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«Widersetzen Sie sich dem Terror der Symmetrie»

Gucci-Kreativchef Alesandro Michele spricht über Schönheit, Zeitgefühl und seine krankhafte Sammelwut.

Wenn es einen Mode-Gott gäbe, sein Sohn würde so aussehen: Alessandro Michele, kreativer Kopf von Gucci. Foto: Getty Images
Wenn es einen Mode-Gott gäbe, sein Sohn würde so aussehen: Alessandro Michele, kreativer Kopf von Gucci. Foto: Getty Images

Alessandro Michele, der vollmundigste Ausspruch Ihrer Karriere lautet: «Die Mode ist wie eine alte Dame, die auf dem Sterbebett liegt. Ich denke, wir sollten sie sterben lassen.» Warum begrüsst ein Modedesigner den Tod der Mode?

Um sie wiederauferstehen zu lassen. Die Mode ist ein Gefängnis mit dicken Mauern geworden, und ich gebe ihr die kreative Freiheit zurück. In den Neunzigern wurde grossartige Mode gemacht, sogar die Anzeigenkampagnen waren Meisterwerke. Nach 2000 wurde dann nur noch die Mode produziert, die den höchsten Profit versprach. Der Marketingleiter baute sich vor dem Designer auf und sagte: «Dieses Frühjahr setzen wir auf Pink, weil sich Pink gerade gut in Asien verkauft. Unser zweiter Schwerpunkt ist Blau, weil sich Blau gerade gut in den USA verkauft.» Das System ist krank, wenn das Marketing dem Designer vorschreibt, wie seine Mode auszusehen hat. Erst kommt die Mode, dann die Strategie, sie zu verkaufen. Ist es umgekehrt, stirbt die Mode. Ich entwerfe bei Gucci die verrücktesten Sachen, ohne dass mir einer reinredet – und die Umsätze steigen.

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