraft ist nämlich Hauptkommissarin Anaïs Schmitz. Die sieht mit ihrem Kurzhaarschnitt und dem muskulösen Oberkörper unter dem Trägerleibchen aus, als wäre sie direkt dem afrikanischen Königreich Wakanda aus «Black Panther» entsprungen. Was gar nicht so falsch ist, denn ihre Darstellerin Florence Kasumba hat tatsächlich in diesem Marvel-Superheldenfilm mitgespielt. Jetzt wird die ursprünglich aus Uganda stammende deutsche Schauspielerin als neue Partnerin der immer noch beliebtesten «Tatort»-Kommissarin Maria Furtwängler eingeführt.

Der eigentliche Fall kommt zu kurz

Die blonde Walküre und die animalische Kriegerin, Einzelkämpferin mit Teamspielerin – das ist ein explosives Konzept. Damit es richtig fetzt, bekommt die erste dunkelhäutige «Tatort»-Kommissarin von den Drehbuchautoren auch noch ein paar unkontrollierbare Wutausbrüche («mangelnde Impulskontrolle») verpasst. Und die stets beherrschte Blondine muss auch noch dem Ehemann der neuen Kollegin schöne Augen machen. Das ist manchmal recht süffig. Aber der eigentliche Fall um das «Verschwunden Kind» droht unter diesem Brimborium unterzugehen. Dabei wäre dieser ziemlich berührend.

Darin geht es um eine Fünfzehnjährige (gut: Lilly Barshy), die unter viel Blutverlust in einer verdreckten Sporthallengarderobe ein Kind gebiert. Das mündet in einer spannenden Geschichte um ein Baby, das möglicherweise tot im Fluss treibt oder noch lebendig in einer Mülltonne liegt. Es geht aber auch um eine zerrüttete Einwandererfamilie, einen allzu beliebten Lehrer und um schweren Missbrauch. Die beiden Kommissarinnen sind allerdings so heftig mit sich selbst beschäftigt, dass sie deutliche Spuren übersehen. Und Regisseurin Franziska Bruch tut wenig, um die beiden Erzählstränge wirklich zusammenzuführen.

«Wir sehen uns»

Schade, die Konstellation hat nämlich schon Potenzial. Schliesslich muss man kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass die beiden Frauen gegen Schluss dieses «Tatorts» irgendwie zusammenfinden. Sie sollen weiter ermitteln. «Wir sehen uns», sagen sie sich zum Abschied. Wir werden sehen.

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