Wieso der «Bestatter» abgesetzt wird

Die höchst erfolgreiche TV-Serie «Der Bestatter» mit Mike Müller wird nicht mehr weiter produziert. Bereits gibt es einige Nachfolger-Kandidaten.

Mike Müller in einer Szene des «Bestatters».

Mike Müller in einer Szene des «Bestatters».

(Bild: Keystone Alexandra Wey)

Philippe Zweifel@delabass

Sein Beruf war das Bestatten, nun wird er selber beerdigt: Die SRF-Serie «Der Bestatter» mit Mike Müller in der Hauptrolle wird nach sieben Staffeln und 40 Episoden eingestellt. SRF habe sich entschieden, die Krimiserie nicht weiter zu produzieren, liess das Schweizer Fernsehen gestern verlauten. Die Dreharbeiten zur letzten Staffel starten im Juni 2018, ausgestrahlt wird diese im Januar 2019.

Bei einer Serie, die derart auf eine Figur fokussiert ist, die erst noch von einem beliebten Volksschauspieler verkörpert wird, stellt sich zunächst die Frage: Hatte Mike Müller genug? Urs Fitze, der Film- und Serienchef beim Schweizer Fernsehen, verneint: «Wir haben den Entscheid gemeinsam und im vollem Einverständnis mit Mike Müller getroffen.» In der heutigen Medienwelt seien sieben Staffeln einer Serie eine halbe Ewigkeit, man wolle aufhören, solange die Serie noch erfolgreich sei. Mike Müller bestätigt dies: «Man muss diesem Produkt Sorge tragen und es nicht ausquetschen wie eine Zitrone.» Der Schauspieler sagt gegenüber berneroberlaender.ch/Newsnetz aber auch, dass er Druck gemacht habe, die Serie zu einem Ende zu bringen. «Ich kam nicht vom einen Tag auf den anderen und sagte: Mir reichts. Ich höre auf. Das waren mehrere Gespräche, die wir über zwei, drei Jahre geführt haben.»

Bescheidene Ausland-Einnahmen

Ob das SRF die Serie auch ohne Müllers Veto abgesetzt hätte, bleibt Spekulation. Fakt ist: «Der Bestatter» war eines der erfolgreichsten SRF-Formate überhaupt. Im Schnitt schalteten seit Sendestart vor fünf Jahren 700'000 Zuschauer ein, wenn im Schweizer Mischwald Leichen gefunden wurden und Mike Müller alias Luc Conrad zur Tat schritt. Diese Zahl entspricht einem sensationellen Marktanteil von 40 Prozent.

Damit ist der «Bestatter» eine Ausnahmeerscheinung im Schweizer Serien-Schaffen. Er wurde denn auch vor der No-Billag-Abstimmung von der SRF-Leitung gerne und oft als Argument für eine gelungene Umsetzung des Unterhaltungsauftrags des Service public genannt: Eine Serie, die vielen gefällt, weil sie weder abgehoben noch banal ist – gut schweizerischer Durchschnitt halt. Zwar wurde «Der Bestatter» auch an ausländische Sender verkauft. Aber die Einnahmen waren mit insgesamt ungefähr 300'000 Franken bescheiden.

Nur der «Tatort» kostet mehr

Hat das SRF mit dem Ende des «Bestatters» nun ein Serien-Problem? Davon will Urs Fitze nichts wissen: «Seit Jahren investieren wir mehr Zeit und Geld in die Entwicklung von neuen Formaten und konnten so unser Angebot stetig ausbauen.» Die bisherigen Serien seien beim Publikum gar so erfolgreich, dass das SRF von allen eine Fortsetzung plane. Fitze denkt dabei an die zweite Staffel des Krimis «Wilder» sowie jene der Komödien-Serie «Seitentriebe». Damit seien die Ressourcen für 2019 vergeben.

Mit Kosten von 712'000 Franken pro Folge – eine Staffel hat sechs Folgen – ist «Der Bestatter» eines der teuersten SRF-Formate. Nur der «Tatort» (2,1 Millionen Franken) und die selbstproduzierten Spielfilme (1,6 Millionen Franken) kosten mehr. Wohin fliesst dieses Geld nach 2019? «Ab 2020 will die SRG noch mehr Geld in die Produktion von fiktionalen Fernsehformaten investieren», sagt Fitze: «Wir werden in den kommenden Monaten intensiv eine neue Krimiserie als Nachfolge für ‹Der Bestatter› suchen.» Diese soll offenbar wieder regional verankert sein und ein ähnliches Budget haben wie «Der Bestatter». Vorgesehen ist ein Start im Jahr 2021. Auch ein neues Format für SRF zwei, also für ein jüngeres Zielpublikum sei in Planung.

Historien-Mini-Serie geplant

Dass das SRF in Serien investiert, ergibt Sinn. Das Format ist seit jeher die Königsdisziplin in der Fernsehunterhaltung und geniesst seit ein paar Jahren einen besonders guten Ruf, nachdem Streaminganbieter wie Netflix und US-Privatfernsehkanäle sich darauf spezialisiert haben. Weil diese aber keine Schweizer Stoffe bieten und die Serienproduktion teuer ist, kann eine Prestigeserie hierzulande nur von SRF gestemmt werden – was wiederum ein schlagendes Argument gegen jede Kritik an den TV-Gebühren ist.

Allerdings sind weder «Wilder» noch «Seitentriebe» Serien-Blockbuster, die Publikum und Kritik gleichermassen begeistern konnten. Dasselbe gilt für den «Bestatter», den die Kritik als «gmögig» und konventionell einstufte. Ist eine erfolgreiche TV-Serie, die über Krimi-Unterhaltung hinausgeht, in der Schweiz überhaupt möglich? «Das muss das Ziel sein», sagt Urs Fitze und verrät ein weiteres neues Format, das die Lücke füllen soll, die «Der Bestatter» hinterlässt: eine historische Mini-Serie, die in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg spielt. Diese könne auf weitere Staffeln ausgedehnt werden, mit jeweils anderen historischen Epochen, die für die Schweiz wichtig waren.

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