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Wenn die Hemmungen fallen

Im Freiburger «Tatort» gab es viel Sex, Gewalt und Fasnacht zu sehen. Leider unglücklich kombiniert.

Kommissar Berg lässt sich im Fasnachtsgetümmel treiben. Foto: Benoît Linder (SWR)
Kommissar Berg lässt sich im Fasnachtsgetümmel treiben. Foto: Benoît Linder (SWR)

Verkleidete Gestalten tanzen durch die Strassen und schlagen auf Leute ein, rundherum betrinkt sich das Dorf in der Kneipe. Fasnet (Fasnacht) im Schwarzwald. Ausnahmezustand. Mittendrin das Ermittlerduo Franziska Tobler und Friedmann Berg. Auch sie lassen sich gehen, so sehr, dass sie zusammen in der Kiste landen. Keine optimalen Bedingungen, um die Ermittlungen zum Fall des ermordeten Philipp Kiel aufzunehmen. Dieser wurde erschlagen neben einem Hotel aufgefunden, nachdem er seine Frau in einer Schönheitsklinik für ein Lifting abgeladen hatte.

Wie ein Kater breitet sich die schlechte Laune von Tobler und Berg auf den «Tatort» aus. Und das, obwohl die Handlung eigentlich dramatisch wäre. Da ist die junge Krankenschwester Romy Schindler. Früher war sie Escortdame. Zu Beginn des Films sieht man, wie sie verprügelt wird, von einem Mann, der ihr unterstellt, sie halte das angeblich gemeinsame Kind von ihm fern. Er ist ein ehemaliger Kunde von ihr.

Auch ihr jetziger Partner schlägt sie. Sie steht drauf. Sexspiele mit Schlägen. Das mochte auch Philipp Kiel, der jetzt tot ist, ebenfalls ein ehemaliger Kunde von Schindler, der sie in der Nacht, in der er ermordet wurde, in sein Hotelzimmer bestellte.

Ein letztes Mal möchte Philipp Kiel die ehemalige Escortdame Romy treffen. Das geht schief. Foto: Benoît Linder (SWR)
Ein letztes Mal möchte Philipp Kiel die ehemalige Escortdame Romy treffen. Das geht schief. Foto: Benoît Linder (SWR)

Wer reichlich freizügige Szenen sehen möchte, ist bei diesem «Tatort» richtig. Wer einen differenzierten Umgang mit sexuellen Vorlieben und Gewalt sehen möchte, der wird enttäuscht. Spätestens dann, wenn auch das Ermittlerduo auf sich losgeht, sich anbrüllt und Kommissar Berg gegenüber Tobler bedrohlich wird. Dass man die Kommissarin und den Kommissar in der Thematik spiegelt, ist in dieser Übertriebenheit unglaubwürdig, fast schon abstossend. Ein One-Night-Stand unter Kollegen nach der Fasnacht ist nicht vergleichbar mit den Traumata des ehemaligen Escort-Girls.

Richtige Emotionen mögen da nicht aufkommen, trotz der Anlehnung im Filmtitel an Heinrich Heines Gedicht «Ich hab im Traum geweinet», das in seiner gesungenen Form eingeflochten wird. Dessen Text dreht sich um die Angst, verlassen zu werden. Tragisch, ohne expliziten Sex, Rumgebrülle und weitere Ausfälligkeiten.

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