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Kassel rüstet sich für 100 Tage Ausnahmezustand

In fünf Monaten öffnet in Kassel die documenta 13 ihre Tore. Die Werbekampagne für die weltweit grösste Ausstellung zeitgenössischer Kunst läuft bereits auf Hochtouren. Hotelzimmer werden schon knapp.

Publikumsmagnet: Mohnfeld -Installation an der documenta 12.
Publikumsmagnet: Mohnfeld -Installation an der documenta 12.
Keystone

Noch fünf Monate bis zum Beginn der documenta 13: Die Werbekampagne für einen Kunstbesuch in Kassel läuft auf Hochtouren. In der Stadt hängen bereits Werbeplakate für die weltweit grösste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Schon sind die ersten Hotels für die Tage vor der Eröffnung am 9. Juni ausgebucht. Der Absatz von Gutscheinen für Eintrittskarten zieht an, und das Organisationsteam um die Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev stellt sich auf die heisse Phase der Vorbereitung ein.

Die Marketinggesellschaft der Stadt wirbt für die diesjährige documenta so stark wie nie. Sie schrieb rund 3500 Veranstalter von Kultur- und Gruppenreisen an. «Das sind 1000 mehr als noch zur vorangegangenen documenta im Jahr 2007», sagte Abteilungsleiter Dirk Bohle von Kassel Marketing der Nachrichtenagentur dapd. 80'000 Flyer und 22'000 Broschüren mit Informationen zu Übernachtungsangeboten und Veranstaltungen während der 100-tägigen Ausstellung (9. Juni bis 16. September) wurden verschickt. Auch auf den bevorstehenden Tourismusmessen CMT in Stuttgart und ITB in Berlin und im April-Heft des mit 500'000 Stück aufgelegten Deutsche-Bahn-Zugmagazins «DB mobil» wird für einen Kunstbesuch in Kassel geworben.

Bohle berichtet von einem Mal zu Mal gesteigerten Interesse an der documenta: «Die Besucherzahlen steigen. 2007 kamen ja 750'000, das hat es nie gegeben. Auch die Anfragen werden immer mehr.» Die heisse Phase der Vorbereitung beginne aber erst. «Im Frühjahr werden wir sicher doppelt bis dreimal so viel Info-Post verschicken als bisher», sagte Bohle. Die Zahl der Plakate in der Stadt wird ebenfalls deutlich steigen.

Begehrte Hotelzimmer

Auch der Hotel- und Gaststättenverband vor Ort und ausgewählte Hotels berichten vom steigenden Kunstfieber in Kassel. «Schon seit Herbst oder noch länger merken wir, dass die Reservierungen für die documenta-Zeit ordentlich zunehmen», sagte die beim Mercure Hotel für diesen Bereich zuständige Laura Krüger. Das Haus in nächster Nähe zur Kunsthalle Fridericianum verfügt über 128 Zimmer und bietet Pauschalangebote für documenta-Besucher an: Übernachtung mit Frühstück und Tageskarte für 126 Euro im Einzel- und 172 Euro im Doppelzimmer.

«Die drei Tage unmittelbar vor Beginn der documenta sind bereits ausgebucht. Das ist immer ein Ausnahmezustand bei uns», sagte Krüger. Die Welle an verstärktem Interesse von Kunstfreunden aus dem In- und Ausland, die alle fünf Jahre über Kassel schwappt, ist in ersten Ausläufern auch im Hotel Zum Steinernen Schweinchen schon zu spüren. In dem Haus mit Gourmet-Restaurant im Stadtteil Wilhelmshöhe gibt es aber noch freie Zimmer für die Eröffnungstage, zu denen nicht zuletzt viele Kunstkritiker aus aller Welt erwartet werden.

In Städten rund um den Globus stellen documenta-13-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev und ihr Team seit Herbst die Notizbuchreihe vor, die erstmals aufgelegt wurde. Autoren und Künstler schrieben dafür Gedanken zur documenta auf. Die 100 Bände werden bis Juni veröffentlicht. Die nächste Präsentation der 21 neuesten Folgen ist am Dienstag (10. Januar) in Mumbai, Indien.

Bürger als Besucherführer

Wer letztlich auf der documenta 13 ausstellt, wird wie immer erst auf einer Pressekonferenz wenige Tage vor Beginn verkündet - in vielen für diesen Zeitraum schon gebuchten Hotelzimmern dürften Journalisten wohnen. Ihr Interesse, an welchen Orten in der Stadt die Kunstwerke zu sehen sind, wird wahrscheinlich schon bei einem früheren Termin verkündet.

Zur Idee von Carolyn Christov-Bakargiev, der es vor allem die Nachkriegsbauten in Kassel angetan haben, gehört nicht nur, dass an den 100 documenta-Tagen die ganze Stadt bespielt wird. Es sollen auch sogenannte worldly companions, also weltgewandte Begleiter, die Besucher zu den Kunstwerken führen. Das sind nichts anderes als ganz normale Kasseler Bürger. Rund 700 haben sich um einen Job als worldly companion beworben, wie documenta-Sprecher Virgilio Pelayo berichtet. Nur 100 werden benötigt, das Auswahlverfahren läuft.

Ebenso der Verkauf von Gutscheinen für Eintrittskarten: Rund 6.200 wurden bereits abgesetzt. Der Verkauf zieht an, berichten Pelayo und Marketing-Mann Bohle übereinstimmend. «In der Zeit vor Weihnachten lief der Verkauf recht gut. Offenbar wurden viele Gutscheine verschenkt», sagt Pelayo.

dapd/kpn

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