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«Wir haben bei SF kein Entwicklungsdefizit»

Unterhaltungschefin Gabriela Amgarten ist mit der Innovationskraft des Schweizer Fernsehens komplett zufrieden.

Frau Amgarten, welche TV-Unterhaltungsshow hätten Sie am liebsten selbst erfunden? «Teleboy». Da wurde erstmals in der Schweiz die versteckte Kamera eingesetzt. Das war für mich ein «Wow»-Erlebnis, als ich das zum ersten Mal sah. Ich war damals ein Schulmädchen, kann mich aber noch an die «Gipfeli»-Szenen erinnern. Das ist mir nachhaltig im Kopf geblieben. Kommt dazu, dass «Teleboy» dazumal innovativ war.

Was empfinden Sie heute als innovative Show? Ich finde das Prinzip hinter «Das Supertalent» sehr spannend. In der Show kann jeder sein Talente zeigen. Aber ich bin auch stolz, dass wir selbst viel Eigenes erfunden haben: «Landfrauenküche», «Über Stock und Stein», «Die grössten Schweizer Hits», zumindest die Mischung, wie sie heute daherkommt. Wir haben in diesem Sinne kein Entwicklungsdefizit.

Sie sind also mit der Innovationskraft des SF zufrieden? In den letzten zwei, drei Jahren waren wir extrem innovativ. So dicht hat das SF noch nie Sendungen lanciert. Wir haben eine ganze Freitagabendschiene neu gebaut, mit «Happy Day» eine neue Samstagabend-Kiste gebracht, ausserdem «Giacobbo/Müller», «SF bi de lüüt», «Landfrauenküche». Das ist viel. Gleichzeitig haben wir in der selben Zeit zwei, drei Dinge gemacht, die nicht funktioniert haben. Das alles unter einen Hut zu bringen, war eine grosse Herausforderung. Wir können mit der Bilanz extrem zufrieden sein. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen wissen nicht mehr, was funktioniert, müssen einen Flop nach dem anderen hinnehmen. Wir haben viel Neues erfunden und vieles davon hatte Erfolg.

Dass die eine oder andere Sendung nicht funktioniert, ist also schlicht «Berufsrisiko»? Natürlich. Wir müssen neue Wege ausprobieren und Experimente wagen dürfen. Und immer wenn man dieses Risiko eingeht, schliesst man mit ein, dass es nicht funktioniert. Sonst wäre es ja kein Risiko.

Sie haben auch Formate vom deutschen Privatfernsehen abgekupfert… Welche?

«Music Star» ist doch im Prinzip «Deutschland sucht den Superstar» nachempfunden. Eigentlich steckt das Konzept der ORF-Show «Starmania» dahinter. Aber das Prinzip der Casting-Shows ist weltweit dasselbe. Bestimmte Quiz-Formate funktionieren auch nach dem gleichen Muster. In diesem Sinn kann man da gar nicht grosse Erfindungen anstellen, sondern sich bloss für ein Format entscheiden. Ein Casting-Format kommt dann aber weltweit sehr ähnlich daher. Man kann also nicht sagen, dass wir Formate abgekupfert haben. Wir haben Genres übernommen, die weltweit funktionieren und sie für die Schweiz adaptiert.

Ist gut kopiert manchmal besser als schlecht erfunden? Natürlich profitieren wir davon, wenn woanders erfolgreiche Formate entwickelt werden. Es gehört auch zu unserem Auftrag, über den Tellerrand zu schauen und zu beobachten, was andere machen. Würden wir das nicht tun, wären wir absolute Dilettanten, die ihren Job nicht richtig machen. Wir müssen ausprobieren, ob internationale TV-Trends auch in der Schweiz funktionieren. In dieser Branche ist es üblich, voneinander abzuschauen. Das war früher auch schon so: «Dopplet oder nüt» mit Mäni Weber etwa lag eine US-Show zugrunde.

Muss man sich zwischen Innovation und Massentauglichkeit entscheiden? Man kann auch innovativ sein und mit dem Mainstream gehen. Gute Sendungen zu bauen, die nicht am Zielpublikum vorbeischrammen, aber doch etwas Neues beinhalten, ist eine Gratwanderung. Es braucht eine grosse Sensibilität, um zu spüren, was zieht und was nicht. Wenn man dieses Feeling hat, ist man gut dabei.

Der Schweizer Privatsender 3+ hat mit «Bauer, ledig, sucht…» viel Erfolg. Auch beim SF war das Format im Gespräch. Sind Sie nun etwas neidisch? Nein. Ich mag es Dominik Kaiser gönnen, dass er mal etwas gefunden hat, das funktioniert. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, auf dieser Schiene eigene Konzepte zu entwickeln. Dabei ist «Über Stock und Stein», und «Landfrauenküche» entstanden. Wir stehen also keinesfalls auf der Verliererseite. Ich muss sogar sagen: Gott sei Dank, haben wir das selbst gemacht.

Haben Sie sich die Sendung bei der Konkurrenz auch mal angeschaut? Natürlich schaue ich mir das ab und zu an. Da ist auch alles in Ordnung, die machen das schön.

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