Kevin Spacey droht eine fünfjährige Haftstrafe

Am Montag ist der Schauspieler vor dem Bezirksgericht von Nantucket erschienen. Dort ist eine Klage wegen sexueller Belästigung und Körperverletzung gegen Spacey anhängig.

Schauspieler Kevin Spacey während der Anklage im Gerichtssaal in Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts. (7. Januar 2019)

Schauspieler Kevin Spacey während der Anklage im Gerichtssaal in Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts. (7. Januar 2019)

(Bild: Reuters Nicole Harnishfeger)

Als Kevin Spacey am Montagvormittag den Verhandlungsraum des Bezirksgerichts von Nantucket betrat, wurde es schlagartig still. Hier war er tatsächlich, der Star aus Hollywood, der seit gut einem Jahr nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten war. Hier in der amerikanischen Provinz, auf einer Insel vor der Nordostküste, die sich im Winterschlaf befindet. Die meisten Hotels haben geschlossen, Restaurants sind dicht, selbst die Bäume sind vielerorts in Stoffbahnen eingepackt, um sie vor Frost zu schützen. Weiter weg von Hollywood kann man in Amerika kaum sein.

Dass Spaceys Rückkehr ins Licht der Öffentlichkeit sich an diesem abgelegenen Flecken Erde vollzog, liegt daran, dass am Bezirksgericht von Nantucket eine Klage wegen sexueller Belästigung und Körperverletzung gegen den 59 Jahre alten Schauspieler anhängig ist.

Im Sommer 2016 soll er einem damals 18 Jahre alten Mann in einer Bar auf Nantucket mehrmals ans Genital gefasst haben. Spacey bestreitet die Vorwürfe. Dennoch hatte Richter Thomas Barrett das Erscheinen Spaceys angeordnet. Seine Anwälte hatten argumentiert, dass ein Auftritt Spaceys «die mediale Aufmerksamkeit» rund um den Fall verstärken würde. Das beeindruckte den Richter nicht.

Dass das Erscheinen des Schauspielers zu grosser Aufmerksamkeit führte, ist allerdings richtig. Bereits am Sonntag hatten Übertragungswagen vor dem Gericht geparkt. Die wenigen Restaurants, die geöffnet hatten, waren voll mit Reportern. Einziges Thema: Wird Spacey erscheinen?

Spacey selbst sagte kein einziges Wort

Um 10.54 Uhr betrat Spacey am Montag den Gerichtssaal, begleitet von seinem Anwalt. Spacey selbst sagte kein einziges Wort. Er trug zum grauen Anzug mit Weste ein lavendelfarbenes Hemd, meistens lächelte er leicht, es wirkte, als betrachtete er die Vorbereitungen auf einem Filmset.

Formal passierte nicht viel. Der Richter sagte, worum es in dem Verfahren gehe und ordnete an, dass Spacey sich dem mutmasslichen Opfer vorerst nicht mehr nähern dürfe. Dann wurde darüber verhandelt, wann man wieder zusammenkomme. Der Staatsanwalt und Spaceys Anwalt einigten sich darauf, das Verfahren am 4. März fortzusetzen. Spacey muss zu diesem Termin nicht persönlich erscheinen. Das mutmassliche Opfer war nicht anwesend.

Seit im Herbst 2017 mehrere Männer angaben, von Spacey sexuell belästigt worden zu sein, hat er sich fast komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Im Dezember 2018 veröffentlichte er ein bizarres Video, in dem er offenbar seine Rolle als Frank Underwood aus der Serie «House of Cards» wieder aufnimmt. Ansonsten war so gut wie nichts zu sehen und zu hören von Spacey, der als einer der besten Schauspieler seiner Generation gilt. Sagen mochte er auch beim Verlassen des Gerichts nichts.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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