Beki Probst erhält Ehrenpreis

Sie wirkte für den Filmmarkt der Berlinale und leitete die Quinnie-Kinos in Bern. Nun wird Beki Probst mit dem Ehrenpreis des Schweizer Films 2019 ausgezeichnet.

<b>Wird mit dem Ehrenpreis des Schweizer Films 2019 ausgezeichnet:</b> Beki Probst (Archivbild).

Wird mit dem Ehrenpreis des Schweizer Films 2019 ausgezeichnet: Beki Probst (Archivbild).

(Bild: Beat Mathys)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Die «Grande-Dame» der Berner Quinnie-Kinos bewegte sich auf dem Parkett des weltweiten Filmschaffens: Jetzt erhält Beki Probst den Ehrenpreis des Schweizer Films 2019. Das Bundesamt für Kultur würdigt sie als «eine Kulturvermittlerin von internationalem Format und eine prägende Figur der Schweizer Kinolandschaft», wie es am Dienstag bekannt gab. Der Preis ist mit 30'000 Franken dotiert.

«Einen solchen Preis zu erhalten, sei wie ein grosser Tsunami» sagt Beki Probst. «Man ist emotional berührt und man fühlt sich sehr sehr geehrt.» Stolz sei das falsche Wort, sagt sie über ihr Lebenswerk. «Ich fühle mich nicht stolz, ich bin dankbar und unglaublich privilegiert. Ich hatte das Glück, in der richtigen Zeit zu wirken, an den richtigen Orten zu sein und die richtigen Menschen kennen zu lernen.»

Wie guter Hollywood-Stoff

Das Leben der Beki Probst liest sich selber ein bisschen wie guter Hollywood-Stoff. Beki Probst wurde in Istanbul geboren. Machte dort ein Jura- und Journalismus-Studium und arbeitete nebenher als VIP-Reporterin für eine türkische Zeitung. So kam sie schon früh mit dem Who-is-Who des Old-Hollywood in Berührung – von Sophia Loren zu Brigit Bardot bis zu Grace Kelly.

So reagierte Beki Probst auf den Ehrenpreis des Schweizer Films. Video: Facebook/Schweizer Filmpreis

Am Filmfestival in Cannes lernte sie später Roland Probst kennen, den Chef der Probst-Kinobetriebe in der Berner Innenstadt. Sie verliebte sich und folgte ihm in die Bundesstadt. Hier arbeitete sie zunächst an der Kasse des Alhambra-Kinos an der Maulbeerstrasse. Aus der Probst-Arthouse-Kinokette von damals entwickelten sich später die heute immer noch in der Innenstadt verbliebenen Quinnie Cinemas.

Beki Probst arbeitete sich nach und nach von der Kassierin bis zur Geschäftsführerin der Quinnie-Cinemas hoch.

Bald machte sie sich als Kulturvermittlerin einen Namen. Wurde etwa Berlinale-Delegierte für die Türkei und Griechenland, baute am Filmfestival Locarno einen Handelsplatz auf, um Schweizer Kinobesitzern und Verleiher im Land zu halten.

Sie gehörte mehrfach den Jurys internationaler Filmfestivals an, zum Beispiel in Toronto, Jerusalem oder San Sebastián. Sie war auch Mitglied der Piazza-Grande-Auswahlkommission und sorgte etwa dafür, dass Bettina Oberlis «Die Herbstzeitlosen» auf der Grossleinwand lief.

Ab 1988 begann sie den European Film Market (EFM) aufzubauen und zu etablieren. Unter ihrer Leitung wurde der EFM zu einem der grössten und wichtigsten Treffen der Filmbranche. Bis 2014 amtete sie als Direktorin, danach bis 2018 als Präsidentin des EFM.

Anlässlich des dreissigsten Jubiläums wurde Beki Probst 2018 an den Internationalen Filmfestspielen Berlin die Auszeichnung «Berlinale Kamera» für ihre herausragende Arbeit verliehen. Eine nationale Würdigung ist also längt überfällig.

«Filme brauchen Zeit zu wachsen»

In all der Zeit blieb ihr Hauptberuf aber die Geschäftsleitung der Quinnie-Cinemas und sie hielt bis ins hohe Alter Bern die Treue (ihren Jahrgang hat sie übrigens immer für sich behalten). Erst 2014 verkaufte sie die Quinnie-Kino-Kette. «Meine grösste Sorge ist das Kinosterben. Schauen Sie einmal, wie viele Kinos in den letzten Jahren in Bern geschlossen wurden. Bern war immer eine Kinostadt!», sagt sie.

«Der mittelgrosse Film, der Arthousefilm, hat es in diesem Umfeld immer schwerer. Es ist eine Tatsache: Durch die neuen Player wie Amazon oder Netflix werden Talente dem Kinomarkt entzogen.»

Für Beki Probst gab es immer nur eine Lösung, die sie immer wieder proklamiert hat: «Es müssten wieder weniger Filme produziert werden. Die Anzahl ist enorm und gerade Arthousefilme haben es wahnsinnig schwer, sich überhaupt sichtbar zu machen.» Filme sollten wieder wachsen können- dafür brauche es Zeit.

«Wenn Kinos sie nach dem ersten Wochenende bereits wieder aus dem Programm werfen, könne nichts entstehen, keine mündliche Empfehlung, gar nichts.» Nicht zuletzt müsste der Kinogang den Leuten wieder ans Herz gelegt werden. «Alle sprechen von Events, aber du kannst nicht von Montag bis Sonntag Events haben. Es geht um das Kinoerlebnis an sich.»

Die Verleihung des Schweizer Filmpreises findet am Freitag,22. März 2019 in Anwesenheit von Bundesrat Alain Berset im «Bâtiment des Forces Motrices» in Genf statt.

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