«Ich bin auch sonst zufrieden»

Der Wahlberner Renato Kaiser hat den wichtigsten Kleinkunstpreis im deutschsprachigen Raum gewonnen. Schon wieder ein Poetry-Slammer.

Mann mit Hörnern: Renato Kaiser.

Mann mit Hörnern: Renato Kaiser.

(Bild: zvg/Aissa Tripodi)

Michael Feller@mikefelloni

Wenns läuft, dann läufts bei Renato Kaiser. Und zwar auf allen Kanälen. Seine erste mehrteilige TV-Show («Tabu») lief kürzlich auf SRF, bei Michael Elseners «Late Update» flimmert er ebenfalls über die Schirme, im Radio bestreitet er das Satireformat «Zytlupe», und zwischen alldem tourt er mit seinem Soloprogramm von Kleinkunstbühne zu Kleinkunstbühne. Und jetzt wird der Kaiser gekrönt, er gewinnt den wichtigsten Kleinkunstpreis im deutschsprachigen Raum, den Salzburger Stier 2020. Gemeinsam mit Florian Scheuba, dem Sieger aus Österreich, und der Deutschen Sarah Bosetti.

Gratulation! «Danke», sagt der 33-jährige St. Galler, der seit einigen Jahren im Berner Kirchenfeld wohnt, am Telefon. Kaiser ist nicht etwa am Feiern, sondern unterwegs zwischen zwei Terminen. «Ich bin eher der pragmatische Typ. Gegen aussen muss ich mich immer ein wenig mehr freuen, als es mir entsprechen würde. Damit niemand meint, ich hätte gar keine Freude.»

Dabei ist er nicht der introvertierte Typ. Kaiser kann gut austeilen. Er tut dies indes, ohne auf den Leuten herumzutreten, schon gar nicht tritt er gegen unten, gegen die Schwächsten. Selbst dann, wenn er wie in der Sendung «Tabu» Witze über Randgruppen macht, sind die Pointen zwar böse, aber immer auch klug und liebevoll. Kaiser muss man einfach mögen.

Geradezu humorlos wird er nur, wenn er über sich selbst spricht: «Ich konzentriere mich einfach auf das, was ich gerade mache. Ich habe für meine Karriere weder Wünsche noch Ziele, noch Ambitionen. Wenn ich den Salzburger Stier nun nicht gewonnen hätte, wäre das nicht weiter schlimm gewesen», sagt er etwa. «Ich bin auch sonst recht zufrieden. Aber ich freue mich natürlich sehr über diese Anerkennung.»

Sieger schon im ersten Jahr

Renato Kaisers komödiantisches Talent zeigte sich bei den Poetry-Slams. 2005 nahm er erstmals bei einem Slam in Sirnach teil, und im selben Jahr gewann er auch erstmals einen Wettstreit in Winterthur. Die Dichterwettbewerbe scheinen heute das Sprungbrett schlechthin für künftige Comedy-Stars zu sein – die dann auch beim Salzburger Stier in die Kränze kommen: Die Vorjahressiegerin Patti Basler kommt vom Slam, Christoph Simon (2018) auch und die Schweizer Comedy-Überfliegerin schlechthin, sowieso: Hazel Brugger gewann den Preis 2017.

Für Kaiser ist das kein Zufall. «Slams sind eine Förderbühne für so viele, weil sie so offen sind.» Ihm habe der Slam sicher vor allem Freiheit gebracht. «Beim Slam kannst du verschiedene Sachen ausprobieren. Es ist egal, wenn etwas dem Publikum nicht gefällt.»

In einem Jahr will Kaiser sein zweites abendfüllendes Programm auf die Bühne bringen. «Der Stier macht es wohl noch ein wenig einfacher, die Veranstalter davon zu überzeugen, mich zu buchen», sagt er. Deutschland damit zu erobern, sei kein konkretes Ziel – auch wenn Kaiser Auftritten im Nachbarland nicht abgeneigt ist. Ziele sind ja eh nicht so sein Ding. «Bis jetzt ist es mir in der Schweiz auch noch nicht langweilig geworden.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt