Berner Schülerin erobert deutsche Kinos

Die Bernerin Luna Paiano spielt in «Ostwind 4» die Hauptrolle. Dafür musste sie Reiten, Bogenschiessen und Hochdeutsch lernen. Davon erzählte sie an der Vorpremiere.

Ein kleines Schauspielwunder: Unlängst noch in «Papa Moll» zu sehen, spielt Luna Paiano bereits in einer deutschen Grossproduktion.

Ein kleines Schauspielwunder: Unlängst noch in «Papa Moll» zu sehen, spielt Luna Paiano bereits in einer deutschen Grossproduktion.

(Bild: zvg)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Da kann man noch lange über Genderfragen diskutieren. Eines ist klar wie Klossbrühe: Mädchen lieben Pferde. Das zeigte sich am Sonntagnachmittag: frühlingshafte 15 Grad, stahlblauer Himmel, und im Kino Camera in Bern waren fast alle Plätze besetzt – mit 5- bis 12-jährigen Mädchen und ihren Müttern. Klar, es waren auch ein paar Väter und vereinzelt Buben anwesend.

Alle waren sie gekommen, um «Ostwind 4» zu sehen, aber vor allem auch, um die Hauptdarstellerin kennen zu lernen: Luna Paiano ist 12 Jahre alt, besucht die 6. Primarschulklasse in einem Berner Stadtquartier und vollführt gerade ein kleines Schauspielwunder. 2016 hat sie im Berner Schlachthaus-Theater im Stück «Mi lieb gstöört Vättu» als Biba mit ihrem nuancierten Spiel nur Lobeshymnen ausgelöst. Dann war sie in einer kleinen Rolle in der Krimiserie «Der Bestatter» zu sehen. Letztes Jahr schaffte sie es an der Seite von Stefan Kurt im Kinofilm «Papa Moll» erstmals auf die grosse Leinwand. In «Ostwind 4» spielt sie nun zum ersten Mal in einer deutschen Grossproduktion.

Dass sie sich im Filmbusiness wohl fühlt, zeigte auch die anschliessende Fragerunde gemeinsam mit Regisseurin Theresa von Eltz, an der sich die jungen Zuschauerinnen äusserst rege beteiligten.

3 Millionen Zuschauer

Die «Ostwind»-Reihe ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Teil eins, der 2013 ins Kino kam, erhielt gemäss einer Studie der Filmförderungsanstalt die beste Publikumsbewertung aller im Jahr 2013 in den deutschen Kinos gezeigten Filme und war gleichauf mit «Fack ju Göhte». Da überrascht es nicht, dass auf einen zweiten und dritten Teil nicht lange gewartet werden musste. Alle drei Filme zusammen lockten rund drei Millionen Zuschauer in die Kinos. Auch die Bücher zum Film sind ein Renner und erfreuen sich hoher Platzierungen in den Bestsellerlisten.

Ursprünglich erzählen die «Ostwind»-Filme die Geschichte der aufmüpfigen Schülerin Mika (Hanna Binke), die auf dem Pferdegestüt Gut Kaltenbach eine tiefe und ungewöhnliche Freundschaft zum ebenso ungestümen Hengst Ostwind entwickelt. Gemeinsam erleben Mika und Ostwind über die verschiedenen Teile hinweg spannende Abenteuer. Der vierte Teil nun nennt sich «Aris Ankunft».

«Ich mochte die Actionszenen am liebsten, in denen ich die Leute verhauen durfte.»Luna Paiano

Ari, gespielt von Luna Paiano, ist ein Waisenmädchen, das von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschickt wird und auf dem Gut Kaltenbach ein neues Zuhause findet. Durch einen Zwischenfall in Andalusien liegt Mika im Koma, und Hengst Ostwind versteckt sich traumatisiert im Stall. Ari spürt eine enge Verbindung zu dem Pferd. Im Traum erfährt sie, dass sie ihn reiten muss, um ihn zu heilen und somit auch Mika aus ihrem Koma erwachen zu lassen. Dafür muss sie aber zuerst bei Herrn Kaan (Tilo Prückner) lernen, ihre Energie zu zügeln. In einem Nebenstrang versucht ein böses Paar, sich das Gut Kaltenach unter den Nagel zu reissen.

Luna Paiano spielt Ari mit einer Reife, mit Kraft und Selbstsicherheit, das es eine Freude ist – tief, zugleich federleicht und sehr authentisch. Und der Plot, ja, der ist auch für einen Erwachsenen zumindest nie langweilig.

Drei Dinge

Dass Luna Paiano zu solchen Ehren kam, hat mit ihrem Auftritt in Papa Moll zu tun. «Ostwind»-Regisseurin Theresa von Eltz hat sie in der Rolle gesehen und wusste sofort, dass sie Luna Paiano für ihren Film haben wollte. «Diese braunen Augen und der tiefe Blick passten perfekt», sagte sie nach der Filmvorführung.

Allerdings musste Luna Paiano noch drei Dinge lernen: Reiten, Bogenschiessen (im Film eine zentrale Sache) und Hochdeutsch. Und das tat sie dann auch. Angefangen zu reiten hat sie bei «Nicole Zumkehr in Langnau», wie sie sagt. Offenbar eine Institution in der Branche, glaubt man den Reaktionen der Mädchen im Kino, die ihr anerkennend zunickten. Schiessen hat sie zuerst im Bogenschützenverein Bern gelernt, das berittene Bogenschiessen dann später in Deutschland perfektioniert. Und Hochdeutsch sprach sie am Sonntag, da könnte noch manch ein Parlamentarier sich ein Scheibchen abschneiden.

Sie wollten alles wissen

Die Fragerunde wollte gar kein Ende nehmen. Die Kinder wollten alles wissen. Etwa, welche Szene sie am meisten gemocht hatte («Die Actionszenen, in denen ich die Leute verhauen durfte») und welche am schwierigsten zu spielen gewesen sei («jene mit den Pferden, weil die nicht immer das machen, was man will»). Ein Kind wollte wissen, wie das gemacht wurde, wenn der «Bösewicht» einen Pfeil in seinen Allerwertesten bekommt.

Sowieso gab es Interna zu erfahren. So berichtete Luna Paiano, wie sie «aus versicherungstechnischen Gründen» nicht galoppieren durfte und dass auch mal ein «Fake Pferd» zum Einsatz kam. Und als die Kinder dann noch Selfies schossen und Autogramme ergatterten, kam der Gedanke auf: Das ist der Beginn einer vielversprechenden Karriere.

«Ostwind – Aris Ankunft»: ab Donnerstag in den Kinos.
(Quelle Trailer: Youtube/Constantin Film)

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt