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Antihelden im Sündenbabel

Die Fortsetzung des Kinohits «Hangover» ist da. Der Kater könnte diesmal das Publikum treffen. Denn es ist die Sorte Humor, die man mit ein paar Bier zum Vorglühen bringen muss.

Diesmal soll alles ganz zivil ablaufen, schwört sich eine Männerclique, der ihr letzter katastrophaler Junggesellenabschied in Las Vegas noch in den Knochen steckt. Nun will Zahnarzt Stu heiraten und lädt seine Kumpel in ein luxuriöses Hotelresort in der Heimat seiner thailändischen Braut ein. Trotz schlechter Erfahrungen darf sogar Phils bekloppter Schwager Alan mit. Abends beim Lagerfeuer am Strand lassen die Kumpel zusammen mit Freddy, dem braven 16-jährigen Bruder der Braut, ein paar Biere kreisen und grillen Marshmallows.

Alles scheint ganz harmlos und drogenfrei - und doch leidet in der Komödie «Hangover 2» die Bagage am Morgen danach erneut an jenem Filmriss, der den Vorgängerfilm «Hangover» zum Megahit machte. Schnell erweist sich die Komödie als ziemlich exakte Kopie des alten Bauplans. Ging im ersten Film der netteste der Clique, Bräutigam Doug, verloren, so ist es nun das höfliche Wunderkind Freddy. Und wo früher ein Tiger im Bad lauerte, turnt nun ein Kapuzineräffchen. Lag einst ein Baby im Schrank, so bekommt das verwilderte Trio jetzt einen Mönch im Rollstuhl untergeschoben.

Master of Desaster

Wie gehabt müssen Stu, Phil und Alan, die neben einem Mordskater peinliche äusserliche Veränderungen feststellen, die Ausschweifungen der Nacht rekonstruieren. Schauplatz ist das Sündenbabel Bangkok, das seinem Ruf alle Ehre macht. Und wer das surreale Chaos von «Hangover» liebte, stellt mit Bedauern fest, dass die kühl kalkulierte Fortsetzung zwar originelle Ideen aufweist, aber dennoch fast jedes Klischee von Nr.-2-Filmen erfüllt. Nicht nur das Räderwerk des Drehbuchs knirscht lauter. Der Überraschungserfolg des Jahres 2009 besass den Charme des Improvisierten - die Fortsetzung ist drastischer, humorloser und sexuell expliziter: ein deftiger Schwank für die erwachsen gewordene «American Pie»-Generation.

So landet die Clique bei ihrer Odyssee auf den Spuren der vergangenen Nacht bei einem Tätowierer (Gaststar Liam Neeson) und in Bars mit Stripperinnen und Transvestiten, was zu nicht ganz unerwarteten Schwulitäten führt. Neben Kriminellen verschiedener Ethnien tauchen allerorten Schniedel auf.

Weil Regisseur Todd Philipps dem Unterhaltungswert von letzterem nicht ganz traut, müssen zusätzlich Überraschungsgäste aus Teil 1, Mr. Chow und Boxlegende Mike Tyson, ran. Daneben beschwören die Protagonisten mantra-artig die vergangene Las-Vegas-Sause: «Ist was mit meinen Zähnen?», fragt Stu ängstlich - bevor er die Tätowierung in seinem Gesicht entdeckt.

Die Darsteller können immer noch einiges reissen: Bradley Cooper, seit «Hangover» in der A-Liga Hollywoods, gibt erneut den rabauzigen Draufgänger, Ed Helms das ausflippende Weichei, das am meisten abkriegt, und Komiker Zach Galifianakis einen weichherzigen Freak und latent dämonischen «Master Of Disaster», den man weiträumig umfahren sollte. Unglücklichster Teilnehmer ist gewiss Justin Bartha als Doug, der bei den Kapriolen der Clique erneut weitgehend aussen vor bleibt. Fazit: auch in der Fortsetzung gibt es viel zu lachen - aber es ist eher die Sorte Humor, die mit ein paar Sixpacks zum Vorglühen gebracht werden muss.

«Hangover 2», Komödie, USA 2011, 101 Minuten, FSK: ab 12, Verleih: Warner Brothers, Regie: Todd Phillips, Darsteller: Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, Justin Bartha, Ken Jeong, Liam Neeson, Juliette Lewis, Todd Phillips, Mike Tyson u.a.

Kinostart: 2. Juni 2011

dapd/ami

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