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Gegen den schönen Schein

Das Schaulager in Basel zeigt in einer grossen Retrospektive Videoinstallationen und Filme des britischen Künstlers Steve McQueen.

Aus dem Frühwerk von Steve McQueen: Ein Videostill aus «Bear» von 1993.
Aus dem Frühwerk von Steve McQueen: Ein Videostill aus «Bear» von 1993.
Steve McQueen
Steve McQueen: Five Easy Pieces, 1995 (Videostill).
Steve McQueen: Five Easy Pieces, 1995 (Videostill).
Steve McQueen
Porträt des Künstlers.
Porträt des Künstlers.
Thierry Bal
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Der 1969 in London geborene McQueen zählt zu den markantesten und radikalsten Vertretern der internationalen Kunst. Das Schaulager hat auf zwei Etagen in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler eine eigentliche Kinostadt eingerichtet. Weil das Filmprogramm allein rund zehn Stunden dauert, kann die Ausstellung mit dem gleichen Ticket drei Mal besucht werden.

Vertreten sind Werke aller Schaffensphasen: experimentelle Video- und Filminstallationen der 1990er-Jahre, erzählerische Filme, die ab 2000 entstanden sind, zudem Fotografien und Farb-Dias und schliesslich als Besonderheit die Installation «Queen and Country» (2007-2009). Die Installation besteht aus 160 Briefmarkenbögen mit Porträts der im Irakrieg gefallenen britischen Soldaten. McQueen gab die Serie heraus, weil er im Irak, von Sicherheitsvorkehrungen eingeschränkt, nicht wie geplant filmen konnte.

Erfolg auch im Kino

Im Auditorium zeigt das Schaulager auch Steve McQueens Kinofilme: «Hunger» (2008), «Shame» (2011) und als Neuheit «Twelve Years a Slave» (2013), der voraussichtlich im Herbst in die Kinos kommt. Für «Hunger» wurde McQueen von den Filmfestspielen in Cannes mit der Caméra d'Or für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet. Der dokumentarische Spielfilm ist kein Honigschlecken.

Kämpferischer Hauptakteur ist der IRA-Häftling Bobby Sands, gespielt von Michael Fassbender. Der Film blendet zurück ins Jahr 1981. Handlungsort ist das nordirische Hochsicherheitsgefängnis Maze, wo die britische Regierung IRA-Häftlinge interniert. Diese fordern den politischen Status, der ihnen aber verweigert wird. Sie seien gewöhnliche Verbrecher, höhnt Premierministerin Maggie Thatcher im Off.

75 Gefangene gehen in den Hungerstreik, zehn sterben, darunter ihr Anführer Bobby Sands. Sein hitziges Gespräch mit einem Priester und sein langsames Sterben bilden die Höhepunkte des Films. Steve McQueen macht Sands Entkörperlichung zu einem eindringlichen filmischen Ereignis. «Hunger» kann als typischer Film des britischen Künstlers bezeichnet werden, weil er dessen wichtigste Themenfelder ausleuchtet: Politik, Religion, Gewalt, Körper und Ethik.

Documenta und Venedig-Biennale

Unter anderem für «Deadpan» (1997) wurde Steve McQueen 1999 mit dem renommierten Turner-Preis der Londoner Tate Gallery ausgezeichnet. Der viereinhalb Minuten lange Schwarzweissfilm ist eine Hommage an den US-amerikanischen Schauspieler und Komiker Buster Keaton (1895-1966) und nimmt Bezug auf einen Slapstick aus dessen Stummfilm «Steamboat Bill, Jr.» (1928).

Mit Filmen wie «Western Deep» und «Carib's Leap» nahm McQueen 2002 an der Documenta 11 in Kassel teil. 2009 vertrat er Grossbritannien an der Biennale von Venedig. Im Mittelpunkt seines dafür gedrehten Films «Giardini» steht der gleichnamige Park mit den Länderpavillons.

Die filmische Projektion zeigt kahle Bäume bei nassgrauem Wetter, die Konfetti am Boden sind Spuren der Karnevals. Es ist Winter. Menschen tauchen nur selten auf. Dort, wo sich alle zwei Jahre im Sommer die quirlige Kunstwelt trifft, macht sich ein Gefühl von Verlassenheit breit. Wie in anderen Filmen zeigt Steve McQueen auch hier eindrücklich eine Gegenwelt zum schönen Schein.

SDA/lmm

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